Europa im Blick­punkt – Wiegand wills wissen” – Kolumne für FORUM – Das Wochen­ma­gazin. Heute: Die Europäische Kommission plant ein Rauch­verbot auch im Freien. Aber wie sinnvoll ist das?

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Europa im Blickpunkt
Wiegand wills wissen

Manche atmen auf, andere schnauben vor Wut. Das Thema Tabak­rauch­verbot spaltet die Menschen – und das schon lange. Den weltweit ersten Bann gegen Raucher erließ König Jakob I. von England und Schottland im Jahre 1604. Er nannte das Qualmen eine “sündhafte und übelrie­chende Gewohnheit” und belegte es mit hohen Steuern. Der Konsum nahm jedoch nicht ab.

King Jacob I. / Foto: historic-uk.com

Das Rauchen ist eine Gewohnheit, die dem Auge gefällt, der Nase zuwider ist, dem Gehirn schadet und die Lunge gefährdet. - In seiner “Gegen­schrift gegen den Tabak“ (A Counterb­laste to Tobacco) wusste König Jakob I. schon 1604 über negative Folgen genau Bescheid.

Der Streit ist also alter Tobak. Und dennoch entflammen vier Jahrhun­derte später erneut hitzige Debatten über Zigaretten, Pfeifen und E‑Zigaretten. Die Europäische Kommission plant, den Rauch von Glimm­stängeln und Dünste verdampfter Liquids radikal einzuschränken.

Das Verbot soll nicht nur wie gewohnt in Innen­räumen, sondern künftig auch im Freien gelten. Etwa an Bushal­te­stellen, vor Kranken­häusern und auf Spiel­plätzen. Also überall dort, wo laut der Kommission „eine erheb­liche Belastung durch Passiv­rauch und Aerosole“ besteht. Das betrifft das Einatmen nikotin­hal­tiger verkoh­lender Blätter ebenso wie das Inhalieren aroma­ti­sierter Flüssig­keiten mit Spuren von Arsen, Blei oder Nickel.

Entspre­chende Verbote gibt es bereits in einigen Regionen, auch in Deutschland. Aller­dings: Sie gelten nicht einheitlich in allen 27 EU-Mitglied­staaten. Das treibt das gesund­heits­be­wusste Brüssel an.

Doch sind die Auswir­kungen so gravierend, dass ein solch striktes Verbot nötig ist? Oder handelt es sich eher um EU-Symbol­po­litik, um das ehrgeizige Ziel einer „tabak­freien Generation“ bis 2040 zu rechtfertigen? 

Zweifel sind angebracht. Wie schon zu Zeiten König Jakobs dürften Paffverbote auch nach 450 Jahren eher wenig Erfolg für die Volks­ge­sundheit haben.

Nächste Woche mehr aus Europa.

Eine Kolumne von Wolf Achim Wiegand, freier Journalist mit EU-Spezialisierung

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