Europa im Blick­punkt – Wiegand wills wissen” – Kolumne für FORUM – Das Wochen­ma­gazin. Heute: Die Wohnungsbau-Krise quält Menschen in ganz Europa. Ob in Stockholm oder auf Sizilien – überall ist Wohnraum knapp, zu teuer und wird zu wenig gebaut. Nun will sich die EU des Problems annehmen. Ein Däne soll neue Konzepte entwi­ckeln.

Europa im Blick­punkt – Wohnungsbau-Krise – Titelfoto: KI

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Europa im Blickpunkt
Wiegand wills wissen

Europa im Blick­punkt – Wohnungsbau-Krise

Kosten­günstig in den eigenen vier Wänden wohnen – für viele Menschen ist das nur ein Traum. In fast ganz Europa sind die Kosten so hoch, dass Mieter und Kaufin­ter­es­senten verzweifeln. Relativ günstig ist es nur noch in Dänemark und Italien. Öster­reich und Deutschland gehören zum Hochpreissegment. 

Erstmals in der EU-Geschichte will sich nun Brüssel um das Problem kümmern. Dazu hat EU-Kommis­si­ons­prä­si­dentin Ursula von der Leyen Dänemarks Klima- und Energie­mi­nister Dan Jørgensen auser­koren. Im Ressort Wohnungsbau soll der 49-jährige Sozial­de­mokrat europäi­schen Wohnraum günstiger machen. Die Erwar­tungen sind groß, die Begehr­lich­keiten und Forde­rungen schon jetzt massiv.

Dan Jørgensen

Europa im Blick­punkt – Wohnungsbau-Krise

Seinen Plan wird Jørgensen erst ausar­beiten können, wenn er im November vom EU-Parlament im Amt bestätigt wird. Durch­ge­si­ckert ist bereits, dass der Wohnungs­kom­missar mehr Förder­gelder generieren möchte. Dazu könnte er einen Teil des Kohäsi­ons­fonds nutzen, der 392 Milli­arden Euro umfasst.

ifo Institut am 01. August 2024

Ein Problem Jørgensens ist, dass die EU beim Wohnungs­wesen wenig Kompe­tenzen hat. Deshalb wird er im Konsens mit den Regie­rungen entspre­chende Regeln überar­beiten müssen. Dabei ist die nationale Brille abzulegen. Ein gemein­samer Wirtschaftsraum bedeutet nicht nur das Hin- und Herschieben von Waren, sondern auch, dass Menschen vernünftig sesshaft werden können.

Das Handeln ist dringlich. Die Preise und Mieten sind europaweit in die Höhe geschnellt. Zugleich gibt es immer weniger Bau und Renovie­rungen. Besonders prekär ist das für junge Städter. Das drückt den Arbeits­markt. Gegenden, wo anstän­diges Wohnen unerreichbar ist, halten Fachkräfte vom Zuzug ab.

Viel Zeit hat Jørgensen nicht. Seine Chefin hat versprochen, den Plan zur Kosten­senkung im EU-Wohnungsbau innerhalb der ersten 100 Tage der Kommis­si­ons­amtszeit vorzulegen.

Fazit: Gut, dass die EU sich des Themas Wohnungsbau annimmt. Hier kann Europa ganz praktisch zeigen, dass es ein Bürger­projekt ist und kein Wolkenkuckucksheim.

Europa im Blick­punkt – Wohnungsbau-Krise

Nächste Woche mehr aus Europa.

Eine Kolumne von Wolf Achim Wiegand, freier Journalist mit EU-Spezialisierung

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