(Europäische Union) – Mein aktueller Rückblick auf die Europa-Woche 2024/47: Was hat die öffent­lichen Diskus­sionen und politi­schen Initia­tiven in Europa angetrieben? Was beschäf­tigte die Europäische Union, das Europäische Parlament und die EU-Kommission? Hier meine Nachrichtenauswahl:

  • Inter­na­tio­naler Haftbefehl gegen Netanjahu – kann Europa ihn noch empfangen? Scrolle weiter ⤵️.
  • Putin-Plauderei von Olaf Scholz – hat der Kanzler einen Fehler begangen? Details: Unten ⤵️.
  • Kriegszone Ostsee – wer kappte die Unter­see­kabel für Kommu­ni­kation? Siehe unten ⤵️.

Das alles und noch viel mehr: von WOLF ACHIM WIEGAND (Titel: KI)

Rückblick Europa Woche 2024/47

Netanjahu-Haftbefehl spaltet Geister:

Benjamin Netanjahu und US-Präsident Joe Biden im November 2023 / Foto: White House

Der Haftbefehl des Weltstraf­ge­richtshofs IStGH gegen Israels Regie­rungschef Benjamin Netanjahu und Ex-Vertei­di­gungs­mi­nister Yoav Gallant hat in Europa Zustimmung, Kritik und verhaltene Reaktionen ausgelöst. Der nieder­län­dische Außen­mi­nister Caspar Veldkamp erklärte sich bereit, den Beschluss umzusetzen, falls einer der Gesuchten ins Land käme. Der EU-Außen­be­auf­tragte Josep Borrell nannte die Vorladung eine verbind­liche juris­tische Angele­genheit, die respek­tiert werden müsse. 

In Frank­reich wollte das Außen­mi­nis­terium nicht sagen, ob Netanjahu verhaftet würde. Deutschland ist als gleich­zei­tiger Haupt­un­ter­stützer sowohl des Gerichts­hofes als auch Israels im Dilemma. Außen­mi­nis­terin Baerbock schwamm bei einem Interview mit BILD (siehe Link). welt.de twitter.com/ronzheimer (Baerbock)

Israel auf eine Stufe mit der Hamas zu stellen, grenzt an Unver­fro­renheit und vollkommen verfehltes Amtsver­ständnis eines inter­na­tio­nalen Straf­ge­richtshofs – Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden

Was bedeuten die Haftbe­fehle? Hier klicken für Hintergrund.


Putin-Plauderei im Kreuzfeuer: 

Das ergeb­nislos geführte Telefonat von Bundes­kanzler Olaf Scholz mit dem russi­schen Diktator Wladimir Putin hat viel inter­na­tionale Kritik ausgelöst. Scholz habe nicht wieder gut zu machendes Unheil angerichtet, erklärte Präsident Wolodymyr Selenskyj erbost. Gegen den Kreml helfe nur „eiserne Isolation“. Scholz hatte den Kreml ohne Einwil­ligung der Ukraine angerufen.

Die Skepsis unter­stützte der britische Ex-Premier und Ukraine-Förderer Boris Johnson. „Selenskyj hat vollkommen recht – das ist ein schänd­licher Verrat an der Realität.“ Indiens Zeitung Hindustan Times fragte besorgt: „Verlässt eine weitere NATO-Nation Selenskyj?“ (offenbar in Erwartung einer US-Abkehr). zeit.de focus.de

Niemand wird Putin mit Telefon­an­rufen aufhalten – Polens Premier Donald Tusk schüttelt den Kopf über Bundes­kanzler Olaf Scholz

Bundes­kanzler Olaf Scholz beim Telefo­nieren / Foto: Foto: Bundes­re­gierung, Marvin Ibo Güngör

Kappte Russen-Käpt’n die Kabel? 

Mit Hochdruck ermitteln schwe­dische Krimi­na­listen, wie in der Ostsee zwei wichtige unter­see­ische Kommu­ni­ka­ti­ons­kabel durch­trennt wurden und wer dafür verant­wortlich ist. Unter Haupt­ver­dacht steht das chine­sische Fracht­schiff „Yi Peng 3“. Inoffi­ziell verlautet, der Kapitän sei ein Russe. Er soll – so der Verdacht – absichtlich den Anker herab­ge­lassen und so die Daten­kabel zerstört haben. 

EU-Behörden hatten auf Bewegungs­radars auffällige Bewegungen des Bulkcar­riers an den Kabeln zum Zeitpunkt ihres Brechens festge­stellt. Das 225 Meter lange Schiff wurde am Mittwoch in der Meerenge Kattegat festge­setzt. Dänische Marine­schiffe überwachten es. Schon vor einem Jahr hatte ein China-Frachter ebenfalls Daten­kabel und eine Gaspipeline. tagesschau.de + Mein aktueller Lagereport: “Kriegs­gebiet Ostsee” ab 17:00

Russland fühlt sich durch unsere bishe­rigen schwachen Antworten und Reaktionen einge­laden, weiter zu eskalieren – CDU-Außen­po­li­tiker Roderich Kiese­wetter sieht in der Ostsee eine Flaute bei Anti-Putin-Maßnahmen


Rückblick Europa Woche 2024/47

Rückblick Europa Woche 2024/47

Jobs fort bei Ford: 

Foto: Ford

Der Autokonzern Ford will europaweit rund 4000 Stellen bis Ende 2027 abbauen. Der Standort Köln wird laut Firmen­leitung am härtesten getroffen – rund 2900 Arbeits­plätze stehen auf der Streich­liste. In Großbri­tannien sollen 800 Jobs verlo­ren­gehen. Die Werke in Spanien (Valencia) und Rumänien (Kraiova) kommen mit je 300 Personen relativ glimpflich davon. 

Ford begründet die Entscheidung mit den Verlusten im Pkw-Geschäft und der schwie­rigen Trans­for­mation zur E‑Mobilität. Das Unter­nehmen in Köln erziele aktuell keine Gewinne. Die Konzern­leitung ruft die Politik dazu auf, mehr Mittel für Fördern und Inves­tieren freizu­stellen und die Klima­ziele zu flexi­bi­li­sieren. ksta.de


Krisen, Sanktionen, Freigaben: 

Die EU sanktio­niert jetzt die Staats­ree­derei des Iran. Sie sanktio­niert auch zwei Häfen am Kaspi­schen Meer. Der Grund ist die Unter­stützung des russi­schen Angriffs­krieges gegen die Ukraine. Das hat die EU-Kommission mitge­teilt. Die EU-Außen­mi­nister haben zeitgleich bei ihrem Gipfel in Brüssel größere Sanktionen gegen China disku­tiert. Grund: Erkennt­nisse über eine russische Drohnen­fabrik in China.

Aus der Website der Europäi­schen Kommission

Gescheitert ist der schei­dende EU-Chefdi­plomat Josep Borrell mit dem Versuch, Israel aus dem politi­schen Dialog mit der Europäi­schen Union auszu­schließen. Mehrere Außen­mi­nister hatten wie Annalena Baerbock die Isolierung Israels abgelehnt. welt.de (Schiff­fahrt) faz.net (Drohnen­fabrik) faz.net (Israel)

Wir brauchen eine Strategie der Stärke. Dann würden Anrufe tatsächlich Sinn ergeben – Gabrielius Lands­bergis, der Außen­mi­nister Litauens, ist immer noch erbost über den Scholz­schen Telefon­plausch mit Putin


Russland-Flotte leidet:

Die westlichen Sanktionen gegen russische Öltanker wirken sich offen­sichtlich in erheb­lichem Maße auf die Wirtschaft des Landes aus. Das geht aus eigenen Angaben von Russlands führender Tanker­gruppe Sovcomflot hervor. Danach verzeichnet das Staats­un­ter­nehmen seit Jahres­beginn einen Rückgang der Umsätze um 22,2 % auf 1,22 Milli­arden Dollar. Zudem gibt es einen Einbruch des Gewinns vor Abzügen (EBITDA) um 31,5 % auf 861 Millionen Dollar.

CEO Igor Tonko­widow warnt, die Sanktionen und Markt­ver­än­de­rungen könnten die Einnahmen weiter belasten. Die Sanktionen gegen Sowcomflot und seine 143 Schiffe sollen russische Ölerlöse mindern, um die Finan­zierung des Ukraine-Kriegs zu stören. gcaptain.com


Rückblick Europa Woche 2024/47

Raketen­test­gebiet Ukraine: 

Collage: @JulianRoepcke, X

Einen Tag lang rätselte die Welt. Man fragte sich: Hat Präsident Wladimir Putins Militär als erstes in der Weltge­schichte eine Inter­kon­ti­nen­tal­rakete auf ein anderes Land abgefeuert? Am Abend war klar: Die bislang nie gesehenen Trümmer­teile, die nach dem Einschlag in der ukrai­ni­schen Millio­nen­stadt Dnipro aufge­sammelt wurden, gehörten „nur“ zu einem neuen weitrei­chenden Raketentyp.

Experten vermuten, der Kreml habe das Geschoss zynischer Weise am zuvor noch lebenden Objekt testen wollen. Zugleich sollten sie wohl den Westen warnen, dass Russland auch entfernte NATO-Gebiete mit Atomköpfen treffen könnte. Diesen „Hinweis“ sollte wohl auch eine Hyper­schall­rakete vom Typ „Kinschal“ gegen Dnipro­pe­trowsk aussenden. Die schwersten Angriffe auf Zivilisten seit Langem zerstörten Infra­struktur, Wohnge­biete und Energie­systeme. Es gab Tote und Verletzte. t‑online.de

Der vom Westen provo­zierte Regio­nal­kon­flikt in der Ukraine hat Elemente globalen Charakters angenommen – So lautet Putins alter­native Wahrheit über den selbst befoh­lenen Angriffskrieg


Europäische Raketen treffen Russland: 

Die Ukraine hat gestern erstmals weitrei­chende Geschosse aus europäi­scher Produktion auf das Terri­torium des Angreifers Russland abgefeuert. Nach unbestä­tigten Angaben der Zeitung „The Telegraph“ schlugen britische Storm Shadow-Raketen in der Region Kursk ein. Bisher durften die von Großbri­tannien und Frank­reich produ­zierten Marsch­flug­körper nicht auf russi­schem Boden einge­setzt werden. 

Der Weg für die Storm Shadows ist frei. US-Präsident Joe Biden hatte der Ukraine die Verwendung von US-Langstre­cken­ra­keten wie ATACMS erlaubt. Dennoch hält Bundes­kanzler Olaf Scholz das vergleichbare deutsche Modell Taurus weiter zurück. Russland-Präsident Wladimir Putin droht unter­dessen mit Einsatz takti­scher Atomwaffen. telegraph.co.uk www.zdf.de


Finnland, Schweden kriegsbereit:

Kurzvideo auf Englisch erläutert Schwedens Kriegs­vor­be­rei­tungen – klicke aufs Bild

Mit Kampagnen sensi­bi­li­sieren die Regie­rungen in Stockholm und Helsinki ihre Bevöl­ke­rungen für einen möglichen Krieg. Die schwe­dische Zivil­schutz­be­hörde versendet fünf Millionen Broschüren. Das 32-seitige Heft mit dem Titel „Om krisen eller kriget kommer“ enthält Tipps darüber, wie man sich auf Krieg auch im Atomfall, sowie auf Natur­ka­ta­strophen oder Cyber­an­griffe vorbe­reiten kann. Die Sicher­heitslage sei „ernst“, sagt Zivil­schutz­di­rektor Mikael Frisell. 

Im cyber­af­finen Finnland ist eine spezielle Inter­net­seite online gegangen, die ähnliche Infor­ma­tionen enthält. Unser Nachbarland Dänemark hat kürzlich E‑Mails mit Anlei­tungen für ein Überleben an den ersten drei Tagen nach Kriegs­beginn versendet. t‑online.de watson.ch

Rückblick Europa Woche 2024/47

Europawoche 2024/35

37 %

So hoch war im Jahr 2023 der Anteil der europäi­schen Landfläche, der von Natura-2000-Schutz­ge­bieten abgedeckt wurde. Das ist das weltweit größte Netz von Schutz­ge­bieten. Es zielt darauf ab, die wertvollsten und bedroh­testen Arten und Lebens­räume in Europa zu bewahren. Dieses Umwelt­projekt ist weitgehend unbekannt. 🌿

Rückblick Europa Woche 2024/47

Europawoche 2024/35

Fun Fact: Europas kürzester Ortsname… 

… ist „Y“. Das Dorf liegt im Dépar­tement Somme, Nordfrank­reich. Der Name kommt von einer Y‑förmigen Straßen­biegung. 89 Einwohner. wikipedia.org

Rückblick Europa Woche 2024/47

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