Europa: Themen der Woche
(Europäische Union) – Kurz vor den EU-Wahlen: Was hat Macher und Europa-Beobachter vergangene Woche an- und umgetrieben?
- Kommt eigentlich irgendwann jemand der Ukraine effektiv zu Hilfe? Siehe unten.
- Die Sphinx ist nicht ägyptisch, sondern chinesisch. Scrolle runter.
- Wirtschaftsförderin Taylor Swift … Details siehe unten.
Das alles und noch viel mehr: von WOLF ACHIM WIEGAND

Ukraine-Milliarden reichen nicht:

Der Plan, die militärisch gegen den Eindringling Russland in Not gerate Ukraine durch ein G7-Hilfsaket in Höhe von rund 50 Milliarden Dollar wieder in die Offensive zu bringen, scheint nicht aufzugehen. Die dafür vorgesehene Verwendung von Zinseinnahmen auf eingefrorene russische Staatsvermögen ist zu wenig. Das rechnet Denys Maljuska vor, der ukrainische Justizminister. Gegenüber dem Nachrichtenportal Politico sagte er: Es sei ein erster, guter Schritt – aber:
Die Ukraine braucht hunderte Milliarden, um den Krieg zu gewinnen.
Vorschlag aus Kyjiw: Die EU solle die gesamten eingefrorenen Staatsvermögen Russlands konfiszieren. Dabei handelt es sich um rund 200 Milliarden Euro. Damit müsse nicht nur der Krieg, sondern auch der Wiederaufbau finanziert werden. Im Hintergrund laufen mit den EU-Wahlen im Nacken hektische Verhandlungen über diese Frage. POLITICO

China schlägt Pflöcke ein:
Das sphinxhafte Dauerlächeln des chinesischen Staats- und Parteichefs Xi Linping vergangene woche in Europa verriet wenig über die Emotionen des Europareisenden. Dennoch hat der Machthaber aus Peking seine Pflöcke eingeschlagen. In Paris nahm er kurz vor den EU-Wahlen eine gegenseitige Charmeoffensive mit Präsident Emmanuel Macron auf, dessen Bestrebungen, Europa in die “strategische Autonomie” zu lenken, für China mehr EU-Abkehr von den USA verheißt. Kritik auch von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am wirtschaftlichen Ungleichgewicht lächelte Xi nach außen hin weg..

Die zwei weiteren Stationen Serbien und Ungarn waren Wohlfühltermine für den Chinesen. Sie stehen quer zum europäischen Mainstream-Konsens und hofieren chinesische Investoren gerne. In Belgrad führte Präsident Aleksandar Vučić seinen Kollegen zum Standort der chinesischen Botschaft, die 1999 von der NATO bombardiert worden war.
Deutlicher als EU-Beitrittskandidat Vučić kann man dem Westen nicht zeigen, das man sich eigentlich irgendwie nicht als Teil desselben fühlt. In Budapest und im Beisein seines zweiten Verbündeten Victor Orbán nannte Xi die EU-Republik Ungarn “das Ziel Nr. 1” in der Region für Investitionen. Pekings Ziel ist ein Block ost- und mitteleuropäischer Staaten, die ihm folgen… washingtonpost.com
Europas Juden in Gefahr:
Der ehemalige Oberrabiner von Moskau, Pinchas Goldschmidt, ist am Europatag (9. Juni) mit dem Internationalen Karlspreis zu Aachen 2024 ausgezeichnet worden. Sein Verdienst um Europa und die europäische Einigung bestehe unter anderem darin, dass Goldschmidt schon 2015 „einen echten interreligiösen Dialog“ begründet habe, sagte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) in seiner Laudatio. Der Religionsgelehrte warnte in seiner Dankesrede im Krönungssaal des Aachener Rathauses „vor dem entfesselten Antisemitismus“ – Judenfeindlichkeit sei tief ins „zivilisierte“ Europa eingeschrieben, beklagte Goldschmidt kurz vor den EU-Wahlen. aachener-zeitung.de juedische-allgemeine (Laudatio)
Auf islamistischen Terrorismus mit Islamfeindlichkeit zu reagieren, ist falsch. Wir sind dann gefragt, den Terrorismus zu bekämpfen – Karlspreisträger Pinchas Goldschmidt will nicht nur Respekt für den eigenen Glauben
Razzia bei AfD-Krah:
Die Bundesanwaltschaft hat mit Genehmigung des Europäischen Parlaments die Büros des AfD-Europaabgeordneten Maximilian Krah in Brüssel durchsucht. Es geht um Spionagevorwürfe zu Gunsten Chinas gegen einen Mitarbeiter des AfD-Europaspitzenkandidaten. Krah: “Es war absolut zu erwarten.” zdf.de

Russland kapert EU-Autofabrikant:

Mithilfe Chinas ist es dem russischen Konzern Automotive Technologies gelungen, an Bauteile des europäischen Herstellers Stellantis zu kommen. Das in Kaluga bei Moskau residierende Unternehmen hat bekannt gegeben, dass es mit der Produktion der französischen Modellreihe „Citroën C5 Aircross“ begonnen hat. Die erste Auslieferung steht bevor.
Stellantis hatte seine Produktion in Russland schon 2022 wegen der EU-Sanktionen nach dem Einmarsch in die Ukraine eingestellt. Die Citroën ‑Muttergesellschaft sagt, es habe nun „die Kontrolle über seine Einheiten in Russland verloren.“ Laut Zolldaten trifft es daran keine Schuld – die eingesetzten Komponenten weisen nach China. Der „Citroën C5 Aircross“ wird von Citroën als “SUV für junge Individualisten” angepriesen. fr.de/wirtschaft
Wirtschaft will Europa retten:
Eine ungewöhnliche Allianz kämpft vor den EU-Wahlen gegen das Hochkommen von Populismus. Es sind nicht Politiker, sondern über dreißig schwergewichtige Unternehmen wie VW, Bosch und Deutsche Bahn. Gemeinsames Motto: „Wir stehen für Werte.“
Die Wirtschaftsgiganten wollen in einer SocialMedia-Kampagne gegen „Ausgrenzung, Hass und Abschottung“ mobilisieren. Selbst die eigenen rund 1,7 Millionen Mitarbeiter sollen mit Veranstaltungen für die Europawahl am 9. Juni sensibilisiert werden. t‑online.de db.com/news
Angstmacher sind Gift für den deutschen Export und die Arbeitsplätze – Der Chef von Siemens Energy, Christian Bruch, will Populisten wie die AfD ächten
EU-Beitritt der Ukraine würde teuer:
EU-Agrarkommissar Janusz Wojciechowski fürchtet sich vor Konkurrenz aus der Ukraine. Das „enorme landwirtschaftliche Potenzial“ des Getreidespeichers der Welt könnte den europäischen Binnenmarkt destabilisieren, warnt der Pole, in dessen Heimat im Frühjahr heftige Bauernproteste gegen Agrarimporte aus dem kriegsgebeutelten Land ausgebrochen waren. Der Beitritt der Ukraine zur EU gilt als das derzeit wichtigste politische Versprechen an die Regierung in Kyjiw.

Wojciechowski regt nun kurz vor den EU-Wahlen an, die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) gründlich zu reformieren, um die europäischen Kleinbauern vor billigen Agrarimporten aus dem EU-Anwärterland zu schützen. Ausdrücklich sagt der wohl nach der Europawahl vom 9. Juni scheidende nationalkonservative Politiker, er sei „dankbar“ für die Proteste der EU-Landwirte gewesen. Denn diese hätten geholfen, einige der Umweltschutzregelungen zu kippen, die „für die Landwirte nicht umsetzbar“ seien. euractiv.de

Rätsel über Russen im Roten Meer:
Die Lage in der wichtigen Schifffahrtsstraße Rotes Meer wird für Europas Reedereien – und damit auch für hamburgische Hapag-Lloyd – immer intransparenter. Vor einiger Zeit schon sind dort russische Kriegsschiffe eingelaufen, deren Ziel unklar ist. Beobachter vermuten, sie wollten die vom Iran gestützten Huthi-Terroristen im Jemen schützen. Westliche Marinen halten die Islamisten wegen ständiger Angriffe auf Frachtschiffe robust in Schach.
Andere Experten glauben, Russland wolle mit der Seestreitmacht Einfluss auf den Bürgerkrieg im angrenzenden Sudan nehmen. Wegen der Lage meiden große Reedereien wie Hapag-Lloyd oder Maersk die Route zwischen Europa und Asien via Suezkanal und wählen stattdessen den umständlichen Umweg über das südafrikanische Kap der Guten Hoffnung. channel16.dryadglobal hapag-lloyd.com (Live-Ticker) express.co.uk (Sudan)

Wer sich nicht traut, für seine Freiheit einzutreten, wird zum Schwarzfahrer unserer freiheitlichen Demokratie. - Richard von Weizsäcker, ehem. deutscher Bundespräsident

EU-Karriere beendet noch bevor sie begann:

Maltas stellvertretender Premierminister Chris Fearne ist aus der Regierung der EU-Inselrepublik ausgetreten. Damit hat sich seine Kandidatur für das Amt des nächsten maltesischen EU-Kommissars kurz vor den EU-Wahlen erledigt.
Fearne trat nach Meldungen zurück, er solle wegen seiner Rolle in einem Krankenhausskandal strafrechtlich belangt werden. Der 61jährige Arzt, Gesundheitsminister und Sozialdemokrat reichte sein Rücktrittsschreiben bei Premierminister Robert Abela ein. maltatoday.com.mt

10
Zehn Länder haben ihren Wunsch nach Aufnahme in den 27-Staaten-Berbund Europäische Union (EU) bekundet: Albanien, Bosnien und Herzegowina, Georgien, Kosovo, Moldau, Montenegro, Nordmazedonien, Serbien, Türkei, Ukraine.

Swifties lassen Kassen klingeln:

Effektiver als manche Werbekampagne verhilft US-Sängerin Taylor Swift (“Shake It Off”) 18 europäischen Städten zum Einnahmeboom aus Übersee. Im Gefolge ihrer europäischen „Eras Tour“ pilgern tausende US-Fans trotz exorbitanter Ticket-Preise über den Großen Teich. Grund: Reise, Unterkunft plus Eintritt sind für viele „Swifties“ auf dem Alten Kontinent günstiger als ein Konzertbesuch innerhalb der USA. rp-online.de (Foto: iHeartRadioCA, CC BY 3.0, wikimedia.org)
Entdecke mehr von http://www.european.expert
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E‑Mail zu erhalten.
