EUROPA: Die Top-Ten-Themen der Woche

Von WOLF ACHIM WIEGAND 🇪🇺

Was hat Europa vergangene Woche an- und umgetrieben? 

Bei Redak­ti­ons­schluss lief in Brüssel noch der EU-Gipfel, auf dem sich das Schicksal klima­neu­traler Verbren­ner­mo­toren entscheiden sollte. Egal, ob sich die 27 Staats- und Regie­rungschef geeinigt haben – das Thema Klima überschattet auch andere Aktivi­täten. Das kann man vom russisch-chine­si­schen Gipfel in Moskau mit Sicherheit nicht sagen: Die dikta­to­risch regie­renden Präsi­denten Xi und Putin konzen­trierten sich ganz auf ihre Pläne, die Welt nach ihrer Pfeife tanzen zu lassen. 

Unter­dessen leistet sich die Spitze der Europäi­schen Union einen Macht­kampf – die Kommis­si­ons­prä­si­dentin und der Ratsprä­sident sind sich nicht grün. Einig sind sie sich zumindest gegenüber der “Bruder­re­gierung” in Budapest: Ungarn kommt auf die gericht­liche Ankla­gebank, weil es europäische Werte missachtet. Das ist nicht gut. Wenn Richter den Job einigungs­un­fä­higer Politiker machen müssen, dann stimmt etwas nicht im Gefüge… 

DAS ALLES UND NOCH VIEL MEHR ⤵️

Liebesgrüße in Moskau:

Xi Jinping beim Abschied seines Staats­be­suches in Moskau zu Wladimir Putin:

„Eine Verän­derung, die es in 100 Jahren noch nie gegeben hat, steht bevor. Und wir arbeiten zusammen, um diese Verän­derung voranzutreiben.“

Putin: “Ich stimme zu.”

Xi: „Bitte pass auf dich auf, lieber Freund.“

Putin: „Gute Reise.“

Der Dialog im Original:

EU-Spitzen leisten sich Machtkampf:

Ein Kräfte­messen beein­trächtigt derzeit die Führung der Europäi­schen Union. Laut Berichten von EU-Mitar­beitern und Medien ist ganz oben der Umgang mit dem mächtigen System­gegner China strittig. Während Kommis­si­ons­prä­si­dentin Ursula von der Leyen mit Härte auf engen Schul­ter­schluss mit den USA setzt, drängt der Chef des Europäi­schen Rates, Charles Michel, auf mehr Entge­gen­kommen gegenüber den expan­siven Kommu­nisten in Peking. Da die EU in der Handels­po­litik mehr Macht hat als die natio­nalen Regie­rungen, führt die Uneinigkeit der EU-Führung zu Unsicher­heiten bei Entschei­dungen über Chinas Zugang zu Europa. politico.eu

EU-Ratspräsident in der Kritik:

Seit geraumer Zeit wachsen in Brüssel die Zweifel an Charles Michel, dem Präsi­denten des Europäi­schen Rates. Anstatt sich auf die Organi­sation und Leitung von Sitzungen der Staats- und Regie­rungs­chefs zu konzen­trieren, wie sie heute in Brüssel statt­findet, lege der belgische Ex-Premier zu viel Wert auf öffent­lich­keits­wirk­sames Reprä­sen­tieren, heißt es. Beobachter speku­lieren, ob der erst 47jährige Mann, der schon mit 18 Jahren ein Parla­ments­mandat gewann, nach der Europawahl 2024 als EU-Chefdi­plomat eine bessere Verwendung finden könnte. euractiv.com

EU mobilisiert Marinen:

“Die Bedro­hungslage nimmt zu”

Virgi­nijus Sinke­vičius, EU-Kommissar

Die Europäische Union plant mindestens einmal im Jahr gemeinsame Marine­übungen zum Schutz lebens­wich­tiger maritimer Infra­struk­turen. Das verlautet aus Brüssel. Hinter­grund sind Sorgen, die Seefahrt des 24-Staaten-Verbundes könne bei kriege­ri­schen Ausein­an­der­set­zungen mit Russland unter die Räder geraten. Es gehe um den Schutz von seege­stützter kriti­scher Infra­struktur wie Pipelines, Unter­wasser-Daten­kabel oder Offshore-Windparks. Besondere Heraus­for­de­rungen hat das Baltikum, das nach der Energie­ent­kopplung von Russland zusehen muss, das es trotz Bedrohung des nahen Nachbarn Russland genügend freie Seewege für Energie­im­porte hat.

EU-Problemfall Ungarn:

Die Regierung von Viktor Orbán ist Europa­meister im Nein-Sagen, denn sie profi­liert sich in Brüssel als Mehrfach-Verhin­derer. Erst weigerte sich Ungarn die Muniti­ons­ein­käufe der Mitglieds­staaten für die Ukraine mitzu­fi­nan­zieren. Dann blockte es eine gemeinsame Erklärung der EU-Außen­mi­nister zum Haftbefehl gegen Russlands Präsident Wladimir Putin. Hartlei­bigkeit auch bei Homophobie: Der Rechts­aus­schuss des Europäi­schen Parla­ments hat sich gestern einer Kommis­si­ons­klage gegen Ungarn wegen seines umstrit­tenen LGBTI-Gesetzes angeschlossen. Dieses Verfahren vor dem Europäi­schen Gerichtshof (EuGH) gilt als EU-Testballon im Umgang mit notori­schen Werte­ab­weichlern. ukrinform.net (Haftbefehl) mannschaft.com (LGBTI) verfassungsblog.de/ (Testballon)

EU verklagt Tschechien:

Weil sie keine Regeln zum Schutz von Personen einge­führt hat, die wichtige Geheim­in­for­ma­tionen über illegales Handeln öffentlich machen, sitzt die Tsche­chische Republik auf der Ankla­gebank des Europäi­schen Gerichtshofs. Die EU-Kommission will damit erreichen, dass die Regierung in Prag eine verbind­liche Richt­linie für Whist­le­b­lower in natio­nales Recht umsetzt. Tut sie das nicht, könnte ein Bußgeld gegen Tsche­chien verhängt werden, das bis zum Handeln jeden Tag höher wird. Auch Deutschland, Estland, Ungarn, Italien, Luxemburg, Polen und Spanien sind säumig und müssen mit einer Klage rechnen. euractiv.de

EU will Umweltschummler bestrafen

„Die Verbraucher wollen nicht in die Irre geführt werden.”

EU-Umwelt­kom­missar Virgi­nijus Sinke­vicius zum Greenwashing

Wer Waren und Dienst­leis­tungen anbietet, die nur vorgeben, offizi­ellen Umwelt­stan­dards zu entsprechen, muss mit Sanktionen von Produkt­verbot bis Geldstrafe rechnen. Das ist der Kern eines Regulie­rungs­ent­wurfes der Europäi­schen Kommission gegen das sogenannte Green­wa­shing. Danach sollen die Mitglieds­staaten darauf verpflichtet werden, die Verbraucher vor Angeboten zu schützen, die “vage, irreführend oder unbegründet“ seien. Eine EU-Analyse hat ergeben, dass mehr als die Hälfte (53 %) der umwelt­be­zo­genen Angaben auf Waren und Dienst­leis­tungen nicht die volle Wahrheit abbil­deten – allen voran die der Beklei­dungs­in­dustrie. Das Dokument im Original

Türkei stoppt Sprit für Russland:

Die bislang bei westlichen Sanktionen gegen Moskau eher laxe Türkei hat die Zügel gegen den Schwarz­meer­nachbarn angezogen. Nach dem Stopp der Toleranz für russische Lkw-Waren­trans­porte gilt nun auch ein Tankverbot für bestimmte Flugzeuge. Das trifft sieben Airlines betroffen, die vor allem Touris­ten­ströme abwickeln. Die Maßnahme wirkt nur bedingt: Einige russische Fluglinien tanken auf dem Hinweg im Seebad Sotschi so viel Treib­stoff, dass sie problemlos mit einem Tank wieder heimkommen.

Frankreichs verwöhnter Kunsthandel fürchtet EU-Steuer:

Die florie­rende franzö­sische Sammler­szene schlägt wegen der EU-Steuer­po­litik Alarm. Offenbar plötzlich ist der an Niedrig­sätze gewöhnten Branche der Grande Nation klar geworden, dass sie ab 2025 – wie europaweit alle – eine seit Langem einhellig beschlossene Mehrwert­steuer von 20 Prozent berappen muss. Bislang leistet sich Frank­reich mit 5,5 Prozent die niedrigste Kunst­abgabe des Staaten­ver­bundes (Deutschland: 19 Prozent). Galeristen malen nun den Untergang an die Leinwand: schrump­fende Gewinne, explo­die­rende Preise, Sammler­exodus ins Ausland. Rund 120 Kreative – auch Konzept­künst­lerin Sophie Calle, Malerin Annette Messager und Fotografin Zineb Sedira – verlangen die Rettung vor allem kleiner Galerien und unbekannter Künstler. welt.de/kultur (Frank­reich) bbk-bundesverband.de (Deutschland)

Drogen im Abwasser:

Die deutsche Haupt­stadt Berlin ist eine von Europas Drogen­me­tro­polen. Das zeigen neuste Daten der Europäi­schen Beobach­tungs­stelle für Drogen und Drogen­sucht (EMCDDA). Ihre Abwas­ser­ana­lysen aus 104 europäi­schen Städten haben ergeben, dass in Berlin besonders der Konsum von Kokain‑, Crystal Meth und Speed steigt. Insgesamt wird laut Proben in west- und südeu­ro­päi­schen Städten mehr Drogen­miss­brauch betrieben als in Osteuropa. Die genauen Ergeb­nisse hat die EMCDDA inter­aktiv aufbe­reitet. Die Analyse im Original

383 Milliarden Euro

Das sind die Kosten für den Wieder­aufbau und die Erholung der Ukraine. Diese Schätzung stammt von der Europäi­schen Kommission, der Regierung in Kiew, der Weltbank­gruppe und den Vereinten Nationen. Sie bezieht sich auf den Zeitraum von einem Jahr nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine am 24. Februar 2022 bis zum ersten Jahrestag des Krieges am 24. Februar 2023. 

Die Kosten werden sich voraus­sichtlich über zehn Jahre erstrecken. Sie umfassen sowohl den Bedarf an öffent­lichen als auch privaten Mitteln. spiegel.de

🇦🇹 Europas „Eis des Jahres“ ist österreichisch

Seit über einem Jahrzehnt wird am 24. März der europa­weite „Tag des handwerklich erzeugten Speise­eises“ begangen. Diesem Jahr kommt die kühle Leckerei aus Öster­reich. In dem Land der Mozart­kugeln, das auch für Nockerln und Kaiser­schmarrn berühmt ist, entstand nun die Eissorten-Kreation „Apfel­strudel“. Hinter der Aktion stecken die öster­rei­chi­schen Eissa­lon­be­treiber. diepresse.com


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