(Europäische Union) – Was hat die Macher in der EU und die Europa-Beobachter vergangene Woche umgetrieben?
Europa: Themen der Woche
- Nichts war wichtiger als die Wiederwahl von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Siehe unten.
- Die Europäische Union blickt nach Milwaukee, USA, zum Nominierungsparteitag für Donald Trump. Details siehe unten.
- US-Milliardär Elon Musk hat keine Lust, die EU-Regeln für seine Plattform 𝕏 zu akzeptieren. Scrolle runter.
Das alles und noch viel mehr: von WOLF ACHIM WIEGAND

Leyen legt los:
Nach der Wiederwahl der deutschen Christdemokratin Ursula von der Leyen als Präsidentin der EU-Kommission hat sich die deutsche Christdemokratin sofort in Arbeit gestürzt. Sie stellt jetzt ihr 26köpfiges Team für das Kommissionskollegium zusammen. Dafür bat sie jede EU-Mitgliedsregierung um je zwei Vorschläge – einen Mann und eine Frau.

Zuvor hatte das Europäische Parlament die 65-jährige deutlicher als erwartet mit 401:284:15 erneut gewählt (Neinsager: auch die FDP). In ihrer Bewerbungsrede hatte von der Leyen stärkere Kontrolle sozialer Medien, neue Wege für die Verkehrs- und Klimapolitik, Verteidigungsprojekte für die Europäische Union, sowie Grenzstärkung und Wohnungsbauprojekte angekündigt. Die Kontinuität im Brüsseler Machtzentrum hat in den EU-Hauptstädten überwiegend Erleichterung ausgelöst. focus.de commission.europa.eu (“Regierungsprogramm“)

Kein Kreml-Kichern, uff!
„Et hätt noch emmer joot jejange.“ So lautet das Kölsche Grundgesetz. Auch für die Wiederwahl Ursula von der Leyens gilt: „Es ist bisher noch immer gut gegangen“ – mancher Brüsselspotter hatte das anders erwartet. Nun ist von der Leyen mächtiger denn je – und das, obwohl ihr Einzelne im eigenen Lager die Gefolgschaft verweigert hatten, darunter die fünf FDP-Abgeordneten. Diese Neins zur forschen Christdemokratin hatten gute politische und persönliche Gründe.
Dennoch: Ich finde es peinlich, dass Leihstimmen von den Grünen die inoffizielle EU-Koalition davor bewahren mussten, dass der Kreml kräftig kicherte. Aber Strich drunter. Nun gilt es, die ambitionierte Dame am Revers zu packen und in Richtung kluger Entscheidungen zu ziehen. Herkulesarbeiten liegen vor ihr. Die Europäische Union muss gerade in Krisenzeiten stark sein – es wird schon gut gehen!

EU-Zittern vor Trump-Vize:
Der Krönungsparteitag der US-Republikaner für Donald Trump hat in Europa ernste Sorgen ausgelöst. Besondere Kritik findet die Entscheidung des US-Erneutpräsidentschaftskandidaten, mit JD Vance einen der am weitesten rechts stehenden Politiker zum Vize zu machen. Das Newsportal Politico zitiert „einen hochrangigen EU-Beamten“: Vance sei eine “Katastrophe” für die Europäische Union. So stemme sich der 39-jährige Senator aus Ohio vehement gegen weitere Gelder an die Ukraine.
Weiteres Problem: Die protektionistische Haltung; sie könne den Handel zwischen der EU und den USA beschädigen. Außerdem fürchten EU-Politiker, das Gespann Trump und Vance könnte Europa zwingen, die harte US-Haltung gegenüber China zu übernehmen. Russland begrüßt die Nominierung. politico.eu nzz.ch (Russland)
Briten rudern nach Europa:

Die Brexit-Insel Großbritannien will wieder enger an Festland-Europa rücken. Das hat der neue Premierminister Keir Starmer zwei Wochen nach seinem Amtsantritt auf dem historischen Anwesen Blenheim Palace beim ersten internationalen Auftritt angekündigt. Am Sitz der Familie Churchill (seit 1704) trafen sich fast 50 europäische Staats- und Regierungschefs zum Gipfeltreffen der Europäischen Politischen Gemeinschaft (EPG), der alle Staaten des Kontinents von Armenien bis Zypern angehören. Starmer schlug der Europäischen Union einen weitreichenden Sicherheitspakt vor.
Außer um schöne Worte ging es um knallharte Krisenrealität wie den Angriffskrieg gegen die Ukraine. Bundeskanzler Olaf Scholz kündigte Aktionen gegen die russische „Schattenflotte“ in Ost- und Nordsee an. Präsident Wolodymyr Selenskyj verwahrte sich gegen „Friedensgespräche” hinter dem Rücken der Ukraine – ein Seitenhieb gegen den gleichfalls anwesenden Ungarn Viktor Orbán. rnd.de
Schocks und Schuldzuweisungen:

Der versuchte Mord an US-Präsidentschaftsaspirant Donald Trump hat in allen 27 EU-Ländern von Albanien bis Zypern Bestürzung ausgelöst. Ähnlich wie Österreichs Bundeskanzler Karl Nehammer erklärten Regierungschefs: „Politische Gewalt hat keinen Platz in unserer Gesellschaft!“ Die estnische Premierministerin und designierte EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas postete, sie sei schockiert. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wünschte Trump eine “schnelle Genesung”, das Attentat sei “eine Tragödie für unsere Demokratien.“
Ungarns Premier Viktor Orbán sagte, seine “Gedanken und Gebete” seien “in diesen dunklen Stunden” bei Trump, den er gerade noch getroffen hatte. Nur zwei Männer äußerten Anderes: Der niederländische Rechtspopulist Geerd Wilders sah die Tat als Folge der „Hass-Rhetorik vieler linker Politiker und Medien“. Der kürzlich selbst fast erschossene slowakische Linkspopulist Robert Fico schrieb auf Facebook: “Trumps politische Gegner versuchen, ihn auszuschalten… bis ein armer Kerl zu den Waffen greift.” euronews.com

Mit seinem ganzen Herzen ist Deutschland bei dem Gedanken eines Vereinten Europas. Mehr als jedes andere Land Offenbar muss Europa immer erst in den Zustand äußerster Gefahr geraten, ehe es sich entschließt, das zu tun, was notwendig ist, um am Leben zu bleiben. - Chirurg, Schriftsteller (Deutschland, 1897 – 1975)

TikTok ist ein Looser:
Eine Klage des chinesischen TikTok-Mutterkonzerns ByteDance gegen die Europäische Union ist vom Europäischen Gerichtshof abgewiesen worden. Die Kommission als oberste EU-Behörde habe der Social-Media-Plattform zu Recht scharfe Regeln zur Begrenzung der Marktmacht auferlegt, so die Richter.
ByteDance hatte das formale Argument vorgebracht, das täglich weltweit milliardenfach genutzte TikTok mache nicht genug Umsatz in Europa, um unter die EU-Regulierung zu fallen. Die Richter bescheinigten dem Konzern aus Peking das Gegenteil und meinten, er könne nicht entkräften, dass er erheblichen Einfluss auf den EU-Binnenmarkt habe. msn.com/de curia.europa.eu
Musk flext Muskeln:
US-Milliardär Elon Musik liegt in offenem Streit mit der Europäischen Kommission. Wettbewerbs-Kommissarin Margrete Vestager hatte ihm mit einer Geldbuße in Höhe von sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes gedroht, falls seine internationale SocialMedia-Plattform X (vormals Twitter) nicht die EU-Transparenzregeln erfülle. Die Dänin:
X führt die Nutzer in die Irre
Außerdem enthalte X keinen stimmigen Quellcode-Speicher und blockiere den Datenzugang für Überprüfungen. Und schließlich: Die käuflichen „blauen Häkchen“ wirkten wie verifizierte Konten, obwohl sie in Realität für böswillig getarnte Akteure offen seien. Daraufhin postete Musk empört, die Kommission habe X „einen illegalen Geheimdeal“ angeboten: Andere Plattformen hätten das angenommen – „𝕏 tat es nicht.“ europa.eu (EU) news.bitcoin.com
X hat das Recht zur Verteidigung – aber wenn unsere Ansicht bestätigt wird, werden wir Geldbußen verhängen und bedeutende Änderungen fordern. – Thierry Breton, EU-Binnenmarktkommissar, verweist Elon Musk in die Schranken
Kleckerei bei Wasserstoff:

Der hoch gehypte Wasserstoff ist gesamteuropäisch gesehen noch keine Erfolgsgeschichte. Laut EU-Rechnungshof sind die für 2030 angepeilten Mengen an grünem Treibstoff “zu ehrgeizig”. Der klimafreundliche Energieträger der Zukunft werde nämlich trotz aller öffentlichen Bekundungen viel zu wenig produziert.
Die Probleme entlang der gesamten Wertschöpfungskette und die übersteigerten Erwartungshaltungen seien die Folge unsolider Analysen und durchgedrückten politischen Willens, kritisiert der Rechnungshof. Die EU-Kommission hat den Schuss gehört: In Brüssel heißt es, die oberste EU-Behörde werde bei den Zielen für CO₂-freien Stoff „nachbessern“. tagesschau.de

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Soviel Kilogramm Plastikabfälle erzeugt pro Jahr jede Person in der Europäischen Union, Tendenz: steigend. Das Gesamtaufkommen an Kunststoffabfällen in der EU beläuft sich jährlich auf über 16 Millionen Tonnen. Fast sieben Millionen Tonnen gehen zur Wiederverwertung ins Recycling.

Invasion der Fremdlinge:

So süß sie aussehen – flauschige Waschbären gehören nicht hierher. Rund 13.000 nicht heimische (invasive) Arten leben in Europa, so die spanische Universität Girona. Studien: Das wächst sich zur „ernsthaften Bedrohung“ für eingeborene Tierarten aus. Besonders schädlich sind auch die Wanderratte, der rote Sumpfkrebs, die Tigermücke und die Varroamilbe. theconversation.com
Hinweis: Das Titelbild (ganz oben) und die meisten Fotos sind mit KI kreiert worden.
Was denkt ihr zu alledem, was sich in und um Europa herum derzeit so tut? Schreibt es hier unten in den Kommentar. Dankeschön!
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