Europa-Themen der Woche
(Europäische Union) – Was hat die europäischen Macher und Beobachter der EU-Länder vergangene Woche an- und umgetrieben?
- Der größte Korruptionsskandal Europas versandet womöglich wegen schlampiger Ermittlungsarbeiten… Mehr dazu unten.
- Unternehmen sollen künftig Kinderarbeit und andere unethische Praktiken nicht mehr hinnehmen, ansonsten drohen harte Strafen… Scrolle runter.
- Die Griechen sind sparsam. Womit und warum…? Siehe ganz unten.
⤵️ DAS ALLES UND NOCH VIEL MEHR von WOLF ACHIM WIEGAND 🇪🇺

EU-Großskandal: Droht “Katargate” zu versanden?
Ein Jahr nach dem größten Skandal des EU-Parlaments drohen die Ermittlungen zu versanden. Zwei der prominentesten Korruptionsverdächtigen haben jetzt mit Staranwälten und Kommunikationsberatern öffentlich eine juristische Offensive gegen die offenbar wackligen Ermittlungen gestartet (#BelgianGate). Sie behaupten, es gäbe formale Fehler wie Zeugenaussagen unter Zwang. Außerdem seien ihre Tätigkeiten Teil ihres Europajobs gewesen.
Die Polizei hatte die griechische EU-Abgeordnete Eva Kaili (Foto aus POLITICO) – und andere – festgenommen, weil ihr Vater Hunderttausende Euro an Bargeld aus ihrer Wohnung geschleppt hatte. Im Raum steht Korruption, Geldwäsche und Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung zu Gunsten des Golfscheichtums Katar sowie Marokkos und Mauretaniens. politico.eu

“Der Katargate-Skandal hat das Ansehen des Europäischen Parlaments in den Augen vieler EU-Bürger untergraben”
Die EU-Bürgerbeauftragte Emily O’Reilly fordert schärfere Ethik-Reformen für das EU-Parlament

EU-Gipfel der Trickser:
Die Ukraine wird – ebenso wie die Republik Moldau – mit der Europäischen Union über den Beitritt verhandeln. Das haben die Staats- und Regierungschefs der EU zum Auftakt ihres zweitägigen Gipfeltreffens in Brüssel beschlossen. Der putinfreundliche nationalkonservative Ungar Victor Orbán wollte eigentlich sein Veto dagegen einlegen. Wie politische Taschenspieler überzeugten ihn seine 26 Kolleginnen und Kollegen, während der Abstimmung den Saal zu verlassen – so gab es das nötige einstimmige „Ja“.
Anschließend schimpfe Orbán fürs heimische Publikum, das sei eine „völlig sinnlose, irrationale und falsche Entscheidung“. Ob der EU-Problembär auch den Widerstand gegen ein neues Hilfspaket für die Ukraine aufgibt, war bei Redaktionsschluss noch unklar. fr.de consilium.europa.eu
Erdogan als NATO-Mitglied noch tragbar?
Ein hartes Urteil über das NATO-Mitglied Türkei fällt ein Experte im renommierten außenpolitischen Magazin „Foreign Policy“. „Würde Ankara heute einen Antrag auf Mitgliedschaft in der Nato stellen, würde dieser nicht einmal in Betracht gezogen, geschweige denn genehmigt werden,“ heißt es in der aktuellen Analyse.
„Der einzige Grund, warum die Türkei geduldet wird, ist die Tatsache, dass es keinen Mechanismus gibt, um ein einmal beigetretenes Mitglied wieder auszuschließen.“ Für die US-Regierung sei es längst an der Zeit, Erdoğan die Leviten zu lesen: “Entweder sind Sie ein NATO-Verbündeter, der unsere gemeinsamen Werte akzeptiert, oder Sie sind es nicht. Entscheiden Sie sich.“ fr.de/politik

Verhinderte Judenmörder verhaftet:

Mutmaßliche Mitglieder der Massenmordmiliz Hamas wollten jüdische Einrichtungen in Europa überfallen und Menschen töten. Das sagt der Chef des dänischen Inlandsgeheimdiensts PET, Flemming Drejer. In Deutschland, den Niederlanden und Dänemark sind mehrere Verdächtige festgenommen worden. https://orf.at/stories/3342862/

Schutz vor dicken Stromrechnungen:
Die europäischen Verbraucher sollen besser vor ausufernden Preisen für Elektrizität geschützt werden. Das sieht eine Reform des Strommarktes vor, die EU-Länder und Europaparlament vereinbart haben. Unter anderem sollen Privatleute das Recht bekommen, zwischen Festpreisverträgen und dynamischen Preisvereinbarungen zu wählen. Der Kompromiss muss noch formell bestätigt werden, dürfte aber in den EU-Gremien durchgehen. Hintergrund sind extrem gestiegene Strompreise wegen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine und des zeitweisen Ausfalls fast jeden zweiten französischen Atomkraftwerkes. rnd.de
Kinderarbeit kann teuer kommen:
Große Unternehmen sollen bestraft werden, wenn sie von Kinder- oder Zwangsarbeit bzw. anderen unethischen Praktiken außerhalb der EU profitieren. Zuwiderhandlung kann Geldstrafen von mindestens 5 % des weltweiten Firmennettoumsatzes kosten. Das ist der Kern des Lieferkettengesetzes, auf das sich Europaparlament und EU-Staaten in einer Nachtsitzung geeinigt haben.

Vorgesehen ist zudem, dass Geschäftsmodelle und Strategien mit dem Pariser Klimaabkommen vereinbar sind. Um die Formulierungen war monatelang hart gerungen worden. Der beschlossene Text geht über das deutsche Lieferkettengesetz hinaus. europarl.europa.eu handelsblatt.com
Deutschland blockt Gentechnik-Reform:
Weil die Bundesregierung sich der Stimme enthalten hat, ist die von der EU-Kommission vorgeschlagene Lockerung der europäischen Regeln für neue Gentechnik (NGT) zunächst gescheitert. Das Thema ist innerhalb der Ampelkoalition so umstritten, dass Bundesagrarminister Cem Özdemir im EU-Rat weder Ja noch Nein sagen konnte. Zwar sind auch andere Länder gespalten, aber als größte Nation hat Deutschland so viel Gewicht, dass die Enthaltung eine Mehrheit verhinderte. Streitpunkte sind unter anderem der Schutz des ökologischen Landbaus und die Patentierung neuer Pflanzensorten. euractiv.de
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„Was wirklich eine Gemeinschaft formt, sind Rechtsstaatlichkeit, die Verfassung, die Regeln der Demokratie, sichere Grenzen und ein sicheres Landesgebiet – das sind die Dinge, über die wir uns nicht streiten dürfen”
Mit proeuropäischen Positionen wie diesen vom neuen Warschauer Regierungschef Donald Tusk ist Polen in der EU kein Nervfaktor mehr…

Judenhass an Unis:
Viele europäische Universitäten haben ein Antisemitismusproblem. Das beklagt Pinchas Goldschmidt, Vorsitzender der Europäischen Rabbinerkonferenz und langjähriger Oberrabbiner von Moskau. „Von grassierendem Antisemitismus sind nicht nur die Ivy-League-Unis in den USA betroffen.“ Die Unterstützung, die Juden vonseiten europäischer Regierungen bekomme, sei zwar „gut“. Aber „es gibt schlechtere Länder“ wie Irland und Belgien. Deutschland „gehört zu den besseren – auch wenn ich glaube, dass die Regierung in Berlin noch mehr tun könnte.“
Sorgen hat Goldschmidt wegen islamistischer Gesinnung unter Muslimen ebenso, wie wegen zunehmenden Rechtsradikalismus. „Unsere Regierungen werden mit dem Problem der Radikalisierung von Teilen der Gesellschaft nicht fertig.“ juedische-allgemeine.de tagesspiegel.de (Viadrina)


Ein EU-Liebhaber ganz oben – das ist selten in der Schweiz…
Ein ausgesprochener Europa-Freund ist jetzt Mitglied der eidgenössischen Regierung. Beat Jans, Regierungspräsident der Stadt Basel, gehört jetzt dem nur siebenköpfigen Kabinett in Bern an. Das ist bemerkenswert, weil die EU wird in dem zuletzt nach rechts abgedrifteten neutralen Land weitgehend mit Skepsis beäugt wird, weil man durch sie die Gefährdung des erfolgreichen Modells einer Konsens-Demokratie befürchtet.
Der 59jährige Sozialdemokrat wird wohl Innen- und Gesundheitsminister werden. Er ist begeisterter Schlagzeuger. Jans hatte im Rahmen des ungewöhnlichen schweizerischen Staatssystems bei der Wahl in beiden Parlamentskammern die nötige Mehrheit bekommen. Er könnte mehr als zehn Jahre im Amt bleiben und darf – wie alle schweizerischen Minister – den Rücktritt selbst bestimmen. web.de


5.000
Schifffahrtsmilliarden für EU-Klimaschutz:
Die Schifffahrtsbranche legt dieser Tage letzte Hand an Vorbereitungen für das erweiterte EU-Emissionshandelssystem (EU-ETS), das am 1. Januar 2024 alle Seefahrzeuge ab 5.000 BRZ erfasst. Die Methode zur Verringerung schädlicher Abgase dürfte der Seefahrt viele Milliarden zusätzlicher Gebühren kosten. climate.ec.europa.eu umweltbundesamt.de

Lange Hymne, kurzer Atem…

158 Strophen hat die griechische Nationalhymne. Damit ist sie bei Weitem die längste in der EU – theoretisch.
Denn in der Praxis haben die Griechen keinen so langen Atem: Sie singen normalerweise nur die ersten zwei Strophen. (Quelle: geo.de/geolino/wissen)
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