(Europäische Union) – Was hat EU-Macher und Europa-Beobachter diese Europawoche an- und umgetrieben?
Europa: Themen der Woche
- EU lässt Massenmörder laufen – musste das sein? Siehe unten.
- Österreich; Schwarzgrüne Regierung wegen Naturschutz zerstritten. Details siehe unten.
- China fängt mit Schweinereien an – was steckt dahinter? – Scrolle runter.
Das alles und noch viel mehr: von WOLF ACHIM WIEGAND

Make Europe great again:
“Macht Europa wieder groß” lautet das Motto der rechtsnationalen Regierung Ungarns für ihre EU-Ratspräsidentschaft, die am 1. Juli turnusgemäß für ein halbes Jahr beginnt. Den abgewandelten Slogan des einstigen US-Präsidenten Donald Trump dürfte Regierungschef Victor Orbán persönlich ausgesucht haben. Der Dauerquerulant der Europäischen Union ist bekennender Trump-Fan. Sein Kabinett in Budapest muss nun in der nachfolge Belgiens bis Jahresende die Sitzungen der EU-Regierungen leiten und bei Streit vermitteln.
Vielleicht als Good-Will-Signal hat Orbán den Widerstand gegen den amtierenden niederländischen Regierungschef Mark Rutte als neuen Nato-Generalsekretär aufgegeben. Der russlandaffine Orbán – der auch das Bündnis rockt – soll die Zusage haben, keine Waffen an die Ukraine schicken zu müssen. https://www.rnd.de/politik/make-europe-great-again-wie-ungarn-sechs-monate-den-takt-in-der-eu-angeben-will-UZJ2PIIRORHZPA2JOVY4SMU5IA.html
Massenmörder freigelassen:
Wenig beachtet von der Öffentlichkeit hat die EU einen spektakulären Gefangenenaustausch mit dem Mullah-Régime des Iran abgewickelt. Im Gegenzug dafür, dass Teheran den schwedischen EU-Diplomaten Johan Floderus und den Doppelstaatler Saeed Azizi aus dem Gefängnis freiließ, hoben sich die schwedischen Gardinen für den zu Lebenslang verurteilten Kriegsverbrecher Hamid Nouri.
Die Heimkehr der wegen Spionage Eingekerkerten löste in Stockholm und Brüssel Freude aus, führte aber auch zu massiver internationaler Kritik. Irans Erpressungspolitik habe Erfolg gehabt, hieß es – nun gebe es einen gefährlichen Präzedenzfall. Nouri war laut Urteil eine Schlüsselfigur bei den Hinrichtungen iranischer politischer Gefangener und soll den Tod von bis zu 30.000 Menschen auf dem Gewissen haben. nzz.ch iranintl.com
Manchmal muss man schwere Dinge tun, um das Richtige zu tun – Schwedens Ministerpräsident Ulf Kristersson war beim Deal mit dem Iran mulmig zumute

Natur lebt, Koalition zerbricht …

Auf Kosten eines Koalitionskraches hat Österreich diese Europawoche beim EU-Umweltrat für eine ausreichende Staatenmehrheit zu Gunsten des umstrittenen europäischen Renaturierungsgesetzes gesorgt. Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) hatte der grünen Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) die Zustimmung untersagt und als rechtlich ungültig bezeichnet. Die Politikerin missachtete das, womit der Weg formal frei ist – es sei denn, die Regierung in Wien klagt erfolgreich beim Europäischen Gerichtshof gegen sich selbst.
Das Vorhaben soll große Flächen bedrohter EU-Lebensräume in den natürlichen Zustand zurückversetzen. Kritiker befürchten zu große Belastungen für Landwirte und Lebensmittelproduktion. Die Regelung gilt als folgenreichstes Umweltgesetz seit Jahrzehnten. https://www.lessentiel.lu/de/story/renaturierung-eu-staaten-beschliessen-umstrittenes-naturschutzgesetz-103128980

„Das wichtigste Umweltgesetz seit Jahrzehnten, von dem niemand spricht“ - Der FOCUS analysiert, worum es bei dem EU-Renaturierungsgesetz geht – focus.de/earth

Düstere Militärprognose:
Ein beängstigendes Bild von der Verteidigungsfähigkeit Europas haben mehrere Militärexperten aus den USA gezeichnet. Sollten die Vereinigten Staaten transatlantisches Engagement zurückfahren oder mit anderen Kriegen beschäftigt sein, wäre der europäische Westen darauf nicht vorbereitet.
So äußert sich unter anderem der US- Wissenschaftler James Townsend, der acht Jahre lang in Washington Europastaatssekretär gewesen ist. Um das zu ändern müssten alle europäischen Staaten inklusive EU-Mitgliedern mehr Geld in militärische Fähigkeiten und bessere Kampfkraft investieren sowie sich besser koordinieren. Zugleich wirbt Townsend für die Offenlegung der US-Pläne im indo-pazifischen Raum, damit sich Europa besser auf die Auswirkungen vorbereiten kann. t‑online.de

Schweinerei!

Die Vorboten des drohenden Handelskrieges zwischen der EU und China haben diese Europawoche die Schweineställe erreicht. Nachdem die Kommission in Brüssel Strafzölle gegen die Schwemme künstlich verbilligter chinesischer E‑Autos angekündigt hat, reagiert die Volksrepublik mit einer ersten Gegenmaßnahme: Peking will untersuchen, ob die EU-Schweinefleischlieferungen verbotenerweise bezuschusst werden.
Eine Verteuerung der Borstenvieh-Exporte würde besonders Deutschland, Frankreich, Spanien und die Niederlande treffen. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck will Ende der Woche in China persönlich versuchen, die Wogen zu glätten. welt.de/wirtschaft
Schuldenkönig Rumänien:

Die EU-Kommission hat acht Mitgliedsländer wegen zu hoher Verbindlichkeiten im Staatshaushalt per „Defizitverfahren“ an den Pranger gestellt, darunter die Schwergewichte Frankreich und Italien. Die Mahnung in dieser Europawoche ist der Beginn eines Prozesses, an dessen Ende Milliardengeldstrafen stehen können.
Der schlimmste Sünder ist Rumänien, das schon einmal verwarnt worden ist, aber die Aufforderung, „rigoros“ zu sparen, unbeachtet ließ. Inzwischen steuert die Regierung in Bukarest mit sieben Prozent des BIP auf das größte Defizit in der EU zu. Laut EU-Regel sind nur drei Prozent erlaubt bei einer Gesamtverschuldung unter 60 Prozent. Die anderen Übeltäter sind Belgien, Ungarn, Malta, Polen und die Slowakei. Vorwurf: Versäumnis, die Bücher auszugleichen. nzz.ch de.euronews.com
Die fiskalischen Probleme haben keine konjunkturellen Ursachen, sondern es fehlt vielerorts der politische Wille, gegen diesen Missstand vorzugehen – Daniel Imwinkelried von der NZZ in Brüssel prangert fiskalischen Schlendrian an
Bankenregulierung verschoben:
Die weltweit geplanten schärferen Regeln für Banken kommen in Europa erst ein Jahr später. Dazu hat sich die EU-Kommission diese Europawoche entschlossen, nachdem die USA bei der Umsetzung bummeln.
Finanzkommissarin Mairead McGuinness nennt als neuen Einführungstermin den 1. Januar 2026, damit international gleiche Wettbewerbsbedingungen gelten. Die Regeln sehen unter anderem Begrenzungen bei der Kalkulation von Risiken und eine bessere Absicherung von Krediten vor. faz.net/aktuell/finanzen
EU macht Schotten dicht:

Die in Kürze gültigen neuen Einreiseregeln für die Europäische Union stoßen in der Tourismus- und Transportbranche auf Kritik. Ab dem 5. Oktober 2024 sieht das Einreise-/Ausreisesystem (EES) vor, dass Briten und andere Urlauber aus “Drittstaaten” den Grenzübertritt bei der Passkontrolle mit Foto und Fingerabdrücken registrieren müssen – einen Reisepass-Stempel gibt es dann nicht mehr.
Das alles bedeutet nach Ansicht von Unternehmen mehr Bürokratie und hemmt die Reisefreudigkeit, hieß es diese Europawoche. Außerdem stehe kurz vor Inkrafttreten nicht fest, wie die Regeln genau umzusetzen seien. Besonders betroffen sind Flughäfen, Fährhäfen und Eisenbahnunternehmen. de.euronews.com/reise

Nebensache Gesundheit:
Ein zentraler Bereich der Daseinsvorsorge könnte in den kommenden fünf Jahren bei der Europäischen Union zu den weniger dringlichen Themen gehören – die Gesundheit. Das geht aus einem öffentlich gewordenen Entwurf für die Strategische EU-Agenda der 27 Staats- und Regierungschefs hervor. Danach stehen Sicherheit und Verteidigung ganz vorne, während die Gesundheitspolitik keine große Rolle spielt.
Europaabgeordnete verschiedener Lager bezeichneten das in ersten Reaktionen während der Europawoche als „schockierend“, „unglaublich“ und „besorgniserregend“. Gesundheit sei eine der „sensiblen Schlüsseltechnologien der Zukunft“ und ähnlich wichtig wie Militär, Raumfahrt und Künstliche Intelligenz. https://www.euractiv.de/section/gesundheit/news/gesundheitspolitik-wird-in-der-eu-kuenftig-zur-nebensache/

341.000.000
Rund 341 Millionen Menschen benutzen täglich den Euro. Er ist damit die weltweit am zweithäufigsten verwendete Währung nach dem US-Dollar. Was meinen Sie – ist es gut, dass viele europäische Staaten eine Gemeinschaftswährung haben oder wäre es besser, wir kehrten zu nationalem Geld wie Mark, Peseta oder Lire zurück?

Teile Europas sind uncool:
Im Süden und Mittleren Osten Europas ächzen die Menschen dieser Tage unter einer Hitzeglocke. In der Türkei und in Ungarn ist das Thermometer extrem auf über 40 Grad geklettert. Die Akropolis in Athen wird bei bis zu 45° C immer wieder für das Publikum geschlossen, weil Touristen beim Warten vor der UNESCO-geschützten Stadtfestung in Ohnmacht fallen.
Eine Analyse aus Großbritannien prognostiziert, dass die Sommer in Europa künftig noch heißer werden könnten – kurioserweise auch deshalb, weil umweltschutzbedingt mehr saubere Luft zu mehr Hitze führt, da die Sonnenstrahlen besser durchdringen. merkur.de wetter24.de (Europawetter aktuell)
Wir werden 2024 den Höllensommer des Jahrhunderts und Jahrtausends kriegen. - Der Kölner Kriminalbiologe Mark Benecke zieht sich schon mal warm an …
Was denkt ihr zu alledem, was sich in und um Europa herum derzeit so tut? Schreibt es hier unten in den Kommentar. Dankeschön!
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