“Europa im Blickpunkt – Wiegand wills wissen” – Kommentar für FORUM – Das Wochenmagazin – Heute geht es um einen Nachklapp zur Wahl in Großbritannien
Titelbild: KI-generiert

Europa im Blickpunkt
Wiegand wills wissen
Calais/Dover (waw) – Der Ärmelkanal ist jetzt nicht nur die Trennlinie zwischen EU und Brexit-Britannien, sondern auch ein Graben der politischen Abgrenzung. Mit dem Kantersieg der Labour Party in London hat das Land an der Wasserstraßen-Nordküste den Kompass auf Stabilitätskurs gestellt. Am Südufer dagegen steuern die Rudergänger aller drei Gegenüber Englands entgegengesetzt.
- Frankreich ist ins Links/Rechts-Chaos abgebogen.
- Belgien nimmt gerade Kurs auf eine wackelige Populisten-Koalition.
- Die Niederlande mit der Von-Gnaden-Wilders-Regierung sind schon steuerbords im Ziel.

Blickpunkt Rechtspopulisten
Indessen sitzt Premierminister Keir Starmer durch seinen Kantersieg die nächsten fünf Jahre wohl sicher auf der sozialdemokratischen UK-Kommandobrücke. Das verdeckt freilich, dass es auch im Reich von König Charles III. rumort.
Die „Reform UK“-Partei des lautstarken Rechtspopulisten Nigel Farage hat durchaus erfolgreich die Fangnetze gegen die völlig zerriebenen Konservativen ausgeworfen. Ihre Wahlkreis-Kandidaten haben vielfach als Köder für Unzufriedene die Tories überrundet. Nur das britische Wahlrecht („The winner takes it all“) hat blockiert, dass die prozentual drittstärkste Partei im Parlamentspalast am Big Ben mehr als eine Minitruppe zum Big Ben entsendet. Das könnte nächstes Mal ganz anders sein.

Blickpunkt Festland-Europa
Trotz der politischen Vertiefung des Ärmelkanals: Es gib Hoffnung, dass der EU-freundliche Hausherr in 10 Downing Street neue Brücken zwischen Brexit-Britannien und der EU baut. Starmer will die Loslösung flexibilisieren. Auch bei Sicherheit und Verteidigung will der frischgebackene Premier den Blick über die Kreidefelsen von Dover hinaus richten.
Kommt es gar zu einem Verteidigungspakt zwischen der Royal Army und den EU-Armeen? Erster Test für die neue Labour-Regierung ist am 18. Juli. Dann empfängt Starmer im Blenheim Palace nahe Woodstock, Oxfordshire, rund 40 europäische Staats- und Regierungschefs zum Gipfeltreffen.
Ein Kommentar von Wolf Achim Wiegand, freier Journalist mit EU-Spezialisierung


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