Europa: Themen der Woche

(Europäische Union) – Was hat die Macher und die Beobachter von Europa kurz vor der EU-Wahl an- und umgetrieben?

  • Gefahr für Ursula von der Leyen: Siehe unten.
  • Achse der Natio­na­listen: Scrolle runter.
  • Der Waldrapp ist wieder da! Details siehe unten.

Das alles und noch viel mehr von WOLF ACHIM WIEGAND

Macron: „Europa groß machen!“

In einer schon vor Wochen angekün­digten Grund­satzrede hat Frank­reichs Präsident Emmanuel Macron den Europäern wie zu Beginn seiner Amtszeit ins Gewissen geredet und die Leviten gelesen. Mit drasti­schen Worten rief er – wie vor sieben Jahren in der Pariser Univer­sität Sorbonne – zu einer verstärkten Vertei­digung auf. Man stehe an einem Wendepunkt: 

„Unser Europa kann sterben.“ 

Macron beschwor die Zuhörer im Saal und im inter­na­tio­nalen Live-Stream, Europa unabhän­giger zu machen, denn es sei „kein Vasall der USA”. Konkret schlug Macron eine gesamt­eu­ro­päische Cyber­abwehr und eine gemeinsame Militär­aus­bildung vor. Außerdem empfahl er die Verbin­dungen zum EU-fernen Großbri­tannien wieder zu stärken, EU-Bürokratie abzubauen und stärker auf Erneu­erbare und Atomenergie zu setzen. tagesschau.de

Europas Politik

Nach EU-Wahl: Aus für Chefin VdL? 

Die christ­de­mo­kra­tische Europa-Spitzen­kan­di­datin Ursula von der Leyen könnte ihr Ziel verfehlen, nach der Wahl vom 9. Juni erneut als EU-Kommis­si­ons­prä­si­dentin antreten zu dürfen. In Brüssel wachsen Zweifel, dass sie eine Mehrheit im Europäi­schen Parlament bekäme. 

Anlass für die Speku­la­tionen ist Störfeuer aus den eigenen deutschen Reihen. Nach Bayerns Minis­ter­prä­sident Markus Söder (CSU) fordert auch die wirtschafts­po­li­tische Sprecherin der Bundestags-Union Julia Klöckner (CDU), das ab 2035 geplante EU-Verbot für Benziner und Diesel zu kippen. Die Liberalen im EU-Parlament reiben sich ebenfalls an der Deutschen. 

Als Alter­na­tiven sind der ehemalige EZB-Chef Mario Draghi (Italien) sowie die konser­va­tiven Regie­rungs­chefs Kyriakos Mitso­takis (Griechenland) und Andrej Plenković (Kroatien) für den wichtigsten EU-Posten im Gespräch. ad-hoc-news.de eurotopics.net 

EU-Rechnungshof rügt Flüchtlingshilfe für Türkei:

Der Flücht­lingspakt mit der Türkei sollte Migration in die EU begrenzen – und zugleich die Lage von Flücht­lingen verbessern. Das ist laut Europäi­schem Rechnungshof nur teilweise gelungen. So sei unklar, ob Projekte nach Förder­schluss fortge­führt würden. Unzufrieden ist die Luxem­burger Prüfbe­hörde auch mit den Regeln für Ausbil­dungs­maß­nahmen und Unter­neh­mens­grün­dungen, weil die Wirksamkeit nicht nachge­wiesen sei. Das gilt auch für mit EU-Geld einge­rich­teten Schulen. zeit.de/politik

Voten kurz vor EU-Wahl-Ultimo:

Kurz vor der EU-Wahl hat das Europäische Parlament wichtige Beschlüsse gefasst:

  • Das lange debat­tierte Liefer­ket­ten­gesetz wurde mehrheitlich angenommen. Es zwingt große Unter­nehmen zu Maßnahmen gegen z. B. Kinder- oder Zwangs­arbeit bei der Produktion im Ausland. 
  • Des Weiteren winkten die Abgeord­neten eine Art Recht auf gute Luft durch: Ab 2030 werden strengere Vorschriften gegen Feinstaub usw. gelten und Bürger werden entschädigt, wenn sie wg. Verstoßes krank werden. 
  • Barzah­lungen über 10.000 Euro sind bald verboten – entspre­chende Geschäfte müssen digital getätigt werden, um Geldwäsche abzuwehren. 
  • Die nach heftigen Protesten in Brüssel gefürch­teten Bauern werden von Bürokratie entlastet: Die Ökoregeln werden flexibler. 
  • Neuer Schutz auch für Pizza­boten: Sie müssen ordentlich beschäftigt werden, um Schein­selbst­stän­digkeit zu vermeiden. 

europarl.europa.eu

Nach EU-Wahl: Neue Achse der EU-Nationalisten? 

In Europa bahnt sich nach der EU-Wahl eine Neusor­tierung des rechten politi­schen Lagers an. Ungarns Minis­ter­prä­sident Viktor Orbán und der polnische Ex-Regie­rungschef Mateusz Morawiecki planen laut Medien­be­richten eine Bündelung rechts­na­tio­naler Kräfte, um im künftigen EU-Parlament mehr Einfluss zu haben. Auch die franzö­sische Präsi­dent­schafts­kan­di­datin Marine Le Pen könnte dazustoßen. Sie alle eint die Vision einer refor­mierten EU der Nationalstaaten.

Giorgia Meloni

Unklar ist die Rolle der postfa­schis­ti­schen italie­ni­schen Partei Fratelli d’Italia (FdI) von Minis­ter­prä­si­dentin Giorgia Meloni, die in der EU gemäßigt auftritt. Meloni soll Neigungen haben, mit den europäi­schen Christ­de­mo­kraten (EVP) zu koope­rieren, die ihr passende Brand­mauern haben: pro-Europa, pro-NATO, pro-Ukraine. euractiv.de

Vor EU-Wahl: Baerbock fleht umsonst bei der EU 

Die Ukraine wird keine zusätz­liche Flugabwehr von den Militärs in der Europäi­schen Union erhalten. Das ist das für Bundes­au­ßen­mi­nis­terin Annalena Baerbock enttäu­schende Resultat des EU-Minis­ter­gipfels in Luxemburg. Die grüne Politi­kerin hatte fast flehentlich dafür geworben, dass nach Deutschland auch andere EU-Staaten Patriot- oder andere Systeme anliefern. 

Hinter­grund: Das angegriffene Land kommt nicht gegen die neuer­dings verwen­deten russi­schen Gleit­bomben an. Ebenfalls liegen bleibt das im Grundsatz beschlossene 14. EU-Sankti­ons­paket gegen Russland. Die EU-Aufsicht befürchtet bei einer Minderung von Flüssig­ga­sim­porten einen „Energie­schock“. Schweden schlägt nun vor, die russische Tanker­flotte aus EU-Meeren wie der Ostsee zu verbannen. liveblog.zdf.de (Ukraine) berliner-zeitung.de (Russland) kyivindependent.com (Tankschiffe) 

Britannia rules the waves: 

Großbri­tannien hat die Aufsto­ckung seiner Vertei­di­gungs­aus­gaben bis zum Ende des Jahrzehnts auf 2,5 Prozent des Brutto­so­zi­al­pro­duktes angekündigt – und fordert seine NATO-Partner in Europa auf, dem Beispiel zu folgen. Die Welt sei so gefährlich wie seit dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr, sagte der konser­vative Premier­mi­nister Rishi Sunak. 

Das Budget für die nächsten sechs Jahre soll knapp 82 Milli­arden Euro betragen. Damit will das Verei­nigte König­reich zur mit Abstand größten Vertei­di­gungs­macht in Europa und zur zweit­größten im trans­at­lan­ti­schen Bündnis aufsteigen (bisher ist das die Türkei). politico.eu

Die Polizei­chefs der Europäi­schen Union und Großbri­tan­niens appel­lieren dringend an die Wirtschaft und Regie­rungen, mehr für die Sicherheit gegen Bedro­hungen durch Inter­net­gangster zu tun. Sie befürchten, die kommende Ende-zu-Ende-Verschlüs­selung zum Privat­sphä­re­schutz in Messenger-Platt­formen könnte Straf­taten unsichtbar machen.

„Techno­lo­gie­un­ter­nehmen haben eine soziale Verant­wortung, ein siche­reres Umfeld zu schaffen, in dem Straf­ver­folgung und Justiz ihre Arbeit tun können. Wenn die Polizei nicht mehr in der Lage ist, Beweise zu sammeln, wird unsere Gesell­schaft nicht in der Lage sein, die Menschen davor zu schützen, Opfer von Verbrechen zu werden.“ - Europol-Exeku­tiv­di­rek­torin Catherine De Bolle

83,2

Die Menschen in Spanien haben die höchste durch­schnitt­liche Lebens­er­wartung in der Europäi­schen Union (EU). In dem iberi­schen Land liegt die Lebens­er­wartung laut Statistik bei geschätzt rund 83,2 Jahren, während der EU-Durch­schnitt bei rund 80,7 Jahren liegt.

Europas Wirtschaft

EU-Recht auf Reparatur: 

Jeder europäische Verbraucher bekommt künftig das Recht, sein Handy, die Wasch­ma­schine oder den Haartrockner usw. repariert zu bekommen. Diese konsu­men­ten­freund­liche Entscheidung hat das Europäische Parlament getroffen. Danach müssen Hersteller ausrei­chend Ersatz­teile und Infor­ma­tionen bereit­halten, damit nicht nur sie selbst, sondern auch unabhängige Werkstätten Hand anlegen können. Die Regelung gilt auch für online erstandene Produkte. 

Absicht ist es, weniger Abfall durch Wegwerfen schad­hafter Geräte zu erzeugen und Ressourcen bei der Neupro­duktion einzu­sparen. zeit.de

Nach 400 Jahren: Waldrapp ist wieder da!

Waldrappe Vogel

Er ist ein Vogel und wurde seit dem 17. Jahrhundert hier nicht mehr gesehen. Nun tauchte er in Südtirol auf, der Waldrapp. Und das, obwohl er dort eigentlich gar nicht hingehört …

Ornitho­logen vermuten, die beobach­teten Zugvögel könnten sich von ihrem Standort in der Toskana verirrt haben. Oder aus Aufzucht­projekt in Öster­reich und Deutschland entkommen sein. merkur.de


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