Wahler­gebnis-Splitter: Überblick von Wolf Achim Wiegand / siehe auch KOMMENTAR

EU-Parlament bleibt stabil: 

Nachdem in der Nacht zum Montag noch Katzen­jammer über den Ausgang der Europawahl 2024 angestimmt worden war, zeigte sich bei Tages­licht weniger Dramatik über das Wahler­gebnis in den 27 EU-Mitglieds­ländern. Die „bürger­liche Mitte“ aus Christ­de­mo­kraten, Sozial­de­mo­kraten und Liberalen wird – leicht verändert – im EU-Parlament weiter­machen können. Dabei werden die Grünen (in Deutschland minus 8,6 %) nicht mehr gebraucht. tagesschau.de/wahl

Nachbeben bei der aufgestrebten AfD: 

Von den eigenen Leuten abgesetzt: Maximilian Krah, AfD. Foto: DW

Die AfD-Europa­de­le­gation hat den Listen­dritten René Aust zu ihrem Chef gewählt. Trotz Bedenken integrierte sie den Listen­zweiten Petr Bystron – gegen ihn laufen Ermitt­lungen wegen mutmaß­licher Verbin­dungen mit Russland. 

Ein Pauken­schlag: Die Gruppe hat Spitzen­kan­didat Maximilian Krah (Foto) frakti­onslos vor die Tür gesetzt – damit sind es statt 15 nur noch 14 offizielle AfD-Abgeordnete. Krah muss nun ohne Frakti­ons­pri­vi­legien selbst zusehen, wie er zurecht­kommt. tagesschau.de/europawahl/koepfe

Frankreich startet Neuwahlen:

Nach seiner demüti­genden Niederlage nach Wahler­gebnis-Bekanntgabe und der Ausrufung sofor­tiger Neuwahlen hat der franzö­sische Präsident Emmanuel Macron mit dem Wahlkampf gegen die Partei seiner rechts­extremen Heraus­for­derin und trium­phalen Europa­wahl­sie­gerin Marine le Pen begonnen. Termin ist schon in drei Wochen. 

Sollte Macrons liberale Partei am 30. Juni keine Mehrheit bekommen, müsste der Präsident sein bis 2027 reichendes Mandat in einer „Kohabi­tation“ mit Jordan Bardella als Premier­mi­nister verbringen. Das 28-jährige Politik-Wunderkind wäre in Paris jüngster Regie­rungschef aller Zeiten. Bardella hat über 600.000 Follower bei Instagram. nzz.ch/international instagram.com/jordanbardella

Marine Le Pen mit Zögling Jordan Bardella. Foto: DW

Wir sind zur Macht­über­nahme bereit – Marine Le Pen will es wissen

Die Lage in Deutsch­lands größten Nachbarländern

Österreich ist rechtslastig:

Die EU-kritische, AfD-verbundene rechte FPÖ hat erstmals eine bundes­weite Wahl gewonnen. Mit dem Thema Migration legte sie um mehr als acht Prozent zu, während die regie­renden Konser­va­tiven (ÖVP) etwa zehn Prozent einbüßten. Die mitre­gie­renden Grünen verloren laut Wahler­gebnis kräftig. Die liberalen NEOS als Befür­worter Verei­nigter Staaten von Europa konnten ihre Sitzzahl mit über zehn Prozent verdoppeln. tagesschau.de/europawahl/oesterreich

Niederlande ist Wilderslande:

Einziger Sieger unter den vier Parteien der neuen rechts-konser­va­tiven Regierung in Den Haag ist die Freiheits­partei von Rechts­po­pulist Geert Wilders. Alle seine Partner büßten deutlich Stimmen ein. Besser als erwartet schlugen sich Sozial­de­mo­kraten und Links­li­berale. results.elections.europa.eu/de

Skandinavien ist linksgrün:

finland flag photography
Foto von Baptiste Valthier, Pexels.com

Rund um die Ostsee gab es entgegen dem Europa­trend keinen Rechtsruck. Überra­schung in Finnland: Die Links­partei schnellte von 6,9 Prozent auf 17,3 Prozent, die rechts­po­pu­lis­ti­schen Wahren Finnen mit Finanz­mi­nis­terin Riikka Purra stürzten von 20,1 Punkten auf 7,6 Prozent ab. Die natio­na­lis­ti­schen Schwedendemokraten (SD) wurden nur viert­stärkste Kraft, vor ihnen liegen sogar die Grünen. In Dänemark ist unerwartet die links­grüne Socia­listisk Folke­parti auf Platz 1 gekommen, also vor die regie­renden Sozial­de­mo­kraten von Mette Frede­riksen. sueddeutsche.de/politik/finnland

Polen ist weltoffen:

Der EU-freund­liche Regie­rungschef Donald Tusk mit seiner liberal-konser­va­tiven Bürger­ko­alition (KO) wurde wie kaum ein anderer europäi­scher Premier klar bestätigt. Mit gut 37 Prozent rekla­miert er eine EU-Führungs­rolle für sein Land. Aller­dings: Die natio­nal­kon­ser­vative PiS unter Jaroslaw Kaczynski bleibt stark. Die natio­na­lis­tische AfD-nahe Konfe­deracja erzielte mit 12,1 Prozent ihr bestes Ergebnis. vorwaerts.de/international

Tschechien ist regierungskritisch:

Besonders voluminös war die Wahl in Tsche­chien. Jeder Wähler bekam 30 Papiere in die Hand gedrückt. Grund: Für jeder der 30 zugelas­senen Parteien und politi­schen Gruppie­rungen gab es einen eigenen Stimm­zettel. Das Wahler­gebnis zeigte einen Sieg der opposi­tio­nellen Partei ANO des Milli­ardärs Andrej Babiš. die im EU-Parlament zu den Liberalen gehört. Sie bekam 26,1 Prozent. Das liberal-konser­vative Regie­rungs­bündnis brachte es nur auf 22,3 Prozent.

Große Überra­schung: Ein rechts­na­tio­nales Bündnis mit der Autofah­rer­partei Motoristé sobě kam als dritt­stärkste Kraft mit 10,3 Prozent auf zwei EU-Abgeordnete… deutsch.radio.cz


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