Europa-Themen der Woche

 aktuell Europas

(Europäische Union) – Was hat die Macher und Beobachter Europas vergangene Woche an- und umgetrieben?

  • Sein Name wirkt wie Donnerhall: Donald Trump. Warum starrt Europa ihn so an, wie das Kaninchen die Schlange? Mein Kommentar siehe unten.
  • Nicht überall ist eine neue Virus­schutz-Masken­pflicht ein großes Tabu. Scrolle runter.
  • Bomben nutzen der Schiff­fahrt? Naja, nur indirekt… Siehe ganz unten.

Das alles und noch viel mehr: von WOLF ACHIM WIEGAND

Europas Politik

Es scheint, als wollten es die politisch Verant­wort­lichen nicht wahrhaben. Nicht der BiBaBut­zemann steht vor der Tür, sondern Donald Trump der Schreck­liche. Wenn der neue republi­ka­nische Shooting Star Nikki Haley nicht noch ein Wunder bewirkt, wird der Ex-Präsident alle Aussichten haben, ein zweites Mal die USA zu führen. Und das muss uns fürchten. Warum? 

Wie ein Donner­schlag hat ein Bericht des franzö­si­schen EU-Kommissars für Indus­trie­po­litik und Vertei­digung, Thierry Breton, einge­schlagen. Er will mitgehört haben, als der damals amtie­rende Staatschef 2020 offen ankün­digte, die Europäische Union im Falle eines Angriffs nicht zu vertei­digen. Auch bei aktuellen Wahlkampf­auf­tritten tönt Trump, sein Engagement für das NATO-Bündnis werde davon abhängen, wie die Europäer die USA behan­delten. Das ist – milde ausge­drückt – Erpressung. 

Dennoch herrscht in Europas Regie­rungs­zen­tralen merkwürdige Stille. Ausge­feilte Pläne, wie Europa in Zeiten von Kriegen und Krisen seine freiheit­lichen Wert gegen den brutalen Nachbarn Russland (und andere) vertei­digen will, tauchen nirgendwo auf. Ich bin aber nicht bereit, unseren blühenden, vielsei­tigen und reichlich geschichts­träch­tigen Kontinent von einem grauen, grausamen und gefrä­ßigen Diktator überrennen zu lassen. Also avanti, ihr EU-Präsi­denten, ‑Regie­rungs­chefs, ‑Minister und ‑Politiker – zeigt dem Trump nicht nur den Hintern, sondern auch die Stirn, indem ihr einen Europa-Vertei­di­gungsplan ohne NATO aus dem Boden stampft!

Zitat Foto Europas europäische Union EU  Europäer Euro

Trump schreckt Europäer auf: 

„Übrigens, die Nato ist tot, und wir werden gehen, wir werden die NATO verlassen“

So soll Trump den Europäern gedroht haben

Italien will Europäische Armee:

Neuen Schwung in die Diskus­sionen um die Gründung einer Europäi­schen Armee unabhängig vom NATO-Bündnis hat der italie­nische Außen­mi­nister Antonio Tajani gebracht. Die EU könne durch so eine Streit­macht eine Rolle bei der Friedens­si­cherung und Konflikt­ver­hütung spielen, meinte der konser­vative Politiker in einem Interview. Das Projekt sei eine Priorität für die von ihm geführte Partei Forza Italia. Auch in Deutschland – etwa in der FDP und bei den Grünen – gibt es dafür Sympa­thien. reuters.com

“Wenn wir Friedens­wächter in der Welt sein wollen, brauchen wir ein europäi­sches Militär. Das ist eine grund­le­gende Voraus­setzung für eine wirksame europäische Außenpolitik”

Italiens Außen­mi­nister Tajani will unabhän­giger von USA und NATO werden

EU-Diskussionen über Maskenpflicht:

In einigen Länder Europas wird über eine Neuauflage der Pflicht zum Masken­tragen als Abwehr von Virus­in­fek­tionen nachge­dacht. Als erstes Land nach der Corona-Krise handelt Spanien nach einem sehr hohen Anstieg an Atemwegs­in­fek­tionen. Dort wird die Maske in Gesund­heits­ein­rich­tungen zur Pflicht. Für Bus, Bahn und beim Einkaufen gilt eine Trageempfehlung. 

Gesund­heits­mi­nis­terin Mónica García (Linke) will damit Risiko­gruppen wie Klein­kinder, ältere Menschen und Gesund­heits­per­sonal schützen. Masken­pflicht ist vor allem in Südeuropa ein Thema. focus.de/gesundheit

Europas Gesellschaft

Fehlgeleiteter Bauernzorn?

farmers working on plantation with greens

Die Wut der deutschen Bauern müsste sich eigentlich gegen die EU und nicht gegen Berlin richten, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Denn für viele Landwirte sei gar nicht der Subven­ti­ons­abbau beim Diesel das „Feindbild“, sondern europäische Regulie­rungen und Bürokratie.

Das, was die EU tue, um Biodi­ver­sität zu fördern, die Klima­ka­ta­strophe zu bremsen und natür­liche Existenz­grund­lagen zu erhalten, werde bei Agrariern als „Zwang zur Ökolo­gi­sierung der Landwirt­schaft“ empfunden. Deshalb müssten die Traktoren im Grunde die belgische Haupt­stadt lahmlegen. sueddeutsche.de

“Brüssel wird nicht verschont bleiben von der Bauernwut”

Das prophezeit SZ-Autor Josef Kelnberger
Europas Wirtschaft

Sorge um Chipindustrie:

Europa gerät bei der Herstellung von Halbleitern immer mehr ins Hinter­treffen. Laut Auswertung von Spezia­listen schieben sich im Weltmaßstab vor allem die USA immer weiter vor die europäi­schen Chipfa­briken. Besserung ist nicht in Sicht: Europa werde bis 2030 weiter zurück­fallen, heißt es. Der von Subven­tionen angefachte Chip-Bauboom in den USA gefährdet das offizielle EU-Ziel, bis zum Ende Jahrzehnts ein Fünftel der Weltpro­duktion zu erreichen. Halbleiter sind die Basis der modernen Indus­trie­ge­sell­schaft. handelsblatt.com

Schifffahrtskrise hilft Reedereien:

Der Beschuss von Schiffen im Roten Meer durch propa­läs­ti­nen­sische Terro­risten zwingt Reede­reien, zwischen Asien und Europa nicht den kürzesten Weg durch den Suezkanal zu wählen, sondern die viel längere Strecke rund um Südafrika. Die Contai­ner­linien profi­tieren davon: Angesichts saftiger Fracht­ra­ten­auf­schläge – um bis 500 Prozent! – explo­dieren ihre Aktien­kurse. Der Shanghai Container Freight Index (SCFI) als weltweit wichtigster Branchen­in­di­kator kletterte innerhalb von vier Wochen um 74 Prozent. 

Das passt Großree­de­reien wie Hapag-Lloyd (Hamburg), Maersk (Kopen­hagen), MSC (Genf) oder CMA CGM (Marseille) durchaus, da sie zuletzt der stagnie­rende Welthandel beutelte. Doch Analysten warnen vor einem Stroh­feuer. nzz.ch/wirtschaft (Lage) finanztrends.de (Börse) politico.eu (Abwehr)

Kein Dampf mehr: TV-Köchin Sarah Wiener

Die öster­rei­chische Grünen-Politi­kerin Sarah Wiener wird bei der Wahl zum nächsten EU-Parlament nicht erneut antreten. Sie steigt auch aus ihrem bäuer­lichen Bio-Betrieb in Brandenburg aus. Sie wolle neue Wege beschreiten, so teilte sie mit.

Wiener hatte in den vergan­genen Jahren im EU-Parlament für eine zukunfts­fähige Landwirt­schaft und das Recht auf eine gesunde und selbst bestimmte Ernährung für alle gekämpft. Ihr großes Projekt zum nachhal­tigen Pflan­zen­schutz schei­terte aller­dings im Plenum. t‑online.de

Blitzaufstieg:

Der Ex-Partner des neuen franzö­si­schen Premier­mi­nisters Gabriel Attal (34), Stéphane Séjourné, ist von Präsident Emmanuel Macron über Nacht zum neuen Außen­mi­nister ernannt worden. Der 38jährige war bisher Vorsit­zender von Renew, der liberalen Fraktion im Europäi­schen Parlament.

Séjourné will seine ersten Auslands­reisen nach Berlin und Warschau antreten. Er stehe für eine Wieder­be­lebung des sogenannten „Weimarer Dreiecks“, ließ er wissen. Ansonsten wolle er ein “unabhän­giges Frank­reich in einem starken Europa.“ 

Macrons Partei Renais­sance muss nun fünf Monate vor der Europawahl einen neuen Spitzen­kan­di­daten suchen und die Liberalen eine neue Person für Brüssel. t‑online.de

Europa Das Letzte

Massengeldvernichtungsaktion

Frank­reich hat 27 Millionen EURO-Münzen einge­schmolzen und neu geprägt, nachdem es versäumt hatte, die EU um eine Geneh­migung für das Design zu bitten… Es wurde amtlich festge­stellt, dass die Art und Weise, wie die Sterne der EU-Flagge darge­stellt wurden, nicht konform waren…

Nach EU-Recht können die Länder das Design der “natio­nalen” Seite der Euro-Münzen alle 15 Jahre ändern. Aber sie brauchen dazu grünes Licht von der Kommission und den anderen Regie­rungen der Eurozone bekommen. Die können Einwände erheben. politico.eu

a close up of burning coins


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