Informationssplitter zur Europawahl 2024 – Von Wolf Achim Wiegand, Hamburg/Brüssel +++
Frauentrio verdrängt Männerduo:

Das Schicksal Europas liegt in den Händen eines weiblichen Trios:
Ursula von der Leyen (CDU) könnte nach bislang bekannten Resultaten der Europawahl 2024 trotz internen Gegenwindes neue Kommissionspräsidentin bleiben. Aber sie dürfte künftig in die Zange genommen werden durch Italiens postfaschistische Regierungschefin Giorgia Meloni und Frankreichs Präsidentschaftsaspirantin Marine Le Pen. Das bislang dominierende Männerduo am Lenker der EU fällt aus: Der deutsch-französische Motor von Emmanuel Macron und Olaf Scholz stottert. https://results.elections.europa.eu/de

Macron zieht Notbremse:
Nach seiner schweren Niederlage bei der Europawahl 2024 hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron vergangene Nacht das Parlament in Paris aufgelöst und Neuwahlen ausgerufen. Schon in wenigen Wochen will er wissen, ob die Grande Nation seinen liberalen Kurs fortsetzen möchte oder ob die Rechtsaußen-Herausforderin Marine Le Pen in den Élysée-Palast einziehen soll. tagesspiegel.de
Ich kann nicht so tun, als sei nichts geschehen … Diese Entscheidung ist ernst und schwer. – Mit Neuwahlen riskiert Macron sein Verschwinden von der europäischen Bühne
Machtkampf um EU-Chefposten:
Die spannendste Personalfrage Europas beschäftigt ab sofort alle 27 EU-Hauptstädte. Da die EU-Christdemokraten bei der Europawahl 2024 nicht nur in Deutschland klare Erfolge errungen haben, reklamieren sie für Spitzenkandidatin Ursula von der Leyen (CDU) eine weitere Amtszeit als EU-Kommissionspräsidentin. Ein Selbstgänger ist das nicht: Sozialdemokraten, Liberale und Sozialdemokraten werden für ein „Mitte-Bündnis“ einen Preis fordern.
Ein Flirt von der Leyens mit Rechtsaußen – der ein Bruch mit den Kräften der Mitte wäre – ist nach Ansicht von Beobachtern wenig wahrscheinlich. Dennoch könnte es krachen, sollten die EU-Regierungschefs ihr Vorschlagsrecht für einen anderen Namen ziehen: Der italienische Ökonom und Top-Job-Spezialist Mario Draghi wartet schon.
Erst wenn ein gesamteuropäisch abgestimmter Vorschlag feststeht, kommt das EU-Parlament ins Spiel. Es nimmt die Präsidentschaft und alle Kommissaranwärter unter die Lupe. Laut Fahrplan könnte das Parlament die Personalien schon im Juli abstimmen. morgenpost.de
Deutschland ist schwarz-blau geworden:
In Deutschland hat die Europawahl 2024 ein klares Comeback der Unionsparteien gebracht und das gewohnte Parteiensystem umgekrempelt. Für die Bundesrepublik ziehen 14 Parteien ins Europaparlament ein.
CDU/CSU stehen mit 30 Prozent unangefochten weit vorne an der Spitze. Die Rechtsaußenpartei AfD wurde zweitstärkste Kraft. Die SPD kommt bei relativ wenig Verlusten auf den dritten Platz. Die Grünen sind mit minus acht Prozent der große Wahlverlierer und werden im Europäischen Parlament künftig eine untergeordnete Rolle spielen. Die FDP hat mit etwas über fünf Prozent leicht zugelegt.
Deutschland schickt außerdem zahlreiche neue und kleine Parteien ins Europäische Parlament, das erst beim nächsten Mal eine Sperrklausel haben wird. So erreichte das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) aus dem Stand rund sieben Prozent. Die Freien Wähler werden mit drei Abgeordneten ein Mandat mehr als bisher in Brüssel einbringen, ebenso wie die erstaunlich erfolgreiche paneuropäische Partei VOLT, die sich mit zwei Abgeordneten verdoppelt. Die Satirepartei Die PARTEI kommt ebenso – wie bisher – auf zwei Sitze. Weitere Vertreter entsenden: Tierschutzpartei, Familienpartei und ÖDP. Ergebnisse im Detail: bundeswahlleiterin.de
Ruhiger Wahlverlauf:
Aus keinem der 27 EU-Mitgliedsländer sind bei der Europawahl 2024 größere Zwischenfälle gemeldet worden. Lediglich in Österreich herrschte einige Aufregung, weil nach den schweren Unwettern mehrere Wahllokale in der Steiermark überflutet waren. Die Behörden teilten den Bürgern per Aushang mit, wo die Wahllokale kurzfristig hin verlegt wurden. stuttgarter-nachrichten.de
Einsame EU-Überseegebiete:

Gähnende Leere zeigte sich in Wahlbüros europäischer Überseegebiete. Am einsamsten waren die Auszähler rund 8.000 km von Brüssel entfernt. Auf der französischen Karibikinsel Martinique (Foto) lag die Wahlbeteiligung rekordverdächtig bei unter acht Prozent. Nicht viel besser sah es auf Guadeloupe (ebenfalls Karibik), in Guyana (Südamerika) und in Neu-Kaledonien (Süd-Pazifik) aus. de.euronews.com
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