Europa im Blick­punkt – Wiegand wills wissen” – Kolumne für FORUM – Das Wochen­ma­gazin. Heute: Durch­ein­ander bei Bildung der EU-Kommission. Die Schwächen von EU-Insti­tu­tionen treten zutage. Europäi­sches Parlament ohne echten Einfluss.

Europa im Blick­punkt – Titelfoto KI-generiert

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Europa im Blickpunkt
Wiegand wills wissen

Die Bildung des EU-Kommis­si­ons­kol­le­giums unter Ursula von der Leyen ist ein Trauer­spiel. 450 Millionen Bürger wissen bis heute nicht, wer ihre Geschicke für fünf Jahre definitiv bestimmen wird. Etliche der Benannten müssen sich erst noch einem hochnot­pein­lichen “Grillfest” des Europäi­schen Parla­mentes stellen.

Die Prozedur ist ein Armutszeugnis für die handelnden Akteure, aber auch für den Zustand der EU-Institutionen.

Ein gerüt­teltes Maß an Schuld trifft die Chefin. Von der Leyen hat sich unnötig selbst unter Druck gesetzt. Sie befahl den Regie­rungs­chefs brüsk, jeder zweite Vorschlag müsse weiblich sein. Die meisten benannten aber einen Mann. Weil er für sie die bestge­eignete Person war. Für sie schlug das Quali­täts­ar­gument unfle­xibles Quoten­denken. Richtig so! 

Von der Leyen hat einzelne Regie­rungen mit welchen Mitteln auch immer gezwungen öffentlich Auser­korene ehrab­schneidend zurück­zu­ziehen. Dies verschafft der jeweils zweiten Wahl kein Gütezeichen.

Beispiel: Slowenien hatte zunächst mit dem Chef seines Rechnungs­hofes einen hochqua­li­fi­zierten Finanz­ex­perten berufen. Nach Inter­vention Brüssels und massivem Druck musste er peinlich so tun, als zöge er aus freien Stücken zurück. Als Neue kam eine, die einst mit der jugosla­wi­schen Geheim­po­lizei verwoben war. Die breite Kritik an der Dame ist kein Wunder.

Die neu benannte EU-Kommission

Europa im Blickpunkt

Das unwürdige Verfahren muss reformiert werden.

Es kann nicht sein, dass krampfhaft jedes der 27 EU-Länder ein Ressort zugeschustert bekommt. Brüssels Beschäf­ti­gungs­suche gebiert seltsame Jobbe­schrei­bungen wie „Werte und Trans­parenz“ oder „Förderung unserer europäi­schen Lebens­weise“. Es ginge auch mit der Hälfte. Das größte Land im Staaten­verbund, Deutschland, kommt mit 16 Ressorts aus. 

Eine andere Crux liegt darin, dass die Kommission nicht wie in den Natio­nal­staaten aus dem Parlament heraus ins Amt kommt. Die Prozedur ist ein Kompetenz-Kuddel­muddel. In ihm mischen zu viele Köche mit: Die EU-Regie­rungen und die Kommis­si­ons­prä­si­dentin. Und – ja, am Ende und fast verschämt – auch das Europäische Parlament.

Ausgerechnet die einzige direkt vom Volk gewählte Institution hat nur sehr begrenzte Mitsprache. 

Das könnte sich ändern, wenn wir Verei­nigte Staaten von Europa mit einer richtigen Europa-Regierung hätten. Aber wer traut sich, diese kühne Vision im Geflecht des natio­nal­staat­lichen Egoismus voran­zu­treiben? Ich. Und Sie? Kommentare unten, bitte. 

Nächste Woche mehr aus Europa.

Eine Kolumne von Wolf Achim Wiegand, freier Journalist mit EU-Spezialisierung

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