Europa: Themen der Woche

(Europäische Union) – Was hat die Macher in der EU und die Beobachter von Europa kurz vor der Europawahl an- und umgetrieben?

  • Das beherr­schende The­ma waren natür­lich die Europa­wahl­pro­gnosen für kom­menden Son­ntag 9. Juni 2024. Das ist auch hier heute der Schw­er­punkt. Siehe unten.
  • Mit China droht ein Handels­krieg auszu­brechen, weil Peking mögliche EU-Sanktionen gegen die E‑Auto-Schwemme nicht akzep­tieren will. Details siehe unten.
  • Das bevöl­ke­rungs­reichste Land der Welt, Indien, hat auch gewählt. Das Ergebnis hat Folgen für Europa: Scrolle runter.

Das alles und noch viel mehr: von WOLF ACHIM WIEGAND

Die Europawahl hat bereits begonnen: 

In Estland können die Menschen seit Montag an “Vorab­stim­mungen” teilnehmen, wenn sie am Sonntag verhindert sind. Das geht online und auch per Handy. Am Donnerstag sind die Nieder­lande zur Wahl gegangen, aber ausge­zählt wird wie überall erst am Sonntag nach 18:00 Uhr. In Irland und Tsche­chien ist tradi­tionell freitags der Wahltag. Und am Samstag reihen sich Italien, Lettland, Malta und die Slowakei ein. Alle anderen der 27 EU-Mitglieder wählen wie Deutschland am Sonntag, erst dann werden wir wissen, ob die Europa­wahl­pro­gnosen zutreffen. 

Schwerpunkt Europawahl – geben Sie ihre Stimme ab – Sonntag, 9. Juni 2024 bis 18:00 Uhr

    Katapultiert EU-Wahl Le Pen nach vorne? 

    Die letzten Europa­wahl­pro­gnosen sagen große Verän­de­rungen in der EU-Volks­ver­tretung voraus. Bewahr­heiten sie sich, wird die größte nationale Delegation im Europäi­schen Parlament vom rechts­po­pu­lis­ti­schen Rassem­blement National (RN) aus Frank­reich kommen. Die Abgeord­neten von Präsi­dent­schafts­aspi­rantin Marine Le Pen könnten 31 Mandats­träger stellen – drei Sitze mehr als die CDU. An der Spitze stünde der 28jährige RN-Jungstar Jordan Bardella (Foto).

    Auch auf den folgenden Rängen der einfluss­reichsten Delega­tionen im künftigen EU-Parlament landen den Prophe­zei­ungen zufolge Parteien rechts von der Mitte: Die konser­vative Partido Popular aus Spanien und die italie­nische Rechts­außen-Partei Fratelli d’Italia von Giorgia Meloni. Erst auf Platz fünf wäre mit der sozia­lis­ti­schen PSOE (Spanien) eine linke Partei in den Top fünf. euractiv.de

    Die Presse der 27 betei­ligten EU-Staaten kommen­tiert die bevor­ste­hende Europawahl unter­schiedlich – von eupho­risch bis skeptisch

    Europawahl in EU-Medien:

    Schon vor dem Schließen der Wahllokale am kommenden Sonntag blickt die Presse in den 27 stimm­be­rech­tigten EU-Staaten sehr unter­schiedlich auf die möglichen Europa­wahl­pro­gnosen. Fünf Beispiele: 

    • Europas Trump-Moment ist da: Die extreme Rechte hat Zulauf” (Politico, Brüssel).
    • Das EU-Parlament wird künftig auf die Inter­essen von Extre­misten achten müssen“ (Kaleva, Finnland).
    • Europa­wahlen, ein sinnloser Wahlkampf“ (La Repubblica, Italien).
    • „Europa­wahlen sind nur für die enthu­si­as­tischsten Wähler von Interesse“ (Delo, Slowenien).
    • Ohne Europa werden wir auch in Deutschland keine tragfä­higen Lösungen finden“ (manager magazin, Deutschland).

    An dem Vakuum trägt auch Deutschland Schuld… – es gab keine Initiative, keine Vision, nichts, was Europa voran­ge­bracht hätte (Wirtschafts­woche, Deutschland).

    Extra: Was hat Europa für mich getan?

    Vor Abgabe des Stimm­zettels lohnt ein Blick nicht nur auf die Europa­wahl­pro­gnosen, sondern auch auf die deutsch­spra­chige Website des Europäi­schen Parla­ments. Das führt zehn Entschei­dungen in den vergan­genen fünf Jahren auf, die positive Auswir­kungen auf die Bürge­rinnen und Bürger in Europa gehabt hätten – von „mehr nachhaltige Fahrzeuge“ über „künst­liche Intel­ligenz“ bis hin zum „Recht auf Reparatur“… europarl.europa.eu

    europäische union

    EU steuert auf Konflikt mit China zu:

    Kurz vor der Europawahl taucht das erste Krisen­thema der neu formierten EU auf – ein möglicher Handels­klein­krieg mit China. Wohl schon nächste Woche wird Brüssel den Macht­habern in Peking mitteilen, dass Europa mit saftigen Straf­zöllen auf die Schwemme unfair subven­tio­nierter E‑Auto-Importe reagieren wird. 

    China-Emissäre haben in den vergan­genen Tagen versucht, die Behörde unter Ursula von der Leyen mit Zuckerbrot und Peitsche davon abzuhalten. Sie erklärten, China sei „offen für einen Dialog“, aber Sanktionen gegen E‑Fahrzeuge könnten dem EU-Wohlstand schaden. Peking wird wohl als Gegen­maß­nahme europäische Flugzeuge, Agrar­pro­dukte und Alkoholika boykot­tieren. Paris unter­stützt Brüssels harte Haltung. Berlin ist eher skeptisch. politico.eu

    Indien – heißer Partner Europas:

    an elderly woman sitting with a group of people while holding a flag
    Photo by Shakeb Tawheed on Pexels.com

    Es ist derzeit unerträglich heiß im bevöl­ke­rungs­reichsten Staat der Erde, so, wie noch nie – zu Wochen­beginn kletterte ein Thermo­meter in Neu-Delhi auf 52,9 Grad Celsius (im Schatten). Das passt zur politi­schen Tempe­ratur: Anders als prognos­ti­ziert haben die Hindu-Natio­na­listen von Regie­rungschef Narendra Modi keinen Rekordsieg einge­fahren, sondern das histo­risch mieseste Ergebnis – nun müssen Koali­ti­ons­partner her. 

    Für Europa bedeutet das indische Wahler­gebnis neue Unsicher­heiten beim Versuch, gemeinsam mit Indien Wirtschafts- und Umwelt­pro­bleme anzugehen sowie globale Stabi­lität zu schaffen. Die EU will den Rivalen des aggres­siven Chinas auf ihre Seite ziehen und ein Freihan­dels­ab­kommen (FTA) mit dem Subkon­tinent schließen. sueddeutsche.deindienaktuell.de

    Nordsee-Gasförderung verboten:

    Die umstrit­tenen Erdgas­boh­rungen in der Nordsee vor den Inseln Schier­mon­nikoog (Nieder­lande) und Borkum (Deutschland) sind zunächst ausge­setzt. Das hat das höchste Gericht der Nieder­lande gestern aus formalen Gründen gegen das nieder­län­dische Wirtschafts­mi­nis­terium angeordnet. Damit siegten Umwelt­schützer beider Länder, die einen gefähr­lichen Stick­stoff­ausstoß befürchten. Green­peace hatte die vorge­sehene Plattform gestern besetzt. Die endgültige Entscheidung will das Gericht nächste Woche fällen. welt.de

    europäische union

    Alte weise Menschen:

    Bei allen Versuchen der Politik, „jung“ auszu­sehen, hat Europa auf absehbare Zeit keine Aussicht auf Verjüngung seiner Bevöl­kerung – im Gegenteil! Das zeigt eine neue Berechnung der europäi­schen Statis­tik­be­hörde Eurostat. Danach werden die Menschen in der EU auf viele Jahrzehnte „deutlich“ immer älter. Auch Zuwan­derung werde das nicht ändern, sagen die Statis­tiker. Die älteste Einwoh­ner­struktur werde es in Italien, Portugal und Finnland geben, die relativ jüngste in Schweden. Deutschland liegt im unteren Drittel. prosieben.de

    europäische union

    Wir müssen uns an den Gedanken gewöhnen, dass russische Boden­truppen Nato-Staaten direkt bedrohen. Und mögli­cher­weise müssen dereinst deutsche Soldaten auf NATO- und EU-Terri­torium kämpfen. – Klare Worte von Philipp Ther, Histo­riker von der Univer­sität Wien t‑online.de

    europäische union

    Putin’sche Worte:

    Der russische Präsident hat am Wochenende wieder neue Register im rheto­ri­schen Kampf gegen die westliche Welt gezogen. Wladimir Putin warnte die NATO vor einer direkten Konfron­tation und sprach von „ernsten Folgen“ für Europa. 

    Damit kontert der Moskauer Herrscher die neue Strategie westlicher Verbün­deter, wonach die von Russland überfallene Ukraine von Unter­stützern gelie­ferte Präzi­si­ons­waffen großer Reich­weite völker­rechts­konform auf russi­sches Gebiet abfeuern darf. Putin drohte mit militä­ri­schen Maßnahmen insbe­sondere gegen kleinere Länder, ließ aber offen, was er vorhat. Außerdem verwies er erneut auf Russlands strate­gische Atomwaffen. merkur.de

    1.413

    Um die 96 deutschen Sitze im Europäi­schen Parlament bewerben sich bei der Europawahl 2024 exakt 1.413 Kandi­da­tinnen und Kandi­daten. Deutschland stellt die meisten Abgeord­neten, danach folgen Frank­reich (81) und Italien (76). Weitere Fakten: 

    • Die wenigsten Abgeord­neten stellen Zypern, Luxemburg und Malta mit je sechs Sitzen.
    • Das 10. Europäische Parlament wird 720 Abgeordnete aus 27 Ländern umfassen. 
    • An der Europawahl nehmen in Deutschland 35 Parteien und Verei­ni­gungen teil.
    • Fast 61 Millionen Deutsche sind wahlbe­rechtigt, darunter erstmals 16jährige.
    • Im Gebiet der Europäi­schen Union sind rund 350 Millionen der gut 450 Millionen Einwohner stimm­be­rechtigt, darunter in Übersee­ge­bieten wie Marti­nique (Frank­reich), Madeira (Portugal) oder Kanaren (Spanien).
    europäische union

    Sport-Coach gibt Demokratie-Lehrstunde:

    Ein Wahlaufruf der beson­deren Art verbreitet sich aktuell im Internet: Johannes “Jojo” Liebnau, ehemals Vorsänger der HSV-Ultras und heute Football­trainer bei den Hamburg Huskies, verur­teilt in einem Video die rassis­ti­schen Party-Gesänge auf Sylt und appel­liert an Jugend­liche, wählen zu gehen.


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