(Europäische Union) – Was hat die Macher in der EU und die Europa-Beobachter vergangene Woche umgetrieben?
Europa: Themen der Woche
- Der Wahlsieg der zum Teil linksextremen Volksfront in Frankreich ist das Thema Nr. 1 dieser Woche. Siehe unten.
- Chinas Militär taucht plötzlich an Europas Grenze auf. Details siehe unten.
- Riesenrakete bringt Europa ins All zurück: Scrolle runter.
Das alles und noch viel mehr: von WOLF ACHIM WIEGAND

Chinamilitär an EU-Grenze:
Nur wenige Kilometer vor der EU-Außengrenze von Polen führen chinesische Truppen derzeit Manöver gemeinsam mit der Armee des sanktionierten Russland-Verbündeten Belarus durch. Laut der Nachrichtenagentur Xinhua (Peking) üben sie Geiselbefreiung und Anti-Terror-Einsätze. Der “Zufall” ist es, dass die Trainings ausgerechnet parallel zum NATO-Gipfel in Washington gestartet sind.

Es ist das größte Training dieser Art, das China je in Europa durchgeführt hat. Der Schauplatz liegt bei der Stadt Brest. Ein NATO-Beamter kommentiert das so: „Das veranschaulicht die wachsenden Beziehungen zwischen autoritären Mächten – wir bleiben wachsam.“ In den USA drängen Politiker auf einen Militärnotfallplan für den Fall, dass die Volksrepublik einem Krieg in Europa beitritt. politico.eu zdf.de

Schockwahl in Frankreich wirbelt alles durcheinander:
Seit dem vorigen Sonntag ist die rechtsextreme Partei “Rassemblement National” von Marine Le Pen entgegen aller Vorhersagen nur drittstärkste Kraft geworden. Wahlsieger wurde die aus vier Parteien bestehende überwiegend linksextreme “Neue Volksfront”. Die Liberalen von Präsident Emmanuel Macron erhielten die zweitmeisten Sitze.
Da niemand eine Mehrheit hat und die drei Machtblöcke nicht miteinander kooperieren wollen ist Frankreich über Nacht instabil geworden. Premierminister Gabriel Attal amtiert nur noch bis auf Weiteres. Das hat heftige Auswirkungen auf die EU. Lese dazu meine Meinung:


EP-Machtverteilung ausgekungelt:
Vier Wochen nach der EU-Wahl ist das Kulissengeschiebe im Europäischen Parlament zum Ende gekommen. Die Fraktionen haben angemeldet, welche Ausschüsse sie leiten wollen. Das ist zentral wichtig, weil dort jedes Gesetzesvorhaben diskutiert und formuliert wird.

Als größte Fraktion greifen die Christdemokraten (EVP) u. a. auf die Ausschüsse für Industrie, Landwirtschaft und Außenpolitik zu. Die Sozialdemokraten möchten z. B. Umwelt, Wirtschaft und Handel leiten, während die Liberalen (Renew) vor allem Appetit auf das neue Gremium für Verteidigung haben, das die FDP-Abgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann führen soll.
Die rechtsextremen „Patrioten“ als Drittstärkste wünschen die Kontrolle über Verkehr sowie Kultur und Bildung – was die Mehrheitsfraktionen aber blockieren wollen. Die Konservativen (ECR) greifen nach Haushalt, die Grünen nach Binnenmarkt/Menschenrechte und die Linken nach Arbeit/Soziales. Endgültige Beschlüsse fallen bis Ende nächster Woche. tagesschau.de
AfD baut sich Europabühne:
Nach Wochen des Antichambrierens hat es auch die AfD geschafft – die Gruppe der deutschen Rechtspopulisten zimmerte sich ein neues Bündnis im EU-Parlament. Es soll „Europa Souveräner Nationen“ (ESN) heißen und 28 Abgeordnete aus neun Ländern vereinen, die teils als rechtsextrem und antisemitisch gelten. Da die Hälfte von der AfD kommt hat die sich mit dem einstigen Höcke-Pressereferenten René Aust (37) aus Thüringen den Chefposten gesichert.
Nach dem Rausschmiss aus ihrer bisherigen Fraktion wegen zu extremer Haltung hatte es lange so ausgesehen, als müsse die AfD fraktionslos bleibe. Das blüht nun einzig Maximilian Krah, der zu enger Russland- und China-Kooperation verdächtigt wird und die SS relativiert hat – Krah ist zu toxisch und bleibt bei der neuen Fraktion vor der Tür. welt.de
Wird Orbán abgesetzt?

Der Unmut über die eigenmächtigen „Friedensmissionen“ von Regierungschef Viktor Orbán ist so groß, dass viele Europa-Botschafter bei einem regulären Treffen den Entzug der ungarischen EU-Ratspräsidentschaft ins Gespräch gebracht haben. Das verlautet in Brüssel.
Unterdessen befürchten Beobachter aus der Orbán-initiierten Rechtsaußen-Fraktion „Patrioten für Europa“, die neue Gruppe wolle im Europäischen Parlament die EU-Partnerschaft mit den USA stören und den bestehenden europäischen Rahmen umstürzen. sueddeutsche.de
Die Orbán-Freunde „könnten Maßnahmen blockieren, dagegen stimmen und Verhandlungen mit Sozialdemokraten und Liberalen erschweren” – Lorenzo Castellani, politischer Analyst aus Italien, erwartet rechte Störmanöver

Kremlterror gegen US-Militär?

Seit Wochen befinden sich US-Basen in Europa in erhöhter Alarmbereitschaft. Nun berichten Medien von Erkenntnissen aus Washington, wonach von Russland unterstützte Terroristen gezielte Sabotageangriffe auf US-Soldaten und ‑Stützpunkte erwägen könnten. Ziel: Den Westen von weiterer Unterstützung der russisch überfallenen Ukraine abbringen.
Laut dem US-Nachrichtensender CNN hat es bereits verdächtige Aktionen in Riga, London, Warschau, Prag und Paris gegeben. Im April waren zwei Deutsch-Russen in Deutschland festgenommen worden, die Sabotageanschläge auf US-Militäreinrichtungen geplant haben sollen. fr.de

Die Einigung Europas gleicht dem Versuch, ein Omlett zu backen, ohne Eier zu zerschlagen. - Paul Lacroix (1806–84), frz. Schriftsteller

Europarakete im All:
Mit von fast acht Kilometern pro Sekunde ist die erste europäische Schwerlastrakete Ariane 6 nach vier Jahren Verspätung zum dreistündigen Testflug mit Mikrosatelliten an Bord ins Weltall gestartet. Zwar gab es zum Schluss ein paar Probleme, aber Europas Weltraumagentur ESA ist dennoch zufrieden.
Für Transporte mit dem neuen Geschoss liegen bereits 30 kommerzielle Aufträge vor. Kritiker bemängeln dennoch, Ariane 6 sei im Vergleich zu Privaten wie Space X zu unflexibel und zu teuer. t‑online.de
Autokampf um Europa:

Der Kfz-Markt in Europa ist so lukrativ, dass Konzerne aus Drittregionen versuchen, hier Tritt zu fassen. Nach dem indischen Hersteller Tata, der kostengünstige E‑Mobile in die EU bringen möchte, nimmt auch der weltgrößte chinesische E‑Autobauer BYD neuen Anlauf: Bei Bursa in der Türkei entsteht ein großes Autowerk. Es ist nicht von den EU-Strafzöllen gegen die Schwemme subventionierter E‑Fahrzeuge direkt aus China betroffen.
Ein überraschender Akteur kommt aus dem Wüstenstaat Saudi-Arabien: Der weltweit größte Ölkonzern Aramco ist in den chinesisch-französischen Autokonzern Horse Powertrain (London) eingestiegen, um an Verbrennermotoren zu verdienen. Die Rechnung: Obwohl hiesige Kfz-Fabriken ihre Produktion wegen des EU-Verbotes zurückfahren, wird bis 2050 mehr als jedes zweite Auto wie bisher mit Kraftstoff fahren. derstandard.de berliner-zeitung.de
Letztendlich ist jeder hier, um Geld zu verdienen - Klare Sprache von Yasser Mufti, dem leitenden Vizepräsidenten von Saudi Aramco
Im Bann der China-Roboter:
Aktuell sorgt die Flut günstiger chinesischer E‑Autos für Ärger und Sanktionen der EU, da droht schon der nächste Handelskonflikt. Grund: Roboter aus dem Reich der Mitte werden hierzulande immer beliebter. Ein Grund ist, dass sie bis zu 30 Prozent günstiger sind, als intelligente Maschinen aus Europa – und guten Service gibt es oberdrauf. Das kommt vor allem bei Mittelständlern gut an. Und die Innovationsfreude kennt keine Grenzen, wie der in Shanghai entwickelte sechsbeinige Roboterhund „Daystar Bot“ zeigt, der als als Blindenhund eingesetzt werden kann. handelsblatt.com youtube.com (Fabrik) heise.de („Hund“)

Juden wollen weg:
Europa ist für viele Juden kein sicherer Hort mehr. Das geht aus einer Umfrage der EU-Agentur für Grundrechte (FRA) mit Sitz in Wien hervor. Danach geben europaweit 76 Prozent der befragten Juden an, ihre religiöse Identität aus Sorge um die Sicherheit “zumindest gelegentlich” zu verbergen. Aus demselben Grund meidet jeder Dritte jüdische Orte.
80 Prozent sagen, der Antisemitismus habe in ihrem Land zugenommen. Das äußere sich in Internet-Hasskommentaren sowie in Belästigungen auf Straßen, in Parks oder Geschäften. In Deutschland hat schon jeder zweite Bürger mit jüdischer Religion wegen des Antisemitismus überlegt, die Heimat zu verlassen. taz.de germany.representation.ec

2050
Das ist das Jahr, bis zu dem die Europäische Union die Treibhausgas-Emissionen um 90 % senken will. Ein Viertel der gesamten Abgase in der EU entfällt heute auf den Verkehrssektor. eurostat

Wohin im Urlaub?

Schon Urlaub gebucht? Falls nein: Am teuersten ist es in der Schweiz, Island und Dkandinavien 8außer Schweden). Am günstigen erholt es sich in Frankreich, Österreich oder Italien und besonders in Bulgarien. Das zeigen Statistiken. tz.de/verbraucher
Hinweis: Das Titelbild (ganz oben) ist mit KI kreiert worden.
Was denkt ihr zu alledem, was sich in und um Europa herum derzeit so tut? Schreibt es hier unten in den Kommentar. Dankeschön!
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