Europa: Themen der Woche

(Europäische Union) – Das hat die Politik in Europa, die Europaeische Union, und die EU-Öffent­lichkeit in der Europa­woche 2024/37 an- und umgetrieben:

  • Das neue Kommis­si­onsteam lässt auf sich warten – von der Leyen kommt mit der Zusam­men­stellung nicht voran … Siehe unten.
  • Kurz vor Ende ihrer Amtszeit feiert EU-Wettbe­werbs­kom­mis­sarin Margrethe Vestager den größten Erfolg ihrer Karriere: Scrolle runter.
  • Deutsche Migra­ti­ons­po­litik wühlt die gesamte Europäische Union auf. Details siehe unten.

Das alles und noch viel mehr: von WOLF ACHIM WIEGAND

Von der Leyen auf dem Schlauch:

Die Bildung der künftigen EU-Kommission ist kompli­ziert geworden. Deshalb konnte die oberste Behör­den­chefin Ursula von der Leyen ihre Namens­liste nicht schon vergangene Woche präsen­tieren, sondern erst kommende Woche. Amtsan­tritt der 26 Kolle­gi­ums­mit­glieder wird womöglich erst im Dezember sein – so spät, wie noch nie.

Der Termin zur Bekanntgabe für die Ressorts ist kurzfristig abgesagt worden. Ein Grund: Die EU-Regie­rungen sind nur wider­willig der Bitte von der Leyens gefolgt, mindestens 50 Prozent Frauen zu benennen. Offenbar muss die Deutsche immer noch Druck auf Haupt­städte ausüben – teilweise mit Wirkung. So hat Slowenien den schon öffentlich benannten Kandi­daten zu dessen peinlicher Überra­schung zurück­ge­zogen und schlägt nun eine ehemalige Botschaf­terin vor.

Ein weiteres Problem ist die Aufga­ben­ver­teilung. Zu Schulden bereite Südländer wollen im Kommis­si­ons­kol­legium alle einfluss­reichen Wirtschafts­posten besetzen. Sparsame wie Deutschland, Skandi­navier und die Nieder­lande wollen das nicht hinnehmen. wiwo.de merkur.de euractiv.de european.expert

Europa Woche 2024/37

Deutschland löst Europazank aus:

Der Berliner Migra­ti­onskurs hat in ganz Europa alte Gräben neu aufge­rissen und stellt den jahrelang ausge­han­delten EU-Migra­ti­onspakt in Frage. Polens Regie­rungschef Donald Tusk nennt die deutschen Grenz­pläne „inakzep­tabel“. Der griechische Minis­ter­prä­sident Kyriakos Mitso­takis findet, den Ball einseitig aufs Feld anderer Länder zu werfen, „kann nicht toleriert werden“. Die britische Regierung befürchtet mehr Migranten via Ärmel­kanal nach England, sollte Deutschland irreguläre Einwan­derer ablehnen. 

Ungarn droht indessen, unerwünschte Migranten mit Bussen nach Brüssel zu karren, was Belgien enorm aufregt. Lob kommt fast nur von der Regierung Italiens. Es heißt aus Rom, dass “Europas linke Parteien sich auf die Seite der neofa­schis­ti­schen Minis­ter­prä­si­dentin Giorgia Meloni” schlügen.

euractiv.com (Europa) tagesspiegel.de (Polen) tagesspiegel.de/internationales (Griechenland) euronews.com (Ungarn) euractiv.com (Italien)

Bei Angriff Evakuierung:

Der Autor dieses Blogs in Vilnius, Litauen

Die baltische EU-Republik Litauen ist extrem besorgt über einen möglichen Angriff Russlands. Daher stellt die Regierung in Vilnius einen Plan für die landes­weite Evaku­ierung aller drei Millionen Einwohner auf. Innen­mi­nis­terin Agnė Bilotaitė will das Vorhaben bereits Anfang Oktober fertig haben. Die anderen Balten-Staaten Estland und Litauen betei­ligen sich an dem Projekt. 

Litauen liegt geogra­fisch einge­keilt zwischen der russi­schen Exklave Kaliningrad und Russlands Verbün­detem Belarus. Das Land leidet mehr als andere EU-Staaten an Kreml-Cyber­at­tacken, Sabotage und Desin­for­mation. Deutschland baut derzeit zum Schutz Litauens eine ständig präsente Bundeswehr-Brigade auf. 

General­inspekteur Carsten Breuer warnt, Russland richte seine Armee derzeit in Richtung Westen aus. Es könnte ab 2029 mögli­cher­weise einen Nato-Staat angreifen. prosieben.de

Russland hat „gewählt“:

Fast unbeachtet vom Westen hat Russland voriges Wochenende die Gouver­neure („Minis­ter­prä­si­denten“) von 21 Födera­ti­ons­re­gionen und diverse neue Kommu­nal­par­la­mente „gewählt“. Eine echte Opposition konnte nicht antreten. Zwar siegte in der bitter­armen Minire­publik Altai (Grenze mit China) laut des exilierten Opposi­ti­ons­ma­gazins Meduza der bei Putin in Ungnade gefallene Andrei Turchak. Er holte 74 %. Aller­dings ärgert Turchak den Kreml nicht mit System­kritik. Er nervt die Herrschenden um Putin, weil er ein noch rabia­teres Vorgehen in der Ukraine fordert.

Bild: KI

Das miesteste Ergebnis bekam mit 59 Prozent der Gouverneur von St. Petersburg, Alexander Beglow, der wegen Misswirt­schaft unpopulär ist. Bei den Kommu­nal­par­la­menten in 13 Regionen erhielt die Putin-Partei „Einiges Russland“ offiziell mehr als 50 % der Stimmen. Vom Kreml tolerierte extreme Natio­na­listen schafften es in jeder zweiten Region. Sie verdrängten die Kommu­nisten ganz nach Moskaus Wunsch vom zweiten Platz. meduza.io taz.de

EU lacht, Google kracht:

Die schei­dende EU-Wettbe­werbs­kom­mis­sarin Margrete Vestager freut sich über eine höchst­rich­ter­liche Entscheidung. Das Urteil verhängt ein Rekord­strafgeld in Höhe von insgesamt über 15 Milli­arden Euro. Die Strafe richtet sich gegen die US-Techkon­zerne Google und Apple. Das sei ein „großer Tag für die europäi­schen Bürger und die Steuer­ge­rech­tigkeit,“ sagte die streitbare Dänin. Sie wird der neuen Brüsseler Kommission nicht mehr angehören.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hatte der liberalen Politi­kerin nach achtjäh­rigem Prozess harte Entschei­dungen bestätigt. Irland hat dem Weltkonzern Apple am dort ansäs­sigen Europasitz durch extrem niedrige Steuern illegale Beihilfen gewährt. Google hat seine Markt­macht missbraucht, indem es einen seiner Dienste in den Suchergeb­nissen bevorzugt angezeigt hat. 

Vestager zeigte sich zum Ende ihrer Amtszeit als EU-Wettbe­werbs­kom­mis­sarin zu Tränen gerührt. Sie hatte selbst massivsten Lobby­ein­flüssen wider­standen. handelsblatt.com

Dieses Urteil ist die größte juris­tische Niederlage in der Firmen­ge­schichte von Google – Der deutsche Kartell­anwalt Thomas Höppner (Frankfurt) ist begeistert

Europa Woche 2024/37

Mehr Europa in einem Satz: 

Kredit­freude: Europäische Zentralbank (EZB) verschafft Kredit­nehmern etwas mehr Luft t‑online.de. Kungelei? EU- Kommission unter­sucht womöglich illegale deutsche Beihilfen beim Bau der Nürburgring-Rennstrecke germany.representation.ec.europa.eu Verschleierung? Zwanzig Jahre nach Geisel­nahme und blutigem Befrei­ungs­versuch (über 330 tote Lehrer, Eltern, Kinder) in einer ossie­ti­schen Schule. Über 330 Lehrer, Eltern und Kinder starben. Russland vertuscht offenbar weiterhin mögliches Staats­ver­sagen. novayagazeta.ru

Verwüstetes Europa:

Vermutlich der Klima­wandel. Aber auch zerstö­re­rische mensch­liche Eingriffe verur­sachen große Hitze und Trockenheit in Europa. Zu intensive Landwirt­schaft oder massive Wasser­ent­nahme sind die Haupt­ur­sachen. Bereits in insgesamt 13 EU-Staaten – darunter Spanien, Griechenland, Bulgarien und Rumänien – bilden sich Wüsten.

Doch es gibt Hoffnung. Forscher Fred Hattermann vom Potsdam-Institut für Klima­fol­gen­for­schung sagt: Noch können wir die Deser­ti­fi­kation aufhalten. In einem kurzen Podcast erklärt der Wissen­schaftler, warum und wie das gehen soll. deutschlandfunk.de

Europas Wirtschaft Europawoche 2024/35

Wettbewerbsfähigkeit – alter weiser Mann warnt Europa vor dem Wirtschaftstod:

Vorige Woche waren bereits grobe Linien seines Reports zur besseren Wettbe­werbs­fä­higkeit Europas durch­ge­si­ckert. Nun hat Mario Draghi seine Empfeh­lungen für eine stärkere EU öffentlich präsen­tiert. Dabei packte der ehemalige EZB-Chef und Ex-Regie­rungschef Italiens bittere Pillen auf den Tisch.

Nach Draghis Berech­nungen muss die EU ihre Inves­ti­tionen um massive fünf Prozent­punkte des BIP steigern. Nur so könne die Wirtschaft digita­li­siert und dekar­bo­ni­siert sowie die Vertei­digung gewuppt werden und die viel leistungs­fä­hi­geren USA kontern. „Eine beispiellose Situation“, stöhnte der 77-jährige Ökonom.

Draghi hatte den Bericht auf Anfor­derung der EU-Kommission angefertigt. Das Werk dürfte jetzt wie eine Art Kassen­bibel auf Schreib­ti­schen der Politiker liegen. Die Politiker müssen grübeln, wo das Geld herkommen soll. nzz.ch/wirtschaft agenzianova.com

Die Ära des schnellen Wachstums im Welthandel scheint vorbei zu sein …, wenn die EU nun nicht forsch handelt, droht ihr ein langsamer Todes­kampf – „Super Mario“ Draghi malt düstere Wolken an den EU-Himmel

Russen riskieren Ostsee-Ölpest: 

Immer öfter weigern sich Tanker-Kapitäne der Kreml-„Schattenflotte“ ohne Begründung, in den Meerengen der Ostsee die Dienste von Lotsen anzunehmen. Die Frachter mit russi­schem Rohöl sind durchweg marode und sie haben veraltete Karten und Geräte an Bord. Bei einem Unfall besteht das Risiko einer großen Ölpest, heißt es aus Dänemark. Derzeit lasse jeder fünfte Schiffs­führer mit Russland-Ladung keine Naviga­toren an Bord.

Die Gewässer, in denen viele Fähren und inter­na­tio­naler Seeverkehr unterwegs sind, ist geprägt von Sandbänken, Strömungen und sehr ungleichen Wasser­tiefen. Deshalb empfehlen die UN-Schiff­fahrts­be­hörde IMO und alle Weltver­bände die Hilfe Ortskun­diger. Dies wird in der Regel befolgt – nur von Russland nicht.

„Ihr Flug ist gecancelt!“

Deutsche Pünkt­lichkeit? Nicht auf einem einzigen deutschen Flughafen (außer Düsseldorf)! Und auch unsere Airlines bummeln im Europa­ver­gleich hinterher. Das zeigt eine Unter­su­chung des Verbrau­cher­portals Fligh­tright über den Sommer 2024. Danach verbucht der Luftverkehr in der Bundes­re­publik besonders viele Verspä­tungen und Stornierungen.

Am zuver­läs­sigsten ist Oslo, gefolgt von Paris Orly und Warschau. Frank­reich verbucht sogar trotz deutlich höheren Flugauf­kommens wegen der Olympi­schen Spiele nur etwa halb so viele Absagen wie Deutschland. Bei den Airlines fallen die Töchter der deutschen Lufthansa Group negativ auf – zu viele Ausfälle durch zu wenig Personal. aerointernational.de-flughaefen aerointernational.de-airlines

Europa Woche 2024/37

IS-Terror in Europa:

Sicher­heits­experten sehen Europa vor einer neuen Gewalt­welle der weltweit aktiven Terror­or­ga­ni­sation Islami­scher Staat (IS, ehemals Al-Kaida). Nach militä­ri­schen Rückschlägen durch Erfolge einer inter­na­tio­nalen Militär­ko­alition mussten sie sich zurück­ziehen. Nun konnten sich die religiösen Eiferer in Afgha­nistan wieder aufstellen. Zusätzlich haben sie eine neue Taktik ausgearbeitet.

Foto: pbe.de

Die Terro­risten rekru­tieren sich den Erkennt­nissen zufolge aus ehema­ligen Taliban-Kämpfern. Sie betreiben eigene Newsletter und Zeitschriften, sind in sozialen Medien aktiv, haben enge Kontakte zu Radio- und TV-Sendern in vielen Sprachen.

Diverse Anschläge zeigen, dass solche Extre­misten zu ausge­klü­gelten und wirksamen Anschlägen fähig sind. Sie können einzelne Messer­an­g­reifer rekru­tieren. Es geht gegen „Ungläubige“ wie Christen und Juden. n‑tv.de/politik

Der Dschi­ha­dismus ist wieder die größte Terror­gefahr Westeu­ropas. – Terror­ex­perte Peter R. Neumann (London) sieht den IS als berappelt an

Europawoche 2024/35

11,5 Milli­arden Euro

Das ist der gesamte Schätz­schaden, der sich laut Europäi­schen Staats­an­walt­schaft (EPPO) im Jahre 2023 durch ihre Ermitt­lungen ergeben hat. Dabei geht es um grenz­über­schrei­tenden Mehrwertsteuerbetrug. 

Die organi­sierte Krimi­na­lität betrachtet solche Straf­taten zum Abgreifen von EU-Geldern als „sauberen Bereich“. Sie ist hoch im Profit und gering im Risiko. Außerdem gibt es keine offen­sicht­lichen Opfer, die solche Verbrechen anzeigen. 

Laut EPPO ist diese Krimi­na­lität kaum national aufzu­decken. Die Täter verfügen über nahezu unbegrenzte Mittel, um an Grenzen und demokra­ti­schen Insti­tu­tionen vorbei zu handeln.

Unsere Strategie sollte darin bestehen, die finan­zielle Leistungs­fä­higkeit der schwer­wie­genden organi­sierten Krimi­na­lität zu schwächen. Wir sind hier, um zu helfen. – EU-General­staats­an­wältin Laura Kövesi

Europa Woche 2024/37

Einseitigkeit bei „Tante BBC“?

Eine der weltweit anerkann­testen Medien­or­ga­ni­sa­tionen steht wegen mutmaß­licher Einsei­tigkeit im Gaza-Konflikt unter Beschuss. Es ist die öffentlich-recht­liche British Broad­casting Corpo­ration (BBC). Der 102 Jahre alte Londoner Rundfunk­sender soll laut Sunday Times gegen eigene redak­tio­nelle Richt­linien verstoßen haben. Dies geschah bei Berichten über den Krieg zwischen Israel und der Hamas. Und zwar in etwa 1.500 Fällen. Das zeige ein Team von etwa 20 Anwälten und 20 Datenwissenschaftlern.

Die weltweit ausstrah­lende BBC habe den Terro­rismus der Hamas herun­ter­ge­spielt und Israel einseitig darge­stellt. „Die Ergeb­nisse zeigen ein zutiefst beunru­hi­gendes Muster von Vorein­ge­nom­menheit“, heißt es in dem Bericht, der auch einzelne Reporter benennt. Die BBC will die Anschul­di­gungen „sorgfältig prüfen“. jpost.com telegraph.co.uk

Europawoche 2024/35

Wellensittich gewinnt Europameisterschaft: 

Der schönste Vogel Europas hat ein gelbes Köpfchen und leuchtend grünes Gefieder. Deutsches Wellen­sit­tich­weibchen gewinnt Europa­meis­ter­schaft der Vogel­züchter: schwaebische.de

Europa Woche 2024/37


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