(Europäische Union) – Was hat die EU-Macher und die Europa-Beobachter in der Europa­wahl­woche an- und umgetrieben?

Europa: Themen der Woche

  • Der Ausgang der Europa­wahlen in den 27 EU-Ländern beherrscht das Geschehen in Brüssel, wo sich die neuen Fraktionen formieren. Die ersten Top-Jobs sind wohl schon verteilt. Siehe unten.
  • Die EU und China steuern auf einen Handels­krieg zu – das macht neue Sorgen. Details siehe unten.
  • Warum ist die erfolg­reiche Bekämpfung des Drogen­anbaus am Hindu­kusch keine gute Nachricht für unsere Sucht­kranken? – Scrolle runter.

Das alles und noch viel mehr: von WOLF ACHIM WIEGAND

Frankreich in der Europawahlwoche: Messerwetzen in Frankreich – Parteichef fliegt 

Eric Ciotti, Vorsit­zender der christ­de­mo­kra­ti­schen Partei Les Républi­cains (LR), ist gestern aus seiner Gruppierung ausge­schlossen worden. Das Vergehen des Politikers: Er hatte versucht, die Brand­mauer der Konser­va­tiven gegen die rechts­po­pu­lis­tische Partei Rassem­blement National (RN) von Marine le Pen einzu­reißen und hatte ihr ein Bündnis bei den Neuwahlen angeboten, die Staatschef Emmanuel Macron für 30. Juni anberaumt hat. 

Das Partei­prä­sidium war so wütend, dass es seinen Vorsit­zenden kurzerhand vor die Tür setzte. Der behauptet dennoch starr­sinnig: „Ich bin und bleibe Vorsit­zender.

Einge­mischt hatten sich auch CDU und CSU: Die Union drohte der LR mit Rauswurf aus der EU-Partei­fa­milie. Für sie ging es um die Glaub­wür­digkeit bei der eigenen AfD-Brand­mauer. So zeigte sich in der Europa­wahl­woche, wie vernetzt die EU längst ist. spiegel.de twitter.com/ECiotti 

Europa wird erst aufwachen, wenn eine Niederlage kurz bevor­stehtChristian Mölling, Vize-Direktor des Forschungs­in­stituts der Deutschen Gesell­schaft für Auswärtige Politik (DGAP)

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EU-Top-Jobs sind verteilt: 

Wenige Tage nach den Europa­wahlen scheinen die vier wichtigsten Ämter der Europäi­schen Union besetzt zu sein. Nach überein­stim­menden Medien­be­richten wollen die 27 EU-Regie­rungs­chefs Ursula von der Leyen (CDU) als erneute Kommis­si­ons­chefin vorschlagen. Ihre Partei­kol­legin Roberta Metsola aus Malta ist in der Europa­wahl­woche als abermalige Präsi­dentin des Europäi­schen Parla­ments gesetzt worden. 

Neue Chefin der Außen­po­litik soll Estlands liberale Minis­ter­prä­si­dentin Kaja Kallas werden. Der sozial­de­mo­kra­tische Ex-Regie­rungschef von Portugal, António Costa, dürfte als Ratsprä­sident die EU-Gipfel­treffen leiten. Die Perso­nalien – außer der Ratsprä­si­dent­schaft – müssen letztlich vom Parlament abgesegnet werden. Die Abgeord­neten bestä­tigen mit der Wahl der Kommis­si­ons­spitze im Block auch alle anderen 26 Kommis­si­ons­posten. derstandard.de

G7-Füllhorn für Ukraine: 

Das Gipfel­treffen der sieben führenden demokra­ti­schen Indus­trie­na­tionen in Apulien, Italien, hat einen wichtigen Baustein für die Ukrai­ne­hilfe beschlossen. Das auf Befehl von Präsident Wladimir Putin überfallene Land bekommt ein Darlehen in Höhe von 47 Milli­arden Euro. Da der Kredit aus Zinsen von einge­fro­renen russi­schen Vermö­gens­werten finan­ziert wird ergibt sich ein Nullsum­men­spiel für die Spender EU, Deutschland, Kanada, Frank­reich, Italien, USA und Japan. 

Das Geld kann die Ukraine in den Wieder­aufbau zerstörter Infra­struktur oder in Engpässe im Staats­haushalt stecken, kann aber auch neue Waffen und Munition kaufen. Bei dem bis Sonnabend dauernden Gipfel geht es auch um andere Weltkrisen, weshalb zwölf weitere Staats­chefs aus Brasilien, Indien und Afrika dazu geladen sind. bild.de/politik/g7

Putin, speku­liere nicht auf ein Einknicken des Westens! – BILD weiß zuerst, was Sache ist

Aufmarsch zum Handelskrieg: 

Die EU-Kommission hat in der Europa­wahl­woche massive Sanktionen gegen Produkte aus China angekündigt, weil die Volks­re­publik sich weigert, den Massen­export subven­tio­nierter E‑Autos nach Europa einzu­dämmen. In drei Wochen sollen die Import­zölle je nach Automarke auf 17 und 38 Prozent steigen. Begründung: Peking bezuschusse batte­rie­be­triebene Elektro­fahr­zeuge unfair und schade mit künstlich verbil­ligten Fahrzeugen der europäi­schen Autobranche. 

China reagiert empört, wirft der EU Protek­tio­nismus vor und droht Vergeltung an. Bundes­wirt­schafts­mi­nister Robert Habeck will angeblich nächste Woche in Peking Schadens­be­grenzung versuchen. Andere Länder wie Frank­reich befür­worten die Brüsseler Härte. Die Sorge vor einem Handels­kon­flikt belastet Reederei-Aktien­kurse. wiwo.de n‑tv.de/wirtschaft (Schiff­fahrt) 

Europa steht wie Rehwild im gekreuzten Licht­kegel der Schein­werfer – geblendet, orien­tie­rungslos, paraly­siert – Christian Böllhoff ist Chef der Prognos AG und hat große Sorgen wiwo.de

Absturzängste bei Airbus: 

Der weltweit führende Luftfahrt­konzern Airbus fürchtet negative Auswir­kungen durch den offenbar bevor­ste­henden Handels­kon­flikt zwischen Europäi­scher Union und China. Die Spannungen „bedrohen die Wider­stands­fä­higkeit globaler Unter­nehmen“, ließ das europäische Unter­nehmen mit Werken auf Finken­werder sowie in Bremen, Stade und Buxtehude mitteilen. 

Die EU hatte bekannt­ge­geben, dass sie in Kürze wegen unfairer chine­si­scher Subven­tionen bis zu 31,1 Prozent Zölle auf impor­tierte E‑Autos von dort kassieren werde. Die Macht­haber in Peking hatten darauf mit Gegen­maß­nahmen auch gegen die EU-Luftfahrt gedroht. Airbus verhandelt derzeit über einen histo­ri­schen Großauftrag über 600 bis 750 Flieger. airliners.de/airbus

Weltweiter Weltraumwettbewerb:

Die Beherr­schung des Universums ist das Ziel zahlreicher Bemühungen, in die neben den USA, China, Indien, Japan und Russland auch Europa eingreift. Expertin Antje Nötzold macht darauf aufmerksam, dass die vor 15 Jahren begonnene Priva­ti­sierung der Raumfahrt ein „Game-Changer” war. Seitdem nicht nur staat­liche Akteure forschen, entwi­ckeln und starten seien die Kosten für den Raketen­an­trieb um bis zu 90 Prozent gesunken. 

Europa habe zum Beispiel mit dem Erdbe­ob­ach­tungs­pro­gramm Coper­nikus einen „Goldstandard“ gesetzt. Nachbessern müssten wir aber noch im Militä­ri­schen, etwa bei einem autonomen Zugang zum Weltraum, um Russland zu kontern. Dafür werde nun das Satel­li­ten­kom­mu­ni­ka­ti­ons­system Iris aufgebaut. mdr.de/nachrichten

Wir kommen täglich mehrmals mit dem Weltraum in Berührung – ob uns das bewusst ist oder nicht – Polito­login Antje Nötzold finden den Blick ins All überhaupt nicht abgehoben

Weniger Opium – mehr Probleme: 

Auf eine zunächst überra­schend erschei­nende Erkenntnis hat die Europäische Drogen-Beobach­tungs­stelle (EBDD) hinge­wiesen. Die Verknappung von Opium durch das harte Durch­greifen der Taliban­herr­scher in Afgha­nistan führt in Europa zu mehr Rauschgiftopfern. 

Der Grund: Es besteht die Gefahr, dass die Heroin­kon­su­menten auf Drogen umsteigen, die billiger, leichter herzu­stellen und viel gefähr­licher als Heroin sind.“ So steht es jüngsten EBDD-Jahres­be­richt. Danach werden zunehmend komplexe Drogen­cock­tails konsumiert.

Wir müssen wachsam sein; wir müssen vorbe­reitet sein – EU-Innen­kom­mis­sarin Ylva Johansson

Abwehr der Vogelgrippe: 

Um risiko­be­haftete Menschen vor Infektion mit Aviärer Influenza zu schützen hat sich die Europäische Kommission 665.000 Impfdosen gesichert. Nach Angaben der obersten EU-Behörde weht das Medikament vor allem an Mitar­bei­tende von Geflü­gel­farmen oder Beschäf­tigte in Tierarzt­praxen. Menschen sind anfällig, aber nur vereinzelt. Dennoch können die EU-Vorräte nach und nach auf 40 Millionen Dosen hochge­schraubt werden. Derzeit grassiert die größte je weltweit dokumen­tierte Vogel­grip­pe­welle. Sie befällt meistens Flugtiere, aber auch z. B. Katzen. tagesspiegel.de

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Wir kön­nen jet­zt in Europa keine Fei­glinge gebrauchenPolit-Schrif­t­steller Robert Menasse über die Zukun­ft der EU

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So viele deutsche Parteien sind am 9. Juni 2024 in das Europäische Parlament einge­zogen. Es sind: CDU, CSU, AfD, SPD, Grüne, BSW, FDP, Linke, FW, Volt, PARTEI, Tierschutz, ÖDP, FAMILIE


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