Europa Rechtspopulisten: “Im Blickpunkt – Wiegand wills wissen” – Kolumne für FORUM – Das Wochenmagazin. Heute: Rechtspopulisten sind in ganz Europa auf dem Vormarsch. Zuletzt in Rumänien und Großbritannien. Ich habe dazu eine Meinung .…
Europa Rechtspopulisten

Europa im Blickpunkt
Wiegand wills wissen
Europa Rechtspopulisten
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Moin, liebe Mitmenschen in Europa,
Die extreme Rechte ist in Europa eine ernstzunehmende Kraft geworden. Das ist ein Fakt. In Deutschland ist die AfD offiziell als bundesweit gesichert rechtsextrem eingestuft worden. Ihr droht das Verbot. Anderswo greifen radikale Populisten bereits nach der Macht.
Jüngster Fall: Das NATO- und EU-Land Rumänien. Dort landete Elitenhasser und Russlandfreund George Simion bei der Erstrundenwahl fürs einflussreiche Präsidentenamt vorn. Über 40 Prozent versammelte der Ultranationalist hinter sich. Ziele: Ein “Groß-Rumänien” unter Einschluss der Nachbarländer Ukraine und Moldau. Schluss mit Waffenlieferungen an Kyjiw gegen die russischen Aggressoren. Und Distanz zu EU und NATO.

Am 18. Mai bei der Stichwahl wird sich zeigen, ob der Zweitplatzierte und Bürgermeister von Bukarest, , alle Bürgerlichen erfolgreich gegen Simion hinter sich einen kann. Mit nur etwas über 20 Prozent der Stimmen für sich selbst hat der Parteilose schwierige Karten. Die Stimmung im Land ist gegen ihn. Millionen Rumänen schieben Frust über Korruption, gebrochene Versprechen und politische Ränkespiele. Selbst die Rumänen in Deutschland haben zu fast 80 % den 38-jährigen EU-Gegner Simion gewählt.
Über 2.000 Kilometer Luftlinie von Bukarest entfernt ein ähnliches Bild:
Im britischen Landesteil England feiert die Partei “Reform UK” des Pro-Brexit-Politikers Nigel Farage bei Lokalwahlen enorme Gewinne. Zum ersten Mal in 100 Jahren sind Konservative und Labour nicht mehr die dominierenden Kräfte in England.
Farages Truppe holte auf Anhieb 777 Gemeinderäte und die Kontrolle über zehn Lokalparlamente. Außerdem ergatterte die Nationalisten zwei Bürgermeisterposten und einen nachgewählten Unterhaussitz der regierenden Labour Party. Besonders stark war „Reform UK“ in prekären „Left-behind“-Regionen.
Farages schlagwortartig verkündete Botschaft ist klar: Kontra Flüchtlinge und gegen den Islam. Auch im Vereinigten Königreich wirken hitzige Botschaften in diesen krisenreichen Zeiten oft besser als kühle Programmatik. Außerdem steht die rechtspopulistische Programmatik für wirtschaftlichen Nationalismus, Bürokratieabbau und Ablehnung von Klimaschutzmaßnahmen.

Ich war schon immer ein Außenseiter. Ich wurde immer als eine außerordentlich gefährliche Person angesehen. Aber das bin ich nicht! Ich bin nur ein Junge aus der Mittelschicht aus Kent, der Cricket mag und zufällig eine klare Meinung zu einer supranationalen Regierung in Brüssel hat. – Nigel Farage, Selbstbeschreibung
Rechtextreme Parteien und Rechtspopulismus gewinnen an Zuspruch, indem sie gegen das Establishment hetzen. Sie sprechen Gefühle von sozialer und finanzieller Benachteiligung an. Als Lösungen schlagen sie einfache Wege für komplexe Probleme vor, die kaum umsetzbar sind. Das klappt, wie man sieht – besonders bei unzufriedenen Wählern aus tatsächlich oder gefühlt benachteiligten Schichten. Die Extremen nutzen Anti-EU- und nationalistische Narrative.

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Demokraten zu “brav”?
Die Opfer des Trends sind meistens konservative und sozialdemokratische Traditionsparteien. Sie erscheinen fast hilflos gegen Lügenkampagnen, Desinformation und Hassposts. Sie müssen sich fragen: Kann man mit braven Rezepten noch erfolgreich politische Brötchen backen? Oder muss Politik auch in der Demokratie hart bandagiert um Mehrheiten kämpfen?
Grundsatzpositionen überdenken – das müssen die Parteienfamilien auf dem ganzen europäischen Kontinent. Sowohl innerhalb wie außerhalb der EU. Denn die „Peripherie“ rund um uns herum kippt weg. Beispiele:
- Georgien: Die Partei „Georgischer Traum“ (GT) unter dem Oligarchen Bidsina Iwanischwili regiert seit 2012 zunehmend autoritär. Sie ist pro-russisch und behindert den begonnenen EU-Beitrittsprozess. Die EU und die USA haben Sanktionen gegen Tiflis verhängt.
- Serbien: Präsident Aleksandar Vučić regiert de facto autoritär. Er agiert offen russland- und chinafreundlich. Außerdem erkennt er die Westsanktionen gegen Russland nicht an.
- Und auch anderswo in Osteuropa: Vielerorts gewinnen Rechtspopulisten an Einfluss. Sie sind teilweise abspalterisch ausgerichtet.
Aber: Es nützt nichts jeden Rückschlag für Demokratie und Freiheit zu bejaulen. Wir müssen die Politik ändern. Aber: Ohne den letztlich inhaltlosen Aufrührergestus zu kopieren. Denn das adelt die Populisten nur als salonfähig. Klar ist das schwer. Aber es ist überlebenswichtig. Jedenfalls dann, wenn wir unseren freiheitlichen Lebensstil nicht abtöten lassen möchten.
Eine Kolumne von Wolf Achim Wiegand, freier Journalist mit EU-Spezialisierung
Demnächst mehr aus Europa.
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