Europa: Themen der Woche

(Europäische Union) – Was hat die Macher in der EU und die Beobachter vergangene Europa­woche angefixt und umgetrieben? Was tut sich vor der Europawahl 2024?

  • Oberste EU-Behör­den­chefin im Visier der Staats­an­wälte: Siehe unten.
  • Chinas E‑Billigautos machen Europa echte Probleme. Scrolle runter.
  • Die Mafia ist findig, was neue Techno­logien angeht. Details siehe unten.

Das alles und noch viel mehr: von WOLF ACHIM WIEGAND

Europawahl 2024

Europa-Armee ist populär

Fast 60 Prozent der Deutschen befür­worten eine gemeinsame Armee der EU-Staaten. Das ergibt der aktuelle ARD-Deutsch­land­Trend. Bei der Befragung in der vergan­genen Europa­woche gab es sechs Prozent­punkte mehr für das Fernprojekt, als im Vergleich zum Juni 2023. tagesschau.de

Europas Politik

Von der Leyen im Visier von Ermittlern: 

 Europawoche
Ursula von der Leyen

Die europäische Staats­an­walt­schaft (EPPO) hat Ermitt­lungen gegen EU-Kommis­si­ons­prä­si­dentin Ursula “VdL” von der Leyen aufge­nommen. Die Vorwürfe sind massiv: Korruption, Einmi­schung in öffent­liche Ämter und Inter­es­sen­kon­flikte bei Impfstoffdeals. 

Die EPPO ist eine unabhängige Einrichtung mit der Aufgabe, die finan­zi­ellen Inter­essen der EU zu schützen. Leiterin ist die resolute Korrup­ti­ons­jä­gerin Laura Kövesi aus Rumänien. 

Gegen VdL, die als Spitzen­kan­di­datin der europäi­schen Christ­de­mo­kraten erneut Chefin der EU-Behörden werden will, klagt auch das EU-Parlament – wegen womöglich unberech­tigter Milli­ar­den­aus­zah­lungen an das sanktio­nierte Ungarn. nzz.de

Vorkriegszeit in Europa? 

Düstere Aussichten für Europa hat der polnische Regie­rungschef Donald Tusk über Ostern gezeichnet. Auf dem Kontinent habe längst ein neues Vorkriegs­zeit­alter begonnen, sagte der liberal­kon­ser­vative Politiker. Dabei zog er einen Vergleich mit dem Zweiten Weltkrieg, der seine Heimat 1939 überrascht habe. 

Den Grund für die Düsternis sieht Tusk in dem schon über zwei Jahre andau­ernden Angriffs­krieg Russlands gegen die Ukraine. Inzwi­schen sei „buchstäblich jedes Szenario möglich“. www.fr.de

„Ich weiß, es klingt nieder­schmet­ternd, vor allem für die jüngere Generation, aber wir müssen uns daran gewöhnen, dass eine neue Ära begonnen hat: die Vorkriegszeit“

Polens Minis­ter­prä­sident Donald Tusk erwartet nichts Gutes

Schweizer EU-Freunde kommen aus der Deckung

swiss flag on buildings in narrow alley

Die politisch neutrale Schweiz versucht derzeit ihr schwie­riges Verhältnis zur Europäi­schen Union neu zu ordnen. Unter­händler aus Bern und Brüssel schnüren in geheimen Verhand­lungen ein Vertrags­paket mit Neure­ge­lungen für das beider­seitige Verhältnis. Eine neue proeu­ro­päische Allianz will der Eidge­nos­sen­schaft Dampf machen, um die Schweiz in Richtung europäische Integration zu puschen. Problem: Die relevanten politi­schen Kräfte des eigen­sin­nigen Landes machen dabei nicht mit. nzz.ch

Europawahl 2024

Barley will EU-Armee: 

Die Europa-Spitzen­kan­di­datin der deutschen Sozial­de­mo­kraten, Katarina Barley, hat sich für die Übertragung natio­naler Außen­po­li­tik­fragen auf die EU ausge­sprochen. In einem Interview sagte sie diese Europa­woche, wer einen stärkeren Einfluss Europas auf die Welt fordere, müsse dazu auch die Mittel bereit­stellen. Zugleich setzte sich die früherer Bundes­jus­tiz­mi­nis­terin für mehr Zusam­men­arbeit in der Vertei­digung ein. Dabei bleibe eine europäische Armee „unsere Vision“. Das mache auch wirtschaftlich Sinn, um Militär­be­reiche zu harmo­nieren. www.n‑tv.de

Europawahl 2024

„Die Einigung Europas gleicht dem Versuch, ein Omlett zu backen, ohne Eier zu zerschlagen.“

Paul Lacroix (1806–84), frz. Schriftsteller
Europas Wirtschaft

EU-Problem: E‑Autos aus China 

Die Schwemme preis­güns­tiger Elektro­autos aus der Volks­re­publik China wächst sich nach Befürchtung von Beobachtern immer mehr zur Plage aus. Mindestens 300.000 Autos werden in den nächsten Jahren allein vom Pekinger Markt­führer BYD von Autotrans­portern nach Bremer­haven gebracht werden. Einstiegs­mo­delle sind mit rund 10.000 Euro um die Hälfte günstiger als der erst für 2027 geplante VW-Neuling ID.1.

Die Wettbe­werbs­ver­zerrung ist Folge der chine­si­schen Wirtschafts­pro­bleme: Das Land produ­ziert mehr, als die Menschen kaufen, weshalb die Fabriken E‑Autos mit Staats­hilfe weltweit zu Schleu­der­preisen ins Ausland verfrachten. merkur.de

„Man kann die Importe chine­si­scher E‑Autos eine Erfolgs­ge­schichte nennen. Oder eine Kampfansage.“

Das Nachrich­ten­portal merkur.de neigt der zweiten Meinung zu.

EU-Bauern zittern vor Ukraine: 

rice grain Europawoche

Die Aussicht auf EU-Mitglied­schaft des Agrar­riesen Ukraine stößt bei europäi­schen Landwirten wegen möglicher Konkurrenz auf Skepsis. Die Europäische Kommission wirbt nun darum, auch die Chancen zu sehen. So würde ein Beitritt der Ukraine die Position Europas auf den inter­na­tio­nalen Agrar­märkten verbessern helfen, heißt es in einer Mitteilung der Behörde zum Stand der Erweiterung. 

Zudem verbes­serte sich die Versor­gungs­si­cherheit in der EU, da die Ukraine als Kornkammer Europas rund 400 Millionen Menschen ernähre. Überzeugen tun die Argumente die Skeptiker aber noch nicht ganz. agrarheute.com

Kunsthirne im Einsatz echter Mafia-Hirne:

 Europawoche

Die Mafia ist lernfähig. Das zeigte sich diese Europa­woche in gleich vier EU-Ländern. In Italien, Öster­reich, Rumänien und der Slowakei verhaftete die Polizei auf Ersuchen von EU-Staats­an­wälten mehr als 20 Verdächtige, die sich äußerst trick­reich an Luxusware berei­chert hatten. Die “Beute” der Ordnungs­hüter bei der Großrazzia hatte einen Wert von 600 Millionen Euro in Form von Wohnungen und Villen, Krypto­wäh­rungen, Rolex-Uhren, Gold und Schmuck sowie Autos der Typen Lambor­ghini, Porsche und Audi Q8.

Nach Angaben der Behörden setzte die organi­sierte Verbre­cher­gruppe für ihren Betrug “fortschritt­liche Techno­logien” einschließlich künst­licher Intel­ligenz ein. So erstellten sie falsche Dokumente zur Geldwäsche und erschlichen damit Gelder aus dem EU-Rettungs­fonds für Corona-Geschä­digte sowie aus der EU-Fazilität zur Konjunk­tur­be­lebung und Krisen­be­wäl­tigung (RRF). Komplizen waren Fachleute mit Erfahrung in der Beantragung öffent­licher Mittel. www.europol.europa.eu

25

Heute kann man in 25 EU- und vier Nicht-EU-Ländern ohne Ausweis­kon­trollen hin und her reisen. Als der sogenannte Schengen-Raum 1985 begann, waren es nur fünf Länder. Mehr: european-union.europa.eu

Günstig zischen: 

drinking glass Europawoche

Deutschland hat im europäi­schen Vergleich immer noch maß-volle Bierpreise. Das ergibt eine statis­tische Auswertung in dieser Europa­woche. Danach ist Gerstensaft aus dem Super­markt in Berlin mit 1,01 Euro pro halbem Liter am billigsten von allen 18 vergli­chenen Städten. Im islän­di­schen Reykjavík hingegen muss man fast das Dreifache hinlegen, um einen zischen zu können. www.t‑online.de


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