Europa-Themen der Woche
(Europäische Union) – Was hat die europäischen Macher und Beobachter der EU-Länder vergangene Woche an- und umgetrieben?
- Das neue Jahr 2024 könnte das schwierigste der EU-Geschichte werden. Warum? Mehr dazu unten.
- Die EU schottet sich gegen Migranten ab. Viele begrüßen das. Manche nicht. Scrolle runter.
- Lässt der Westen die Ukraine fallen? Einer erhebt schwere Vorwürfe: Siehe ganz unten.
⤵️ DAS ALLES UND NOCH VIEL MEHR von WOLF ACHIM WIEGAND 🇪🇺

Meine Meinung:
Europa vor Schicksalsjahr 2024
Mit 2023 geht ein anspruchsvolles europäisches Jahr zu Ende. Das kommende Jahr bietet indes wenig Anlass für große freudige Erwartungen. Es dürfte für uns Europäer eines der wichtigsten unserer jüngeren Geschichte werden.
Viele interne Probleme fordern uns parallel zur Europawahl im Juni heraus. Migration. Schulden. Klimapolitik. Und mehr. Alles gefundene Fressen für Populisten.
Die größte Sorge macht mir aber unser transatlantischer Partner USA. Warnungen, was bei einem erneuten Sieg des erratisch-autoritären Donald Trump passieren dürfte, gibt es genug. Diktatur? Anarchie? Zerfall?
Das Problem: Unser Staatenverbund hat keinen Plan, was er tun wird, falls in Washington alles umkrempelt wird. Vieles ist dann möglich. Ende der NATO. Abkehr von der EU. Stopp der Ukraine-Unterstützung.
Wir aber sind wir ein Chor ohne Dirigenten. Mit 27 unterschiedlichen Stimmen. So disharmonisch möchte uns niemand in der Welt zuhören. Es droht Bedeutungsverlust.
Der Europawahlkampf böte den Parteien die Chance zum Schreiben einer neuen gut vernehmbaren EU-Partitur. Ich fürchte aber, kein Komponist wird sie arrangieren. Sind Sie optimistischer?

Deutsche Fregatten ins Rote Meer?
Ein bewaffneter Einsatz der Bundesmarine zur Sicherung der freien Schifffahrt zwischen Asien und Europa scheint möglich zu sein. Nach Medienberichten gibt es dafür Kapazitäten. Gleich zwei Schiffe könnten abkommandiert werden: Die Fregatten “Hamburg” und “Sachsen“. Die sind auf Maßnahmen gegen Milizen islamistischer Gesinnung zugeschnitten.
Europäische Schifffahrtskreise drängen EU-Regierungen zur Teilnahme an einer US-geführten Einsatzgruppe im Roten Meer. Der Grund: Nachdem mehrere Frachter von Milizen beschossen und einer entführt worden war, leiten derzeit fast alle großen Reedereien und Ölgesellschaften ihre Schiffe vom Seegebiet südlich des Suezkanals um das abgelegene südafrikanische Kap der Guten Hoffnung herum. Das verursacht hohe Kosten. n‑tv.de dvz.de (Meinung)
EU-Abschottung gegen Migranten – Lob und Kritik:
Die nach jahrelangen Verhandlungen zwischen Mitgliedsstaaten, EU-Parlament und Kommission erzielte Einigung bei der europäischen Asylreform hat Lob und Entsetzen gleichermaßen ausgelöst. Sie sieht unter anderem vor, dass Asylbewerber mit geringer Bleibechance schneller und direkt von der EU-Außengrenze abgeschoben werden können. Mehr als 800.000 Asylanträge sind in den ersten neun Monaten dieses Jahres in der EU sowie Norwegen und der Schweiz gestellt worden – solche zahlen soll es künftig nicht mehr geben.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sagte, der Beschluss entlaste „die Staaten, die besonders stark betroffen sind – auch Deutschland”. Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) bedauerte, dass sie keine Ausnahme für Familien und Kinder durchsetzen konnte. Linkskreise sehen einen „historischen Kniefall vor den Rechtspopulisten in Europa“. web.de
EU-Schuldenpakt umstritten:
Nach der Einigung auf eine Reform des Europäischen Stabilitätspaktes sind die Reaktionen auf die neuen Budget-Regeln der EU durchwachsen. „Die EU hat neue Schuldenregeln, die absehbar genauso wenig eingehalten werden wie die alten,“ analysiert die Wirtschaftswoche. Die Süddeutsche findet, der EU sei zwar „ein vernünftiger Kompromiss“ für die Staatsschulden gelungen, „doch am Ziel sind die Mitgliedsländer damit noch längst nicht.“ Lob dagegen bei Regierenden: Bundesfinanzminister Christian Lindner etwa findet, „niemand“ müsse fürchten, dass es in Europa eine uferlose Verschuldung geben könne. wiwo.de sueddeutsche.de boerse.de
„Westen schuldig an Ukraine-Untergang“:
Schwere Vorwürfe gegen den Westen hat der russische Oppositionspolitiker und Schachweltmeister Garri Kasparow erhoben. Die Ukraine stehe kurz davor, den Krieg zu verlieren, „und der Westen ist schuld daran,“ schreibt der 60jährige, der im US-Exil lebt. Die NATO-Länder könnten die Ukraine aus vorhandenen Beständen aufrüsten – „wenn sie wollten“.

Unterdessen hat der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) aufgefordert, eine Führungsrolle zu übernehmen, wie beim EU-Gipfel vorige Woche in der Frage von EU- Beitrittsverhandlungen mit Kyïv. Präsident Wladimir Putin will seine Truppen an der seiner 1300 km langen NATO-Grenze zu Finnland verstärken. Er kündigte „Probleme“ an der Kontaktlinie an, ohne Details zu nennen. welt.de (Kasparow) zdf.de (Kuleba) berliner-zeitung.de (Putin)

„Aufwachen. Die Wähler der EU sollten sich gegen ihre unfähigen Politiker auflehnen, weil sie die Ukraine verraten haben.“
Garri Kasparow, größter Schachspieler aller Zeiten, fürchtet, dass es Putin gelingt, die freiheitsliebende Ukraine auf Schachmatt zu setzen

Nasser Tod auf See:
Das Migrantensterben auf dem Mittelmeer hört nicht auf. Mindestens 61 Menschen sind laut UN ertrunken, als ihr seeuntüchtiges Boot nach dem Ablegen in Libyen im eiskalten Wasser gekentert war. Auch Frauen und Kinder starben, nur 25 Personen überlebten. taz.de

„Auge der Erde“ blinzelt bald:
Die ersten Segmente für das weltgrößte Weltraumteleskop (ELT) haben von Frankreich aus die Seereise zum Einsatzgebiet in der chilenischen Atacama-Wüste angetreten. Dort ermöglichen sie den Montagebeginn am revolutionären 39-Meter-Hauptspiegel für die Europäische Südsternwarte (ESO, Garching.

Das ELT wird das global größte Fernrohr für sichtbares und infrarotes Licht sein und ist das derzeit ambitionierteste Projekt der Astronomie. Dabei kooperieren 16 europäische Staaten. Laut ESO soll das ELT „die größten astronomischen Herausforderungen unserer Zeit“ bewältigen und „bisher unvorstellbare Entdeckungen“ machen, wie neue Planeten außerhalb unseres Sonnensystems, sogenannte Exoplaneten. latina-press.com fis-landschaft.de (Hintergrund) youtu.be (Video)

EU-Abpfiff für UEFA:
Eine Niederlage gegen die Planer einer Super League hat die Europäische Fußball-Union (UEFA) erlitten. Der Europäische Gerichtshof in Luxemburg entschied, dass neue Wettbewerbe keiner UEFA-Genehmigung bedürften. Vereine und Spieler seien frei, daran teilzunehmen. Der Anspruch auf Exklusivität bei der kommerziellen Rechteverwertung stelle einen Missbrauch der dominanten Marktposition dar. Das gelte auch für den Internationalen Verband des Association Football (FIFA). Die Initiatoren der Super League arbeiten an einem dreistufigen Ligen-System mit 64 Vereinen. Nach dem Urteil feiern sie: „Das UEFA-Monopol ist vorbei.“ Die UEFA gibt sich ruhig und hält ihr Modell für „unersetzlich“. tagesschau.de sport1.de
EU reibt sich an Autoreifen:
Erstmals will die EU festlegen, wieviel Feinstaubabrieb die Autobremsen und Kfz-Reifen erzeugen dürfen. Die Grenzwerte sind Teil der vorgesehenen Schadstoffnorm Euro 7, auf die sich Unterhändler des Europaparlaments und der EU-Staaten am Abend in Brüssel geeinigt haben. Die Vorschrift soll festlegen, wie viele umwelt- und gesundheitsschädliche Stoffe jeder Pkw, Bus und anderes Fahrzeug maximal verursachen darf. Wenn die EU-Institutionen zustimmen – was zu erwarten ist – wird der Verkehr noch strenger reguliert werden als bisher. Auch Elektroautos und Wasserstofffahrzeuge sind betroffen. focus.de

China bezahlt EU-Politiker für Propaganda:
Rechtsextreme Politiker in Europa sind gegen Geld aus der Volksrepublik offenbar willig, die Interessen der kommunistischen Machthaber in Peking zu puschen. Das ist das Ergebnis einer umfangreichen Recherche, die auch die AfD belastet. Unter anderem sollte gezielt der Ruf eines deutschen Wissenschaftlers zerstört werden, weil er China wegen der Behandlung der Uiguren immer wieder scharf kritisiert hatte. Hauptziel der entlohnten Desinformationen sei es, die Beziehungen zwischen den USA und Europa auseinanderzutreiben, berichten die Rechercheure. derstandard.de

2 (Zwei)
U.S. Navy verstärkt Europa:
Spaniens Regierung hat grünes Licht für die Stationierung von zwei weiteren Schiffen der U.S. Navy in der Marinebasis Rota gegeben. Damit werden dort künftig dauerhaft sechs US-Zerstörer liegen. Hintergrund ist wachsende Besorgnis über immer mehr russische U‑Boot in Nordatlantik und Mittelmeer. Die Flotte soll die Umsetzung des strategischen NATO-Raketenabwehrschilds gegen Angriffe mit ballistischen Flugkörpern im Mittelmeerraum verbessern. marineforum.online

Bald erleichterter Wolfsabschuss?
Zur Freude von Landwirten hat die Europäische Kommission vorgeschlagen, dass Wölfe künftig leichter abgeschossen werden können. Der Schutzstatus für wildlebende Tiere solle von “streng geschützt” auf “geschützt” herabgesenkt werden. Damit reagiert die oberste Exekutivbehörde auf immer mehr Wolfsrudel in mehreren Regionen Europas und Klagen über das Reißen von Nutztierherden. Allerdings: Soll aus dem Vorschlag ein Gesetz werden müssen alle 51 Unterzeichner der bisherigen Schutzkonvention zustimmen – das kann dauern. n‑tv.de

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