Europa: Themen der Woche
(Europäische Union) – Was hat die Macher in der EU und die Beobachter von Europa kurz vor der Europawahl an- und umgetrieben?
- Europas Rechtspopulisten haben die in Teilen rechtsextreme Partei AfD aus der EU-Fraktion ausgeschlossen. Was war da los? Siehe unten.
- Offizielle Beileidsbekundungen für den tödlich abgestürzten Iran-Präsidenten werden in der Öffentlichkeit als degoutant empfunden… Scrolle runter.
- Im Sommer droht uns eine Sonnenflut sondersgleichen: Details siehe unten.
Das alles und noch viel mehr: von WOLF ACHIM WIEGAND

AfD sitzt vor der Tür:
Die neun Abgeordneten der Alternative für Deutschland (AfD) sind kurz vor der Europawahl (9. Juni) aus der rechten Fraktion „Identität und Demokratie“ (ID) im Europäischen Parlament gefeuert worden. Ein entsprechender Antrag von Fraktionschef Marco Zanni (Lega, Italien) bekam eine Mehrheit. Damit haben die AfD-Vertreter wichtige parlamentarische Rechte verloren.
Begründet wurde der Rauswurf mit „der Reihe von Vorfällen“ an denen der EU-Abgeordnete Maximilian Krah und seine Gruppe beteiligt gewesen seien. Ein Versuch der anderen Deutschen, sich zu retten und nur ihren Europaspitzenkandidaten Krah ausschließen zu lassen, war fehlgeschlagen. Einzig Kollegen der österreichischen FPÖ und Rechtsradikale aus Estland sprangen der AfD zur Seite. bild.de/politik


Anerkennung eines inexistenten Staates:

Die angekündigte Anerkennung eines „Staates Palästina“ durch Norwegen, Spanien und Irland (sowie in Kürze durch Belgien, Slowenien und Malta) ist wohl eher spaltend, als zusammenführend. Während Arabien-affine Politiker in Europa und die Palästina-Autonomiebehörde in Ramallah den „historischen Schritt“ begrüßen, sind andere Reaktionen zurückhaltend bis kritisch.
Hauptkritik: Ein Staat Palästina habe nie bestanden, weshalb er keine Grenzen, keine Staatsgewalt und keine Hauptstadt habe. Israel rief überall seine Botschafter ab und kündigte „schwerwiegende Folgen“ an. Terror lohne sich offenbar, so die Regierung in Jerusalem. Berlin hält sich bedeckt. stern.de/politik faz.net/aktuell
Die Anerkennung ist keine Entscheidung gegen das Volk von Israel, das wir respektieren und schätzen, und sie es auch nicht zugunsten der Hamas, denn die ist auch nicht an einer Zweistaatenlösung interessiert – Spaniens sozialistischer Regierungschef Pedro Sánchez versucht den Rahmen zu setzen
Spanien, Norwegen und Irland haben sich entschieden, die Mörder und Vergewaltiger von der Hamas mit Goldmedaillen auszuzeichnen – Israels Außenminister Israel Katz kann nur den Kopf schütteln
Beileid für Mullah-Präsident unwillkommen: Der Tod des iranischen Präsidenten Ebrahim Raisi und weiterer Politiker durch Hubschrauberabsturz hat in Europa Kontroversen über den Umgang mit dem islamistischen Mullah-Régime ausgelöst. EU-Ratspräsident Charles Michel und Außenbeauftragter Josep Borrell hatten Teheran ihr Beileid und Krisenkommissar Janez Lenarčič seine logistische Hilfsbereitschaft übermittelt.
Das stieß in Brüssel auf massive Kritik, weil die Opposition den Ex-Staatsanwalt Raisi als „Schlächter von Teheran“ tausender Todesurteile beschuldigt. Amnesty International rechnet, in seiner Amtszeit sei die Zahl der Hinrichtungen um 89 % gestiegen. Parteifreunde Michels (Liberale) und Borrells (Sozialist) distanzierten sich deutlich von deren Beileid. Unter den Posts stehen dutzende Kommentare wie: „Nicht in meinem Namen“ oder „Nein, ich nicht.“ morgenpost.de/politik handelsblatt.com amnesty.org/en
„Es ist mir ein absolutes Rätsel, wie die EU-Kommission europäische Solidarität mit dem Iran zeigen kann.“ – Europa-Spitzenkandidatin Agnes-Marie Strack-Zimmermann MdB FDP ist stinksauer

US-Atombomber: „We are back“:
Die USA haben nach zwei Jahren Pause erstmals wieder Atombomber vom Typ B‑52H Stratofortress in Europa stationiert – zumindest zeitweise. Insgesamt vier Maschinen sollen vom britischen Stützpunkt Fairford aus an verschiedenen Übungen und Manövern teilnehmen. Damit will Washington gegenüber Russland Flagge zeigen. Die achtstrahligen strategischen Bomber von Boeing sind seit 1952 im Einsatz und gelten neben der russischen Tupolew Tu-95 als die Kampfflugzeuge mit der längsten Einsatzzeit der Geschichte. flugrevue.de/militaer
Vorstoß für EU-Luftabwehr:
Das sich rasant hochrüstende Polen will den europäischen Partnern in Kürze offiziell einen Plan zur Errichtung des Raketenbekämpfungssystems European Sky Shield (ESSI) vorschlagen. Dabei geht es um die Schaffung gemeinsamer Luftverteidigungsanlagen ähnlich des israelischen Iron Dome. Ministerpräsident Donald Tusk hatte kürzlich den Beitritt seines Landes zu dem deutsch-geführten Projekt erklärt. An ihm beteiligen sich mittlerweile 21 Staaten. pap.pl/en
Der jüngste Angriff (des Iran) auf Israel hat gezeigt, wie wichtig solche Systeme sind – es gibt keinen Grund für Europa, keinen eigenen Raketenschutzschild zu haben – Donald Tusk will ein US-freies System schaffen und warnt, dass es „sehr teuer“ sei
Ukraine drängt auf schnellere EU-Hilfen:
Vor dem Hintergrund eines immer offensiver auftretenden Gegners hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj beklagt, dass die westlichen Verbündeten zu lange brauchten, um über militärische Unterstützung gegen Russland zu entscheiden.
Der britischen Nachrichtenagentur Reuters sagte das 46-jährige Staatsoberhaupt, er dränge die Partner außerdem, sich direkter in den Krieg einzubringen. So benötige die Ukraine Hilfe beim Abfangen russischer Raketen. Außerdem bat Selenskyj um Erlaubnis für die Nutzung westlicher Waffen gegen Putins Truppen in Grenznähe. reuters.com/world
Umstrittene Haftbefehle gegen Kriegsführer:
Der Staatsanwalt beim Internationalen Strafgerichtshof (ICC) in Den Haag hat die Richter gebeten, Haftbefehle gegen die Führer der Terrormiliz Hamas und die wichtigsten Regierungsmitglieder Israels auszustellen. Das stößt in Europa weitgehend auf Verwunderung.
Der tschechische Premierminister Petr Fiala nennt es „empörend und völlig inakzeptabel“, dass Vertreter einer demokratisch gewählten Regierung mit den Kommandeuren islamistischer Terroristen in einem Atemzug genannt werden. Schließlich habe die Hamas angegriffen und Tausende unschuldiger Menschen getötet, verletzt und entführt.
Ähnlich äußerte sich Österreichs Bundeskanzler Karl Nehammer. Russlands Präsident Wladimir Putin steht bereits seit 2022 auf der ICC-Fahndungsliste – die zuständige japanische Richterin lässt er seither selbst steckbrieflich verfolgen. marketscreener.com (Reaktionen) twitter.com/P_Fiala (Fiala) icc-cpi.int (Gerichtstext)

Komplott hinter Fico-Mordanschlag?
Möglicherweise steckt hinter dem vorige Woche beinahe geglückten Pistolenattentat auf den slowakischen Regierungschef Robert Fico mehr als nur der angenommene Einzeltäter. Innenminister Matúš Šutaj Eštok spricht von entsprechenden Hinweisen. So seien Inhalte auf der Facebook-Seite des festgenommenen 71jährigen mutmaßlichen Täters zu der Zeit gelöscht worden, als der Mann ohne SocialMedia-Zugang bei der Polizei war.
Unterdessen ist der schwerverletzte linkspopulistische Fico laut Ärzten außer Lebensgefahr. Der 59-jährige benötigt aber weitere intensivmedizinische Behandlung. tagesspiegel.de

46
Der Europäische Rat ist ein eigenständiger Zusammenschluss europäischer Staaten mit 46 Mitgliedsländern. Er ist KEIN Organ der Europäischen Union.

Handelskrieg möglich:


Die Europäische Union steht offenbar kurz davor, dem US-Beispiel der USA zu folgen und Einfuhrzölle gegen Waren aus China zu erheben. In Brüssel erwartet man Folgen bis hin zu einem Handelskrieg, denn China droht nebulös mit Vergeltung. Das könnte dem gesamten Welthandel schaden.
Als mögliche Sanktionsware gelten zuvorderst chinesische E‑Autos – auch gegen den Widerstand von Fabrikanten wie BMW und VW, die Nachteile in der Volksrepublik fürchten. Außerdem ist an den Ausschluss von Ausschreibungen bei Bahn und Energie gedacht. China ist der drittgrößte Partner für EU-Warenexporte (8,8 %) und der größte Partner für EU-Warenimporte (20,5 %).

„Höllensommer des Jahrtausends“:

Dieses Jahr könnte es in Deutschland eine nie dagewesene Hitze geben. Das prognostizieren Wetterforscher aus Großbritannien im renommierten Fachblatt New Scientist (London).
Das Überraschende: Die Gluthitze ist auch eine Folge von mehr sauberer Luft, etwa durch weniger Emissionen im Straßenverkehr. Denn sinkende Luftverschmutzung führe regional zu einer stärkeren Sonneneinstrahlung. fr.de/panorama
Entdecke mehr von http://www.european.expert
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E‑Mail zu erhalten.
