Europäische Themen dieser Woche

(Europäische Union) – Was hat die europäi­schen Macher und Beobachter der EU-Länder vergangene Woche an- und umgetrieben? 

  • Für Viele unvor­stellbar: Ein Europa mit Atomwaffen. Aber: Muss die EU das womöglich tun, um militä­risch schlag­kräftig zu sein? Mehr dazu unten.
  • Ein König­reich als Influencer? Wie stark hat Marokko EU-Politiker geschmiert? Scrolle runter.
  • Migration: Ein neuer Weg nach Europa führt durch die Wüste… Siehe unten.
 aktuell

Lange ein Tabu, nun in der Diskussion – dank des renom­mierten Polito­logen Herfried Münkler von der Humboldt-Univer­sität zu Berlin. In einem Interview des „Stern“ argumen­tiert der 72jährige, längst sei eine weltweite nukleare Aufrüs­tungs­spirale in Gang, der sich Europa nicht entziehen könne. Die EU-Länder müssten schon deshalb eigene atomare Fähig­keiten aufbauen, weil nicht sicher sei, dass Großbri­tannien oder Frank­reich ihr Arsenal wirklich zur Vertei­digung von EU-Gebiet einsetzen würden. n‑tv.de/der_tag

Nuclear Submarine Model - USS Nautilus, United States Navy, Connecticut, United States of America, 1954

“Wir brauchen einen gemein­samen Koffer mit rotem Knopf, der zwischen großen EU-Ländern wandert”

Der häufige Talkshow-Gast Politik-Prof. Herfried Münkler

Europa europäische Union Politik  Europäer

Korruptionssumpf Marokko/Brüssel? 

Gut ein halbes Jahr vor den Europa­wahlen kommt wieder Bewegung in die seit Längerem erhobenen Korrup­ti­ons­vor­würfe rund um das EU-Parlament. Das europäische Nachrich­ten­portal Politico erhebt schwere Beschul­di­gungen gegen Marokko. Das nordafri­ka­nische König­reich habe zwei italie­nische Abgeordnete bestochen, um seine Inter­essen – z.B. Anerkennung umstrit­tener Fische­rei­gründe – zu fördern. Inzwi­schen werde ein Botschafter Marokkos mit Haftbefehl gesucht; sein Immobi­li­en­ver­mögen in der EU sei beschlag­nahmt worden. 

Als Quelle seiner Recherche nennt Politico den belgi­schen Geheim­dienst. Der Vorgang ist brisant, weil die EU auf dem Gebiet von Migration und Terro­rismus mit Marokko koope­riert. politico.eu

Migration: Neue Wüstenroute Richtung EU-Länder frei 

Die Europäische Union muss sich neue Kopfschmerzen um die Migration aus Richtung Afrika machen. Die mit Russland koope­rie­rende Putsch­re­gierung in Niger hat den bislang straf­baren Transport flüch­tender Menschen durch das Land legali­siert. Damit ist eine zentrale Transit­route aus dem südlichen Afrika durch die Sahara­wüste in Richtung Mittelmeer und EU-Länder frei. 

Die zuständige EU-Kommis­sarin Ylva Johansson kommen­tiert: „Ich bin sehr besorgt, was die Konse­quenzen betrifft.” Laut Experten könnte es in Niger zum Aufblühen der Schlep­per­in­dustrie mit Ziel Europa kommen. sueddeutsche.de

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Leidende Ukraine, lahmender Westen: 

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Foto: © waw 2023

Führt mangelnde militä­rische Hilfe des Westens dazu, dass die Ukraine gegen das einmar­schierte Russland ins Hinter­treffen gerät? Diese Frage stellen sich Beobachter in Brüssel, während die Lage an der Front stagniert. ARD-Korre­spon­dentin Rebecca Barth berichtet: Die EU-Länder haben noch nicht einmal ein Drittel der verspro­chenen Artil­le­rie­gra­naten geliefert. Grund: Der Westen fahre die Produk­ti­ons­ka­pa­zi­täten nicht genügend hoch. 

Während­dessen füllen die Invasoren ihre Lager reichlich. In der Ukraine mache sich inzwi­schen „Ernüch­terung“ breit. tagesschau.de

LNG: Russland zweitgrößter EU-Lieferant

Europa impor­tiert trotz Ukraine-Krieg und Sanktionen wahre Rekord­mengen von russi­schem Flüssigerdgas.

Neue Daten verraten: Dieses LNG wird nicht nur für den Eigen­bedarf verwendet. Das heißt: Europäische Gashändler verdienen damit auch Geld, denn die Ware wird norma­ler­weise zu einem höheren Preis weiterverkauft. 

Mit 16 Prozent hat Russland derzeit den zweit­größten Anteil an den LNG-Importen der EU. Den größten Anteil liefern die USA.

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EU-Millionen – von Deutschland verschenkt? 

Die Bundes­re­gierung muss sich sputen, wenn sie noch recht­zeitig mit Milli­arden aus dem EU-Wieder­auf­bau­fonds bedacht werden will. Einem Bericht der FAZ zufolge sind nur drei andere EU-Länder langsamer beim Beantragen als Deutschland. 

Zu den flinksten der EU-Länder gehört dagegen Italien. Minis­ter­prä­si­dentin Giorgia Meloni kann jetzt schon zusätzlich 21 Milli­arden Euro aus Brüssel ins Wachstum ihrer Volks­wirt­schaft stecken. Zum Vergleich: Deutschland stehen 28 Milli­arden Euro zu, die bis Mitte 2026 effizient ausge­geben werden müssen. Man muss die schritt­weise Auszahlung aber auch beantragen – gerade jetzt, wo sich Deutschland in Finanz­nöten befindet… faz.net

Schifffahrt meidet Rotes Meer: 

Mit Mærsk, der europa- und weltweit zweit­größten Reederei, meidet ein weiterer Schiffs­gigant aus Sicher­heits­gründen die wichtige „Treib­stoff­route“ im Roten Meer. Zwei gechar­terte Frachter würden auf der Europa-Asien-Strecke anstatt durch den Suezkanal über das weitab­ge­legene südafri­ka­nische Kap der Guten Hoffnung umgeleitet, teilte das dänische Famili­en­un­ter­nehmen mit. Folge: Verzö­ge­rungen von mehr als einer Woche. 

Foto: © waw 2023

Hinter­grund für die Vorsicht der Schiff­fahrt sind Angriffe durch Rebellen islamis­ti­scher Gesinnung aus dem Jemen sowie aus Iran und Somalia. Ein Autotrans­porter mit israe­li­schen Verbin­dungen war kürzlich mit 25 Mann auf offener See nach As Salif entführt worden und sitzt dort fest. splash247.com rigzone.com (Experten) safety4sea.com (Schiff­fahrt­kammer)

Zitat Foto Europas europäische Union EU  Europäer Euro

“Die Gefahr einer Unter­bre­chung der Schiff­fahrt im Roten Meer wird so lange erhöht bleiben, wie der Krieg zwischen Israel und der Hamas andauert”

Torbjorn Soltvedt, der Chef-Risiko­analyst beim globalen Strate­gie­be­ra­tungs­un­ter­nehmen Verisk Maple­croft (London), ahnt nichts Gutes – siehe vorige Meldung

Warnung an EU-Länder vor Islamisten:

Die Sicher­heits­be­hörden der EU-Länder sehen infolge des israe­li­schen Krieges gegen die Hamas-Terro­risten in Gaza eine wachsende Gefahr von Anschlägen durch radika­li­sierte Islamisten. Die größte Bedrohung gehe von “einsamen Wölfen” aus, die schwer zu verfolgen seien, da sie keine formellen Verbin­dungen zu etablierten Gruppen hätten, heißt es. Berichten zufolge geht die Polizei in Deutschland gezielt auf mutmaß­liche Militante zu und warnt sie, dass sie unter Beobachtung stünden. 

Das Problem, so Experten: Diese Personen bräuchten keine Bombe, sondern könnten mit einem Auto in eine Menge fahren oder mit einem Messer angreifen. Besondere Achtsamkeit gelte daher Weihnachts­märkten. reuters.com

Amtliches Kopftuchverbot rechtens: 

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Behörden dürfen ihren Mitar­bei­te­rinnen das Tragen eines Kopftuches oder anderer sicht­barer Religi­ons­zeichen während der Arbeit verbieten. Das hat der Europäische Gerichtshof entschieden. Laut dem Urteil ist eine solche Regelung keine Diskri­mi­nierung, wenn sie für alle Beschäf­tigten gilt. spiegel.de curia.europa.eu (Urteil)

Zahl der Woche Europäische Union Europäer

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Die Gewinn­o­ber­grenze beim Eurojackpot beträgt 20 Millionen Euro – mehr kann man also nicht gewinnen. Bei der aktuellen Ziehung am Dienstag, 28. November, waren “nur” 20 Millionen Euro im Jackpot. An der Verlosung nehmen 18 EU-Länder teil. fuldaerzeitung.de

Das Letzte  Europäische Union  Europäer

Enger geht’s nicht…: 

schmalstes haus europas

Am Bodensee steht ein außer­ge­wöhn­liches Gebäude, das über die Jahre zu einer Touris­ten­at­traktion wurde: Das schmalste Haus Europas. Es ist nur 57 Zenti­meter breit und steht in der öster­rei­chi­schen Stadt Bregenz. Adresse: Kirch­straße 29. 

Das Gebäude wird aller­dings auf der Rückseite breiter und hat dadurch 60 Quadrat­meter Wohnfläche. Das schmale Haus besteht schon seit mehr als dreihundert Jahren und soll nach dem Bau 1776 einem Wachs­zieher gehört haben… bw24.de


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