Von Wolf Achim Wiegand 

Hamburg (waw) – Das Chaos ist die Geburt­stätte des Verbre­chens und Krisen­si­tua­tionen produ­zieren immer auch Gewinner. Das bekommt dieser Tage die südame­ri­ka­nische Republik Kolumbien zu spüren. Dort tritt die Mafia als ehren­werter Bewahrer der Corona­regeln auf und führt die Schwäche des Staates vor – siehe unten.

Die Welt in Zeiten der Corona­pan­demie ist zugleich ein Tummelfeld für Schar­latane, Gerüch­te­macher und Abzocker. Wir schauen nach Indonesien (Asien) und nach Madagaskar (Afrika), wo Menschen vergack­eiert und abgezockt werden. Und auch das ist eine Betrachtung wert: Die bislang unbekämpfbare Infektion hat Zeiten der Ruhe und der Stille geschaffen. Mehr dazu im Text.


🇨🇴 Kolumbien: Banden exekutieren Coronaverweigerer

Ausge­rechnet krimi­nelle Drogen­kar­telle spielen sich in Kolumbien als Vertreter von Recht und Gesetz auf. Wer sich nicht an die von ihnen verhängten Lockdown­regeln hält, der gerät in Gefahr, regel­recht hinge­richtet zu werden. Das berichtet die inter­na­tionale Menschen­rechts­or­ga­ni­sation Human Rights Watch (HRW). Den Experten zufolge nehmen bewaffnete Gruppen insbe­sondere in solchen Gebieten das Gesetz in die Hand, wo die Infek­ti­ons­raten durch die Decke schießen. 

Wer die Anord­nungen nicht befolgt spielt mit seinem Leben. So, wie Edison León Pérez, der Leiter einer Gemein­de­or­ga­ni­sation im Grenz­bezirk Putumayo. Der 57jährige hatte sich öffentlich darüber beklagt. dass eine Gruppe namens “La Mafia” mehrere Anwohner gezwungen hatte, Virus-Kontroll­punkte einzu­richten und zu zu besetzen. Mindestens 15 Morde seit Jahres­beginn sollen auf das Konto der selbst­er­nannten “Volks­wächter” gehen.


🇦🇺 Australien: Vorzeigeland wird Problemfall

Zu Beginn der Corona­vi­ruspan­demie stach das abgelegene und abgeschottete Australien im Weltmaßstab gut da. Zusammen mit Taiwan, Singapur und Neuseeland galt es als ein Vorreiter bei der Eindämmung. Nach drei Monaten harten Lockdowns und scharfer Kontroll­maß­nahmen führte die Regierung in Canberra Locke­rungen ein – und erntete einen signi­fi­kanten Wieder­an­stieg der Infektionsfälle.

Ein Problem bei der Coronabe­kämpfung ist für das Einwan­de­rungsland Australien unter anderem die große Zahl unter­schied­licher Immigran­ten­gruppen – es sind rund 60. Jede muss aus kultu­rellen, religiösen oder anderen Gründen anders angesprochen werden. Im Bundes­staat Victoria mit der Haupt­stadt Melbourne gehen Gesund­heits­beamte teilweise von Tür zu Tür oder klären die Menschen in fahrenden Zügen und in Einkaufs­zentren auf. 

“Es geht darum, das Konzept ‘Für-alle-Dasselbe’ aufzu­geben. Denn Australien ist kein Land der Einheitsgrößen.” 

Stephanie Dalzell, Redak­teurin bei abc.net.au

Und so kommt es, dass öffent­liche Appelle in Australien selbst auf Griechisch unter die Leute gebracht werden.


🇮🇩 Indonesien: Wunderheilmittel Eukalyptus

Im südost­asia­ti­schen Insel­reich Indonesien sprechen Offizielle dem Eukalyp­tusbaum heilende Kräfte gegen Covid-19 zu. Angeblich enthält die Pflanze aus der Familie der Myrten­ge­wächse einen “Virus-Blocker”. Einen Beweis für die Heilkraft gibt es nicht.

Bereits das tägliche 30minütige Tragen einer Halskette oder eines Duftbeutels aus Eukalyp­tus­samen, ‑blättern und ‑blüten könne den größten Teil der Infek­ti­ons­quelle zerstören, verkündete Landwirt­schafts­mi­nister Syahrul Yasin Limp, und ordnete die Massen­pro­duktion so eines Teils an. Und das, obwohl Experten seines Landes warnen, es gebe weltweit kein einziges Zauber­mittel gegen das tödliche Virus.

Die US-Gesund­heits­be­hörden haben unter­dessen alle Importe des “natür­lichen” Corona­heil­mittels aus Indonesien verboten. “Unehr­liche Subjekte” verkauften “betrü­ge­rische und illegale Artikel”, die nicht dem Schutz der Ameri­kaner vor dem Corona­virus dienten, heißt es aus Washington. Dennoch sollen Geschäfts­macher bereits eine halbe Million Produkte an den Mann und die Frau gebracht haben.


🇲🇬 Madagaskar: Beifuß gegen Corona

Auch Madagaskars Präsident Andry Rajoelina ist dem Glauben an einen Zauber­trank gegen das Corona­virus verfallen. Eine von ihm öffentlich empfohlene Kräuter­me­dizin besteht im Wesent­lichen aus dem farnähn­lichen Beifuß (engl. Artemisia). Beweise für die Wirksamkeit gibt es nicht – was (w/f)indige Dealer nicht davon abhält, das Gesöff auf Straßen und Plätzen Amerikas von beredten fliegenden Händlern anbieten zu lassen:

Liefe­rungen des angeb­lichen Arznei­mittels wurden in Dutzende afrika­ni­scher Länder verschickt. Experten in Nigeria und der Demokra­ti­schen Republik Kongo warnen jedoch vor dem Mittel. Auch im Land der Erfinder herrscht Skepsis: Das Gesund­heits­mi­nis­terium von Madagaskar bat weltweit um Nothilfe, da die Zahl der Corona­pa­ti­enten trotz der heimi­schen Plörre zunimmt.


Zum Schluss meiner Zusam­men­stellung über das Corona­virus anderswo eine irgendwie tröst­liche Meldung:

🌐 Die Welt atmete durch

Nie war es in der Neuzeit so still, wie während des Corona-Lockdowns. Abgeschaltet Fabriken, still­ge­legte Flugzeuge oder kaum Menschen auf den Straßen haben den Planeten leise gemacht. Das war rund um den Erdball sogar für seismische Messsta­tionen zu spüren – nur noch “seismi­sches Rauschen” verzeich­neten Forscher.

Der Wissen­schaft bot die Stille eine einmalige Gelegenheit: Die Daten von 268 Messsta­tionen weltweit ließen nämlich den Weg des Virus um die Welt nachzeichnen. Die zurück­ge­fahrene Geräusch­ku­lisse begann in China, führte über Europa und schließlich bis nach Nord- und Südamerika. Und was hat man nun davon? Vermutlich gibt es neue Erkennt­nisse über die Vorhersage grösserer Erdbeben: 



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