Europa: Themen der Woche

(Europäische Union) – Was hat die öffent­lichen Diskus­sionen und politi­schen Initia­tiven in Europa angetrieben? Was beschäf­tigte die Europäische Union, das Europäische Parlament und die EU-Kommission in der Europa Woche 2024/38? Das und noch viel mehr – hier:

  • Das neue “Kabinett” der EU-Chefin Ursula von der Leyen ist benannt, steht aber noch vor Hürden: Siehe unten.
  • Zwei Länder stellen den mühsam geschmie­deten EU-Asylpakt wieder in Frage. Details siehe unten.
  • Wird die EU auch im Freien eine “pafffreie Zone”? Umfas­sendes Rauch­verbot im Gespräch: Scrolle weiter.

Das alles und noch viel mehr: von WOLF ACHIM WIEGAND

Uschis Kuddelmuddel:

Die Bildung des EU-Kommis­si­ons­kol­le­giums unter Ursula von der Leyen war ein Trauer­spiel. Sie dauerte über ein Vierteljahr. Ein gerüt­teltes Maß an Schuld trifft die Chefin. Brüsk forderte sie den Regie­rungen ab, jeden zweiten Vorschlag weiblich zu besetzen. Den Gefallen taten sie ihr nicht, bevor­zugten Quali­fi­kation vor Quotendenken.

Das unwürdige Geschacher muss refor­miert werden. Nicht jedes der 27 EU-Länder braucht ein Ressort. Aber vor allem sollte die Kommission aus dem EU-Parlament heraus ins Amt kommen, der einzigen direkt gewählten EU-Insti­tution. Die derzeitige Prozedur ist ein Kompetenz-Kuddelmuddel.

Meine Vision: Verei­nigte Staaten von Europa mit einer richtigen Europa-Regierung. Aber das traut sich im Geflecht des natio­nal­staat­lichen Egoismus momentan keiner voran­zu­treiben. (waw)

Weiter­füh­rende Links:

commission.europa.eu (Liste) european.expert (Hinter­grund) tagesschau.de manager-magazin.de

Ende des EU-Asylpaktes? 

Die seit Jahren geführten Debatten um Europas Migra­ti­ons­po­litik sind um eine Variante reicher. Die neue Rechts­re­gierung der Nieder­lande und die Natio­na­listen in Ungarn wollen den Ausstieg aus den EU-Asylregeln beantragen. In Den Haag postete Asylmi­nis­terin Marjolein Faber auf Social­Media-Plattform X:

„Wir sollten unsere Asylpo­litik wieder selbst in die Hand nehmen!“ 

Aus Budapest folgte Europa­mi­nister János Bóka auf dem Fuße:

Damit verlassen die beiden Länder den bishe­rigen europäi­schen Konsens. Begründung: Eine Notlage wegen Gefährdung verfas­sungs­rechtlich gebotener Aufgaben wie die Bereit­stellung von Wohnungen, Gesund­heits­ver­sorgung und Bildung. Ein Erfolg der beiden Begehren ist aber unwahr­scheinlich: Einer Ausnah­me­re­gelung müssten alle 27 EU-Staaten zustimmen. Auch die Kommission will nicht auf die zwei einsamen Rufer in der EU-Wüste eingehen. x.MinisterAenM deutschlandfunk.de

Transparente Ukraine:

Die Regierung in Kyjiw hat die Vereinten Nationen (UN) und das Rote Kreuz (IKRK) einge­laden. Sie sollen sich ein Bild von ihren militä­ri­schen Aktivi­täten auf russi­schem Staats­gebiet machen. Außen­mi­nister Andrii Sybiha: Die Insti­tu­tionen könnten gerne die Einhaltung des humani­tären Völker­rechts durch die Ukraine kontrollieren.

Russland, das selbst keine Weltor­ga­ni­sa­tionen in besetzte Gebiete lässt, reagierte schroff. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow nannte den Vorschlag der Ukraine „provo­kativ“. Er gehe davon aus, dass die UN und das IKRK die Einla­dungen in das Gebiet nicht annehmen würden. Dieses Gebiet ist dasjenige, aus dem Moskau über 150.000 Personen evakuiert hat. n‑tv.defr.de (Lage in Kursk)

Europa Woche 2024/38

Freie Fahrt an freien Grenzen:

Der Auftakt der deutschen Kontrollen an den laut EU-Recht an sich offenen Grenzen der Bundes­re­publik ist unspek­ta­kulär verlaufen. Chaos, wie es Regie­rungen unserer Nachbar­staaten erwartet hatten, gab es seit dem Premie­rentag am Montag praktisch nirgendwo. Aller­dings kann die Bundes­po­lizei aus Kapazi­täts­gründen sowieso nur räumlich und zeitlich begrenzte Stich­proben zur Abwehr illegaler Migranten durchführen. 

Große Wirkung erwarten Experten auch künftig nicht. Der Krimi­nologe Tobias Singeln­stein von der Goethe-Univer­sität Frankfurt sieht „eher eine symbo­lische Maßnahme“. Die gewollte Abwehr illegaler Einrei­sender und terror­ver­däch­tiger Islamisten dürfte so nicht gelöst werden können. bmi.bund.de (Amtsinfos)

„Ein schreck­licher Tag!“ – Für die Ko-Frakti­ons­chefin der Grünen in der Hambur­gi­schen Bürger­schaft, Jenny Jasberg, ist offenbar die Welt untergegangen.

Europa Woche 2024/38

Schluss mit Pafffreiheit? 

Bild: KI

Die Europäische Kommission setzt sich für ein Tabak­rauch- und E‑Zigarettenverbot auch in Außen­be­reichen ein. Dazu zählen Spiel­plätze, Schwimm­bäder oder schulnahe Bereiche. Das geht aus neuen Empfeh­lungen der obersten EU-Behörde für eine rauch­freie Umwelt hervor. 

Begründung: Die derzeit gültigen Empfeh­lungen würden ihren „Schutz­zweck“ nicht vollständig erfüllen, da sie nur Innen­räume und keine neuen Paffpro­dukte abdeckten. Der Plan ist Teil eines EU-Aktions­plans zur Krebs­be­kämpfung. Er soll bis 2040 „die erste tabak­freie Generation“ schaffen. Nikotin­sucht soll dann weitgehend der Vergan­genheit angehören, so die Theorie. euractiv.com

EU: Zu dement für Demenz? 

Die Europäische Union ist zu ängstlich bei Maßnahmen gegen die häufige Alters­krankheit Alzheimer. Das beklagen Experten anlässlich des Welt-Alzhei­mer­tages. Anders als in Übersee habe die EU immer noch keine Therapie gegen die gedächtnis- und persön­lich­keits­schwä­chende Krankheit zugelassen. 

In den USA oder Japan werden laut State­ments „wichtige Erfah­rungen“ mit der hier abgelehnten Lecanemab-Behandlung gesammelt. Europa hingegen werde von weiteren Forschungen und Fortschritten gegen die Demenz abgeschnitten. Weltweit leiden mehr als 35 Millionen Menschen am bislang unheil­baren Alzheimer, rund eine Million davon in Deutschland. Frauen sind deutlich mehr betroffen. handelsblatt.com

Hochwasser tötet auch Vögel:

Bild: KI

Während die Pegel­stände nach den verhee­renden Hochwassern in Südost- und Mittel­europa in vielen Regionen sinken offenbar sich die Verwüs­tungen. Unzählige Menschen in Öster­reich, Tsche­chien, Polen und Rumänien stehen vor den versun­kenen Trümmern ihrer Existenz. 

Opfer des Hochwasser-Chaos sind auch Wildtiere, berichtet die Hilfs­or­ga­ni­sation Tierschutz Austria. So sterben tausende Zugvögel an Wasser­massen und Kälte­ein­bruch. Besonders betroffen: Mauer­segler und Schwalben. stern.denationalgeographic.de

Europas Wirtschaft Europawoche 2024/35

Autobranche unter Druck: 

China heizt den Handels­streit mit der EU um seine massenhaft zum Subven­ti­ons­preis nach Europa expor­tierten E‑Autos an. Der Staaten­verbund habe neue Vorschläge aus Peking zur Beilegung der Ausein­an­der­set­zungen „ignoriert“. Damit habe die EU „Bemühungen unter­graben, die Spannungen durch Dialog abzubauen“, dröhnt es in staat­lichen Medien. 

Bild: KI

China zitiert EU-Politiker, die bereits verkündete harte Zollsank­tionen der EU-Kommission für falsch halten, darunter aus Spanien, Deutschland und Schweden. Auch die Kfz-Wirtschaft ist kritisch, weil sie chine­sische Vergeltung für ihre Werke in China fürchtet. Der Krach kommt für sie zur Unzeit. EU-Hersteller verlangen „dringend“ Staats­hilfe, weil ihnen teure Klima­schutz­ge­setze und Umsatz­ein­bußen (E‑Autos in Deutschland: – 69 %!) gleicher­maßen schaden. x.com/chinaorgcn finanzmarktwelt.de

Europas Blick nach oben:

Nach der reibungs­losen Landung der privat finan­zierten US-Weltraum­kapsel „Polaris Dawn“ von SpaceX-Chef Elon Musk richtet sich der Blick auf die Allpräsenz Europas. Die hiesige Raumfahrt­in­dustrie „ist hervor­ragend, aber klein“, sagt der Leiter der Europäi­schen Weltraum­or­ga­ni­sation (ESA), Josef Aschbacher. Die Krise um Träger­ra­keten sei überwunden und ESA stelle sich mit neuen Geschossen dem globalen Wettbewerb. 

Ein Erfolgs­bei­spiel ist laut ESA das Coper­nicus-Erdbe­ob­ach­tungs­pro­gramm. Seine Satel­liten liefern weltweit täglich 300 Terrabyte an Daten für öffent­liche und ökono­mische Zwecke. Darunter die Agrar­vor­her­sagen, Katstro­phen­schutz­daten und spezi­elles Karten­ma­terial. Ein weiteres Beispiel ist das hochpräzise Naviga­ti­ons­system Galileo.

Um zu wachsen, brauche ESA jedoch mehr staat­liche und private Inves­ti­tionen, betont Aschbacher. Projekte wie die fünftägige Musk-Mission mit „All-Touristen“ in 1.400 Kilometer Höhe sind für die ESA derzeit illusionär. x.euronewsheise.de (SpaceX Polaris Dawn)

Europa ist auf jeden Fall zurück im Weltraum.“ – ESA-Direktor Josef Aschbacher ist stolz auf seine Projekte.

Europa Woche 2024/38

Europawoche 2024/35

36.000 km

Das ist die Höhe, in der Wetter­sa­tel­liten über dem Äquator für gewöhnlich ihre geosta­tio­nären Umlauf­bahnen ziehen. Europa z. B. betreibt die sogenannte Meteosat-Serie. Es dauert aller­dings bis zu 24 Stunden, bis deren Daten den Gesamt­globus abdecken und voll brauchbar sind. Deshalb sucht man neue Wege für kurzfristige Wetter­vor­her­sagen.

Europa Woche 2024/38 Titelbild: KI

Europawoche 2024/35

Biergenuß nüchtern betrachtet: 

Wissen­schaftler fordern Großbri­tan­niens Regierung auf, in Kneipen um ein Drittel kleinere Biergläser vorzu­schreiben. Das könne die Volks­ge­sundheit fördern. Das Tradi­ti­onsmaß Pint solle abgesenkt werden.
bbc.com


Man soll den Menschen etwas anbieten, das wie ein Pint aussieht, sich wie ein Pint anfühlt, aber kein Pint ist, was bedeutet, dass man am Ende vielleicht weniger trinkt und gesünder lebt. – So stellt sich ein Politiker die Zukunft der briti­schen Bierkultur vor.

Europa Woche 2024/38


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