Europa: Themen der Woche

(Europäische Union) – Was hat die Macher in der EU und die Beobachter von Europa vergangene Woche an- und umgetrieben?

  • Ein Fest der Gleich­be­rech­tigung? Dänemark verpflichtet Frauen zum Militär. Siehe unten.
  • Die Iren stimmten gegen eine moderne Verfassung – und nun? Scrolle runter.
  • Neue deutsche Kampfjets künftig atomar bestückbar… Details siehe unten.

Das alles und noch viel mehr: von WOLF ACHIM WIEGAND

EU verklagt sich selbst – Parlament zerrt Kommission vor den Kadi!

Das ist beispiellos in Brüssel – das Europäische Parlament hat die Europäische Kommission verklagt. 

Die direkt gewählte Volks­ver­tretung will klären lassen, ob die oberste EU-Behörde zurück­ge­haltene Förder­gelder von rund zehn Milli­arden Euro an Ungarn hätte auszahlen dürfen. Deren Präsi­dentin Ursula von der Leyen hatte das Geld am Vorabend einer Ratssitzung freige­geben, bei der Ungarns Minis­ter­prä­sident Viktor Orbán die Ukraine-Hilfen durch sein einsames Veto blockieren wollte. Das machte er nach dem Geldfluss nicht wahr.

Grund für das Einfrieren der Summe waren ungarische Verstößen gegen rechts­staat­liche Prinzipien. Nach Kommis­si­ons­lesart waren jedoch die Förder­be­din­gungen erfüllt. Christ­de­mo­kra­tische Partei­freunde von der Leyens haben die jetzt einge­reichte Klage nicht verhindert. Hier alle Einzel­heiten zur spekta­ku­lären Klage vor dem Europäi­schen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg: t‑online.de

Europas Politik

Frauen an die Front! 

Deutsch­lands Nachbarland Dänemark will erstmals auch Frauen zum Militär einziehen. Zugleich soll der Grund­wehr­dienst von vier auf elf Monate verlängert werden und für beide Geschlechter gelten. Das kündigte die Regierung in Kopen­hagen an. 

Damit ist Dänemark das dritte europäische Land, das die Frauen-Wehrpflicht für Frauen einführt. Norwegen und Schweden tun das seit Längerem. Der neuste Jahrgang der dänischen Armee besteht bereits zu einem Viertel aus Frauen. Grund für die Maßnahme: Bedrohung aus Russland. Das König­reich wird daher neu in landge­stützte Luftab­wehr­systeme und eine Infan­te­rie­brigade inves­tieren. watson.ch/international

„Wir haben keinen Zweifel daran, dass eine stärkere Gleich­stellung der Geschlechter zu einer moder­neren und vielfäl­ti­geren Vertei­digung führen wird, die die Zeit wider­spiegelt, in der wir leben.“

Dänemarks sozial­de­mo­kra­tische Regie­rungs­chefin Mette Fredriksen läutet eine Zeiten­wende ein

Europäische Union mit Weltpremiere:

Einen wahrhaft histo­ri­schen Beschluss hat das Europäische Parlament mit Verab­schiedung des weltweit ersten Gesetzes zur Regulierung von Künst­licher Intel­ligenz (KI) getroffen. Drei Jahre hat die äußerst leiden­schaftlich geführte Diskussion des kompli­zierten Gegen­stands gebraucht. 

Zu regeln versucht wird die Frage, wie man automa­ti­siertes Verhalten und maschi­nelles Lernen ethisch und sicher gestalten kann, damit der Mensch nicht von Technik überrollt oder kontrol­liert wird. So ist nun etwa biome­trische öffent­liche Gesichts­er­kennung in Echtzeit nur in engen Grenzen erlaubt. Experten halten das KI-Gesetz für verbes­se­rungs­fähig, erwarten aber zugleich, dass es global bahnbre­chend sein wird. rp-online.de/ br.de/nachrichten/netzwelt (Alltags­folgen) europarl.europa.eu/ (offiziell)

Iren wählen das Gestern: 

photo of people walking on street Irland Europäische Union

Die Wähler in der EU-Mitglieds­re­publik Irland haben zwei von allen Parteien vorge­schlagene Verfas­sungs­än­de­rungen abgelehnt, die überholte Famili­en­werte streichen sollten. Mehr als zwei Drittel stimmten gegen den Text. 

Damit bleibt die Verfassung von 1937 in Kraft. Sie definiert die Ehe als Famili­en­grundlage und legt für die Frau “Pflichten im Haushalt” fest. Das Ergebnis ist eine herbe Niederlage nicht für den liberal-konser­va­tiven Regie­rungschef Leo Varadkar, der sich schon 2015 als schwul geoutet hatte und mit männlichem Partner lebt. taz.de/Verfassungsreferendum-in-Irland

EU-Interessent Armenien:

Armenien Europäische Union

Das bis vor Kurzem eng mit Russland verbundene Armenien erwägt den Anschluss an die Europäische Union bis hin zum EU-Beitritt. Das sagte Außen­mi­nister Ararat Mirsojan am Wochenende. 

Das an der Schnitt­stelle zwischen Europa und Asien gelegene Kauka­susland wirft dem Kreml vor, es im vorigen Jahr nicht gegen Aserbai­dschan verteidigt zu haben. Das Nachbarland hatte damals eine mehrheitlich von Armeniern besie­delte Region besetzt und eine Massen­flucht ausgelöst. faz.net

Europäische Union rüstet sich:

Der europäische Kontinent beschafft sich so viel Rüstung, wie lange nicht mehr, teilt das Stock­holmer Friedens­for­schungs­in­stitut Sipri mit. Allein in den vergan­genen fünf Jahren habe sich das impor­tierte Militär­ma­terial fast verdoppelt. Grund: Der russische Angriffs­krieg auf die Ukraine, die (logisch) Europas größte Einfuhr­nation ist. Bei den Waffen­ex­por­teuren gehört Deutschland zu den Top fünf weltweit. morgenpost.de/politik

„Russland wird auch in Zukunft eine massive Bedrohung darstellen. Daher werden die europäi­schen Länder weiterhin beträcht­liche Mengen an Waffen geliefert bekommen“

Sipri-Forscher Pieter Wezeman sieht vorerst kein Ende der Aufrüstung kommen

Fernziel EU-Armee:

Europäische Union Aleksander Kwaśniewski
Aleksander Kwaśniewski

Der ehemalige polnische Staats­prä­sident Aleksander Kwaśniewski hat die Europäer dazu aufge­rufen, sich innerhalb der NATO-Struk­turen stärker zu engagieren. Es sei bequem, sich auf die Unter­stützung der USA zu verlassen. Aber Europa müsse “mehr zu Sicher­heits­fragen beitragen, seine Vertei­di­gungs­in­dustrie stärken und zuallererst über gemeinsame schnelle Eingreif­truppen und in Zukunft vielleicht über eine europäische Armee nachdenken.” Kwaśniewski hatte 1999 die polnische NATO-Mitglied­schaft unter­zeichnet. polskieradio.pl

Kampfjet atomar bestückbar:

Europäische Union Bundeswehr F-35

Das von der Bundeswehr in den USA bestellte Tarnkappen-Mehrzweck­kampf­flugzeug F‑35 A ist jetzt für die thermo­nu­kleare Schwer­kraft­bombe B61-12 gerüstet. Das berichtet das US-Militär­ma­gazin Breaking Defense und zitiert einen Sprecher des Herstellers Lockheed Martin. Damit sei der Jäger ein “duales ” Flugzeug, das nukleare wie konven­tio­nelle Waffen tragen könne. 

Man erwarte vom Zugriff auf die „smarte“ präzi­si­ons­ge­lenkte Wasser­stoff­bombe weitere Abschre­ckungs­fä­hig­keiten der USA und der NATO, heißt es. US-Atomarsenale gibt es derzeit in Belgien, Deutschland (Büchel), Italien, den Nieder­landen und der Türkei. In Europa gilt die F‑35 als Schlüssel zur Abwehr einer russi­schen Aggression. breakingdefense.com bundeswehr.de

“Die Bühne für die Aufrüstung der takti­schen Nukle­ar­waffen in Europa ist bereitet”

US-Atomwaf­fen­ex­perte Hans Kristensen sieht einen Meilen­stein bei der Moder­ni­sierung von Atomwaffen

Klimamuffel Europäische Union:

Die Europäische Union muss mehr gegen Klima­ri­siken tun. Das fordert die Europäische Umwelt­agentur (EUA) in einer Risiko­be­wertung. Danach erwärmt sich kein Kontinent schneller als der zwischen Nordkap und Sizilien. 

Vor allem dem Süden drohen Gefahren. Sie gefährden Energie- und Ernäh­rungs­si­cherheit, Ökosysteme, Infra­struktur, Wasser­res­sourcen, Finanz­sta­bi­lität und Gesundheit. Viele dieser Risiken hätten bereits kritische Niveaus erreicht und könnten ohne sofortige, entschlossene Maßnahmen katastro­phale Ausmaße annehmen. eea.europa.eu

30.830.000.000

Deutschland zahlt jährlich rund 30,83 Milli­arden Euro in den EU-Haushalt ein und stellt damit den höchsten natio­nalen Beitrag.

Europas Wirtschaft

EU-Spielzeug soll sicherer werden

toddler wearing head scarf in bed Europäische Union

Das EU-Parlament hat schärfere Auflagen für die Herstellung von Spielzeug beschlossen, um Kinder besser zu schützen. So dürfen Teddys, Puppen und Co. bald keine schäd­lichen Chemi­kalien mehr enthalten. Stoffe, die Atemwege hemmen, sind verboten. Trans­parenz über das Material soll ein digitaler Produktpass schaffen. europarl.europa.eu/

Europäische Union: Aus für neue “Super League”?

green football field Europäische Union

Die geplante europäische Fußball-“Super League” wird es wohl nie geben – jeden­falls nicht unter diesem Namen. Die EU-Marken­be­hörde hat nämlich festge­stellt, dass eine Regis­trierung unter dieser Bezeichnung Marken­rechts­ver­letzung wäre. Grund: Die Marke befände sich im gemein­samen Besitz der dänischen Klubs. Die Initia­toren des Projekts können dagegen Berufung einlegen – oder einen neuen Namen aussuchen… krone.at


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